Brittas Hafen Podcast

Britta Mueller

Unpaid Care Work

Franziska Büschelberger

26.09.2026 29 min

Zusammenfassung & Show Notes

Franziska Büschelberger  spricht in dieser Folge über unbezahlte Sorge- und Pflegearbeit. Aus dem Bedarf, Mutterschaft und Care-Arbeit im Lebenslauf sichtbar zu machen, ist das Projekt „Unpaid Care Work“ entstanden.  Warum sie auf LinkedIn eine gleichwertige Darstellung schaffen wollte, klären wir in dieser Podcast Folge.
Außerdem geht es um ihre Arbeit mit BIST-Analysen, Mitarbeiterumfragen, Workshops und Team-Begleitung in Unternehmen. Franziska beschreibt Fähigkeiten aus Elternschaft und Pflegeverantwortung wie Organisation, Priorisierung, Kommunikation, Krisenmanagement und Verantwortungsbewusstsein und spricht darüber, wie Unternehmen Überlastung erkennen und Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden besser einbeziehen können.

Franziska Büschelberger https://www.franziska.bueschelberger.de
Unpaid Care Work https://unpaid-care-work.de (die .com geht auch)
Franziskas Blog und Kolumnen https://www.franziska.bueschelberger.de/blog
Foto von Franziska Büschelberger: Katrin Schindler https://www.linkedin.com/in/katrinschindler/

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Transkript

Moin und Hallo in Brittas Hafen Podcast. Wie schön, dass du dabei bist. Ich bin übrigens Britta. Heute ist Franziska Büschelberger meine Gesprächspartnerin. Das Thema ist Unpaid Care Work, unbezahlte Sorgearbeit. Franziska hat das Thema sehr interessant angepackt. Ich denke, das wird eine richtig tolle Folge. Viel Spaß dabei. Dieser Podcast wird unterstützt von der Fairplay-Towage-Group #Strong Connection. Vielen Dank dafür und los geht's! Willkommen in einer neuen Folge von Britas Hafen Podcast. Heute spreche ich mit Franziska Büschelberger. Sie habe ich auf dem Leipzig Lauscht Festival kennengelernt. Das ist ein Podcast-Festival. Und übrigens war es das allererste Mal, dass ich auf einem Podcast-Festival gewesen bin. Aber es war nicht das letzte Mal. Es gab dort Panels über verschiedene Themen wie Teilhabe, Vielfalt, Demokratie und Haltung. Und in einem Panel zum Thema Teilhabe braucht Bühne habe ich Franziska gehört. Franziska Büschelberger gründete auf LinkedIn das fiktive Unternehmen Unpaid Care Work, das private Sorge- und Pflegearbeit sichtbar macht und auf die berufliche Ebene hebt. Sie ist Inhaberin von BIST-Analysen, Speakerin und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Sie schreibt eine Kolumne bei der Frankfurter Rundschau. Alle Links gibt es natürlich in den Shownotes. Franziska analysiert, wie Menschen unterschiedliche Verantwortungen miteinander vereinbaren, wie sie Unternehmenskultur erleben und was es braucht, damit Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit nicht gegeneinander arbeiten. Das fiktive Unternehmen, das Franziska gegründet hat, Unpaid Care Work, wurde bereits ausgezeichnet und Franziska ist vom Wirtschaftsmagazin Strife als eine der 100 einflussreichsten Frauen Deutschlands gelistet. Die Frage, was das mit der maritimen Branche zu tun hat? Ganz klar, auch in der maritimen Branche gibt es jede Menge Menschen, die ihre bezahlte Arbeitszeit reduzieren oder sich eine Zeit lang um andere Menschen kümmern, eben an Paid-Care-Arbeit leisten. Und ich freue mich so sehr, dass sie heute da ist und es war gar nicht leicht, einen Termin mit ihr zu finden. Hallo Franziska.
Franziska
00:02:20
Hallo liebe Britta, von Herzen danke für die Einladung.
Britta
00:02:24
Ja, ich freue mich, dass das heute geklappt hat und dass wir uns überhaupt kennengelernt haben. Ich komme mal sofort auf den Punkt. Du hast auf LinkedIn das fiktive Unternehmen Unpaid Care Work gegründet. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen?
Franziska
00:02:39
Ich hatte den Bedarf selbst. Ich brauchte eine wertschätzende Angabe meiner Mutterschaft im Lebenslauf. Ich bin über viele, viele Jahre hinweg alleinerziehend gewesen mit meinen beiden Jungs und habe meine Elternschaft schon immer angegeben im Lebenslauf. Das ging auch gar nicht anders. Spätestens 14 Tage nach Berufseinstieg wäre der Anruf gekommen aus dem Kindergarten, holen Sie bitte Ihr Kind ab. Deswegen konnte ich das nie verheimlichen. Und als ich meine Selbstständigkeit angetreten habe, bin ich zu LinkedIn gegangen, um dort einfach auch sichtbar zu werden. Und auch dort fehlte mir einfach die Möglichkeit, das auf Augenhöhe mit Arbeitgebenden einzutragen. Und auf LinkedIn habe ich aber gemerkt, stopp, hier kann ich was ändern. Was brauche ich damit in meinem CV auch ein Logo hinterliegt, hinter meinem Step Mutterschaft und da nicht nur ein grauer Button, der nicht gefüllt ist. Aha, ich muss eine Unternehmensseite anlegen und dann habe ich das einfach gemacht, für mich ganz alleine. Was ich dann damit loslöse, da war ich tatsächlich ziemlich naiv. Das war also nicht geplant, sondern ich habe einfach einen eigenen Bedarf umgesetzt.
Britta
00:03:54
Verrückt. Jetzt hast du nur gesagt, so im Nebensatz, ich bin ja selbstständig. Was machst du denn genau?
Franziska
00:03:59
Ich gehe in die Unternehmen und frage einfach die Menschen, was braucht ihr? Ich finde, sowohl die Menschen haben Bedarfe, die sie sich nicht trauen zu äußern, weil sie Angst haben vor Konsequenzen, weil sie Sorge haben, dass das eh nicht interessant ist. Und die Unternehmen haben aber auch Bedarfe. Sie brauchen Wirtschaftlichkeit, sie brauchen Leistungsfähigkeit, sie brauchen Menschen, die festhalten und Entscheidungen mittragen. Und ich gehe in die Unternehmen und bringe quasi beide Bedarfe übereinander und schaue, wo ist denn der gemeinsame Nenner und den gibt es. Aber wenn wir nicht drüber reden, dann können wir den auch nicht herausfinden. Und deswegen, das mache ich in meiner Selbstständigkeit, dass ich in die Unternehmen gehe und schaue, warum werden die Menschen krank? Warum gehen sie? Warum machen sie nur noch Dienst nach Vorschrift? Und was brauchen die Menschen eigentlich? Und ich höre quasi beiden Seiten zu. Ich höre den Menschen zu und ich höre dem Unternehmen zu und bringe sie quasi auf eine Ebene.
Britta
00:04:59
Okay, und dein Unternehmen heißt wie?
Franziska
00:05:01
BIST Analysen. Ich gebe Vorträge und Workshops zum Thema. Ich mache Mitarbeiterumfragen und gehe auch in die Teams und begleite sie über eine Woche mit einem Team-Mentoring.
Britta
00:05:12
Spannend. Jetzt nochmal zurück zu deinem Unpaid-Care-Work, was du ja ehrenamtlich machst. Noch dazu, kannst du einmal sagen, ich habe neulich mal drauf geguckt, wie viele Menschen sich da registriert haben. Das werden ja jeden Tag mehr. Kannst du da einmal die aktuellen Zahlen sagen?
Franziska
00:05:30
Ja, das stimmt, du hast recht, das werden organisch echt wirklich täglich mehr. Und das ist so ein erfüllendes Geschenk für uns alle, damit dieses Thema einfach Sichtbarkeit erhält. Und ich glaube, wenn du mich nach Zahlen fragst, müssen wir unterscheiden. Einmal die Menschen, die der Unternehmensseite folgen. Das sind über 21.000 Menschen inzwischen innerhalb von noch nicht mal zweieinhalb Jahren.
Britta
00:05:54
Wahnsinn.
Franziska
00:05:54
Und dann die Menschen, die es wirklich in ihrem CV, in ihrem Lebenslauf auf LinkedIn angegeben haben. Und das ist ein bisschen schwierig, immer rauszurechnen auf LinkedIn. Aber es müssten über 3.400 Menschen sein, die es wirklich als Arbeitgeberin oder Bildungseinrichtung oder sogar beides angegeben haben.
Britta
00:06:16
Was ist jetzt genau der Punkt, warum es dir so wichtig ist, dass diese Sorge- und Pflegearbeit auf so eine berufliche Ebene sozusagen gehoben wird?
Franziska
00:06:24
Weißt du, ich finde, wir definieren Leistungen ausschließlich monetär. Und das bedeutet, dass die Menschen, die Sorge und Pflegeverantwortung tragen, bis zu 18 Jahre oder im Fall von pflegenden Eltern ihr Leben lang, dass sie wirtschaftlich nicht als leistend gelten. Ich habe das selbst erlebt als alleinerziehende Mutter. Mein Scheidungsanwalt hat damals zu mir gesagt, da waren meine Kinder ein Jahre und drei Jahre, gehen sie lieber nicht arbeiten. Ihnen würden mehr Gelder zur Verfügung stehen, wenn sie nicht beruftätig sind. Und das zeigt ja, wie schwach wir quasi wahrgenommen werden, auch in der Wirtschaft. Da geht es ja los bei Teilzeit, dass dort auch nicht mehr Unternehmen glauben, dass Frauen in Teilzeit Führungsverantwortung übernehmen können, dass sie, es schaffen, ihre Kinder so weg zu organisieren oder zu betreuen, dass sie verantwortungsvoll im Job einfach sein können. Und es ist ja nicht so, dass wir nichts leisten, nur weil diese Arbeit unbezahlt ist. Und das ist etwas, das geht nicht. Deswegen, ich finde, wir leisten nicht nur gesellschaftlich, sondern auch wirtschaftlich etwas und wir bauen während dieser jahrelangen Arbeit, Kompetenzen auf, die wir ja auch in die Unternehmen tragen, an unseren Arbeitsplatz, von dem die Unternehmen profitieren. Und deswegen finde ich, ist es eine Arbeit und Leistung, die auf beruflicher Ebene unbedingt Sichtbarkeit braucht. Nichts, nicht sogar zuletzt, weil auch Unternehmen uns als Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber brauchen. Können und da einfach, das geht dann wieder mit meinen BIST-Analysen zusammen, einfach zu sehen, wo sind hier die beiden Bedarfe, wo ist das, was wir brauchen, die Menschen brauchen Arbeit, die Arbeitgeber brauchen Menschen, die sie leisten, und da einfach zusammenzufinden und zu sagen, jawohl, wir sind nur ein Mensch, wir können uns nicht teilen zwischen beruflich und privat und deswegen gehört die Leistung, die wir privat ausführen, auch auf berufliche Ebene.
Britta
00:08:45
Du hast eben schon die Kompetenzen angesprochen, das finde ich auch nochmal einen ganz wichtigen Punkt. Ich habe ja tollerweise auch Kolleginnen, die Mütter sind und bin total glücklich darüber, weil die eben Kompetenzen mitbringen, wie super Organisationstalent, total effizient und so weiter. Was würdest du sagen, sind die Kompetenzen, die man mitbringt aus so einer Sorge- und Pflegearbeitszeit?
Franziska
00:09:08
Ich habe, muss ich vielleicht kurz ein bisschen ausholen, Ich möchte über Unpaid Care Work ein Projekt, ein Fördermittelprojekt an Land ziehen, was ich bereits schon runtergeschrieben habe und auch schon zwei Universitäten und eine Hochschule und ein Unternehmen, was das technisch umsetzen würde, wissenschaftlich eben betreut durch Universitäten, um die Kompetenzen aus Elternschaft, die beruflich relevanten Kompetenzen aus Elternschaft individuell zu identifizieren, auf Erwerbsebene zu übersetzen und für den Arbeitsmarkt verfügbar machen und im Rahmen, Der Recherchen im Vorfeld zu diesem Projekt habe ich allein über meine Recherchen, 140 Kompetenzen schriftlich festgehalten. Und das sind mit Sicherheit noch mehr. Deswegen, man kann gar nicht auf alle eingehen. Aber klar, du hast es gerade angesprochen, Organisationsfähigkeit. Ich glaube, das ist das Erste, was uns allen so einfällt, weil wenn wir es schaffen, mehrere Familienkalender gleichzeitig im Blick zu halten, dann schaffen wir das natürlich auch an unserem Arbeitsplatz. Ganz wichtig finde ich immer diesen Punkt Priorisierung unter Druck. Wir Eltern und Pflegenden stehen so unter enormem Druck und müssen innerhalb dieses Druckes auch noch priorisieren, was ist jetzt gerade am wichtigsten, was ansteht. Und diese Kompetenz verlernen wir ja nicht, wenn wir das Zuhause verlassen und bei dem Arbeitgebenden zur Tür reingehen. Das nehmen wir ja mit, diesen Skill. Oder auch, finde ich, was auch großer Teil meiner BIST-Analysenarbeit ist, emotionale und soziale Intelligenz. Joachim Elask hat eine Studie gemacht, in dem er. Diese Skills versucht hat, darzustellen in einer Studie, und das psychologische Kapital von Menschen mit Elternverantwortung und ohne Elternverantwortung in einem Unternehmen gegenübergestellt. Und die Menschen mit Elternverantwortung hatten ein signifikant höheres psychisches Potenzial, was sie mitgebracht haben. Und da einfach hinzuschauen und zu sagen, okay, emotionale und soziale Intelligenz, das ist etwas, was wir brauchen in den Teams, bringen Eltern mit. Krisenmanagement, Kommunikation und Vermittlung, Verantwortungsbewusstsein. Können wir noch einen zweiten Podcast füllen?
Britta
00:11:37
Ja, da bin ich sehr gespannt auf die Studie. Das wird ja nochmal richtig spannend, ob das was wird. Ich drücke alle Daumen.
Franziska
00:11:42
Ja, vielen Dank.
Britta
00:11:44
Was gab es denn jetzt für Reaktionen auf dieses fiktive Unternehmen? Hat dich irgendwas besonders überrascht dabei?
Franziska
00:11:50
Also überrascht war ich natürlich als erstes von dieser enormen Welle, die das ausgelöst hat. Ich habe damals meinem doch recht kleinen, jungen Netzwerk, nachdem ich diese Unternehmensseite angelegt habe, habe ich das aufgefordert in einem Beitrag, wenn ihr, mit eurer privaten Sorge- und Pflegeverantwortung beruflich wertgeschätzt werden wollt, müsst ihr beruflich sichtbar werden. Und ich habe so gedacht, naja, jetzt kann ich einmal im Monat so einen Beitrag schreiben und einfach schauen, dass das noch mehr Menschen machen. Ich habe den Beitrag einmal geschrieben, weil diese Welle, die es da losgelöst hat, die war wirklich unfassbar. Und das war sicherlich das Erste, wo ich völlig überrascht war. Im Nachhinein hätte es mich nicht überraschen sollen, weil mir war, also heute ist mir natürlich klar, meinen Bedarf haben viele andere Menschen auch. Was mich dann aber auch wirklich sehr berührt hat, kann ich fast eher sagen, dass Menschen auf mich zugekommen sind und gesagt haben, wir wollen das unterstützen. Was können wir tun, damit das mehr Sichtbarkeit bekommt, damit Unpaid Care Work, diese fiktive Arbeitgeberin und Bildungseinrichtung, dass das weiter bespielt wird. Und dann sind eben nicht nur Menschen auf mich zugekommen, sondern auch Unternehmen, die gesagt haben, unsere Mitarbeitenden werden das pro bono unterstützen. Wir stehen als Arbeitgeber dahinter. Und da habe ich so gedacht, was für ein Geschenk, Weil genau das ist es ja, was wir brauchen, dass die Unternehmen sagen, es ist auch Teil unserer Verantwortung. Und somit ist dieses Team hinter Unpaid Care Work ausschließlich Ehrenamt und Pro Bono geführt. Der LinkedIn-Kanal ist ein junges Unternehmen, also jung, ich weiß gar nicht so jung, in den Jahren sind sie noch nicht, aber es sind alles sehr junge Menschen. Aus Wien, das professionell den LinkedIn-Kanal führt, ein Geschenk. Und wir haben noch mehrere andere Unternehmen, die gesagt haben, ihr kriegt unsere Leistungen unbezahlt und, Also wenn man da tiefer mal reindenkt und sich bewusst macht, was da gerade passiert, dann kriege ich echt Gänsehaut.
Britta
00:13:55
Ja, ich auch gerade. Das ist ja unglaublich. Kannst du vielleicht ein oder zwei Unternehmen nennen, die dich unterstützen?
Franziska
00:14:03
Ja klar, Leads & Content ist das Unternehmen aus Wien, die quasi Online-Marketing machen, Social Media und so weiter und die ziehen das, das ist so hochprofessionell, die Beiträge stellen die selbst zusammen und geben das quasi Katrin Fuchs und mir, die das ehrenamtlich aus der fachlichen Sicht betreuen, Unpaid-Care-Work, stellen uns das einfach nur rein zur Freigabe. Und wir lesen es einfach nur und sagen, wow, danke, es ist so auf den Punkt. Dann haben wir ein Pro Bono-Branding erstellt bekommen. Das heißt, das Logo von Unpaid-Care-Work ist uns professionell erstellt worden. In der Logo-Zusammenstellung, in dem Schriftzug, in dieser Farbwahl. Das ist quasi auch fachlich hochprofessionell gebaut. Dann haben wir die Webseitenstruktur pro Bono gebaut bekommen und das Hosting müssen wir nicht bezahlen von Ideenkind. Also Ideenkind GmbH hat uns sowohl das Branding erstellt als auch die Webseitenstruktur. Dann haben wir einen Impressum-Service, der uns, der mich quasi schützt in meiner privaten Adresse, dass ich da nicht meine private Adresse freigeben muss, sondern eine Impressumsadresse dahinter liegt ladungsfähig, das ist Postflex GmbH. Und dann haben wir LamaPol, das ist ein Befragungstool. Damit wir die Menschen, das haben wir jetzt noch nicht aktiv genutzt, aber die Lizenz haben wir pro bono erhalten, dass die 21.000 Menschen, die jetzt dieser Unternehmensseite folgen, dass wir die in Zukunft nutzen. Dass wir ihnen eine Stimme geben können, dass ich also Befragungen über Unpaid Care Work reingeben kann ins Netzwerk und fragen kann, was braucht ihr, welche Lebenssituationen habt ihr auch in Richtung, Bedarfe und Realitäten. Ich habe das Gefühl, dass wir auch politisch Entscheidungen treffen, die den Lebensrealitäten überhaupt nicht entsprechen. Und da einfach auch diese große Community zu nutzen und zu sagen, zeigt euch, wir geben euch die Stimme in Form von Umfragen, um einfach dem ganzen Thema Sichtbarkeit zu geben. Und das haben wir auch von LamaPoll, hat uns da eine Jahreslizenz quasi geschenkt, weil sie diese Sache unterstützen.
Britta
00:16:36
Toll, also vielen, vielen Dank an all diese tollen Firmen und natürlich ganz besonders auch an dich, dass du das auf die Beine gestellt hast. Das ist ja einfach irre, so nebenbei.
Franziska
00:16:48
Ich bin es wirklich nicht alleine. Also ich bin, ja, ich habe eine Vision und ich gehe da voran und sage so und ich möchte gerne und das brauche es. Wir wären jetzt nicht an dieser Stelle, wenn ich nicht so viele Menschen neben mir hätte. Also wie gesagt, Katrin Fuchs muss ich erwähnen. Petra Bitter, die macht uns das ganze Marketing, Pressearbeit, füllt die Webseite mit Inhalten. Und dann gibt es auf unserer Webseite, können wir ja nachher auch noch die Internetadresse, nennen, da haben wir alle Menschen aufgelistet, die da wirklich neben mir stehen. Nicht unter mir, sondern wirklich, wir stehen alle nebeneinander und das ist Gold wert.
Britta
00:17:27
Ich würde jetzt nochmal ganz konkret auf diese maritime Branche zu sprechen kommen. Da gibt es ja viele Jobs, die was zu tun haben mit Schichtdienst, mit Einsatzzeiten, Präsenzarbeit, Reisen, operative Geschichten. Was denkst du, wie könnte man da besonders, also aus deiner Erfahrung von den anderen Dingen, die du schon so alle erlebt hast, wie könnte man da diese Herausforderungen mit Vereinbarkeit von Sorgearbeit und Arbeitsplatz unter einen Hut bringen?
Franziska
00:17:57
Ich würde sagen, als erstes lösungsorientiert rangehen. Wenn eine Hürde sichtbar wird, wenn sichtbar wird, dass irgendwo etwas nicht funktioniert, weil Unvereinbarkeit dahintersteht. Und nicht rangehen und sagen, Familie und Job kann nicht vereinbart werden, sondern wirklich lösungsorientiert rangehen und die Eltern und Pflegenden in den Unternehmen wirklich fragen, was braucht ihr, wo sind eure Bedarfe, wo seht ihr die Lösungen. Und ich finde immer, dass die Mitarbeitenden in den Unternehmen die besten Berater sind fürs Unternehmen. Ich finde das immer so unglaublich krass, dass Unternehmen wirklich viel Geld in die Hand nehmen, um externe Berater sich reinzuholen. Wo ich so denke, ihr habt die besten Berater bei euch. Das sind die Menschen, die die Strukturen kennen und die wissen, was die Mitarbeitenden brauchen. Fragt sie einfach, wie können wir gemeinsam Möglichkeit schaffen. Die euch als Mitarbeitende unterstützen und unsere unternehmerischen, wirtschaftlichen Ziele gleichfalls unterstützen. Dann fällt mir ein Netzwerke bilden, ein Wir bilden, weil wenn wir Zugehörigkeit, Unternehmenszugehörigkeit, und Teamgemeinschaft wirklich als ein Wir spüren, dann hat das unfassbare Kraft, und das bedeutet, dass Netzwerke bilden nicht nur heißt, dass Mütter oder Väter oder Pflegende sich untereinander vernetzen. Nein, alle, weil wir haben alle irgendwo auch die Pflicht und Vereinbarkeit möglich zu machen. Auch wenn ich selber nicht davon betroffen bin und ich weiß, wie sehr auch Menschen in den Unternehmen belastet sind, die immer und immer wieder Unvereinbarkeit auffangen müssen. Wenn der Anruf kommt vom Kindergarten, ihr Kind ist krank, sie müssen es abholen oder der Anruf kommt, Ihr Vater ist gestürzt, kommen Sie bitte sofort. Dann müssen diese Menschen alles stehen und liegen lassen, weil diese Verantwortung dann plötzlich größer wird als das, was sie gerade am Arbeitsplatz machen. Und die Menschen, die am Arbeitsplatz bleiben, müssen diese Verantwortung, die dort dann plötzlich nicht mehr geleistet werden kann, auffangen. Und deswegen... Sehe ich eben auch die Menschen, die sagen, ja, immer die Mütter, die dann weg müssen und ich muss es dann auffangen, habe ich vollstes Verständnis für. Aber deswegen, es betrifft uns alle. Und da ein Wir zu bilden und zu schauen, wie können wir hier Lösungen schaffen, die alle tragen können. Das ist halt besonders wertvoll, finde ich, dass Verantwortung nicht ausschließlich in den privaten Raum abgeschoben wird, sondern das Team sich verantwortlich fühlt, wie das zusammengetragen werden kann, ohne dass einzelne Menschen stärker belastet werden.
Britta
00:20:52
Genau das denke ich auch immer. Wir sind doch alle in einem Boot. Genau so sehe ich das auch. Also du bist einfach toll.
Franziska
00:21:03
Danke dir.
Britta
00:21:04
Jetzt möchte ich mal auf eine Geschichte zu sprechen kommen, die mir immer wieder auffällt. Man sieht bei Menschen, die diese Doppelbelastung haben ja ganz oft, dass sie wirklich auch manchmal an eine Grenze kommen, dass die Belastung einfach so groß wird. Eine Frage ist so, wann würdest du sagen, es ist echt gefährlich? Welche Warnzeichen gibt es da? Wie kann ich auch vielleicht als Kollegin erkennen, Mensch, meine Kollegin ist jetzt aber wirklich mal am Anschlag. Wir müssen da irgendwas tun, wir müssen irgendwas verändern. Hast du da vielleicht einen guten Tipp?
Franziska
00:21:40
Ich weiß genau, was du meinst. Ich glaube, das größte Warnzeichen ist, wenn ich sehe, dass ein Mensch nicht mehr frei und glücklich ist. Wenn Erschöpfung uns quasi ins Gesicht geschrieben steht. Weil wenn es sichtlich ist, dann haben wir ja schon viel mehr Weg hinter uns. Also Erschöpfung wird uns ja nicht gleich, dass man uns das ansieht. Und ich glaube, wenn ein Mensch nicht mehr lachen kann und nur noch ernst ist und sich zurückzieht, wenn die Konflikte im Team mehr werden, wenn Ausfälle mehr werden, wenn ich merke, dass Menschen nur noch Dienst nach Vorschrift machen oder auch einfach sagen, ich kann nicht mehr, ich gehe, dann sind das Warnzeichen, die eigentlich schon eine Grenze überschritten haben. Und ich glaube, wenn wir Menschen zugewandt miteinander umgehen, dann können wir sehr wohl wahrnehmen zwischen den Zeilen, ob da gerade was schiefläuft oder nicht. Und oftmals sehen wir einfach weg und sagen, es betrifft nicht mich, es ist nicht mein Problem. Und da einfach etwas, das ist so auch mein großes Anliegen, dass wir einfach wieder etwas mehr Nähe zulassen zwischen uns als Menschen. Und wenn ich jetzt immer, ich sehe ja immer die Unternehmensseite mit, Aber auch die Unternehmensseite, das sind Führungskräfte, Geschäftsführende und so weiter, das sind auch alles Menschen. Und wenn wir da einfach sagen, lasst uns wieder menschlich Nähe, Tiefe und Verbundenheit spüren, glaube ich, dann können wir Warnzeichen erkennen, lange bevor sie ein Warnzeichen sind.
Britta
00:23:25
Ja, gut gesagt. Ich hoffe, dass es viele Menschen hören und vielleicht auch sich das eine oder andere ändert. Was meinst du, was müsste passieren, damit diese Care-Arbeit in ein paar Jahren nicht mehr als Randthema behandelt wird?
Franziska
00:23:41
Also eine Antwort ist quasi Unpaid-Care-Work als fiktive Arbeitgeberin und Bildungseinrichtung, weil ich sehe jetzt die Chance, dass wenn das nach und nach immer mehr Einzug hält in die Lebensläufe, dass es umso mehr flächendeckend in Deutschland und über die Grenzen hinaus bei den Personalverantwortlichen auf dem Tisch landet. Und mit jedem Menschen, der darüber spricht im öffentlichen Diskurs, animiert er wieder jemand anderen, es ihm gleich zu tun. Und so schaffen wir nach und nach immer mehr Sichtbarkeit. Und in meiner Vorstellung ist das in zehn Jahren einfach so, dass das selbstverständlich ist und Normalität hat, dass unbezahlte Sorge und Pflegeverantwortung selbstverständlich als Leistung und Kompetenzgewinn gesehen wird, der beruflich relevant ist.
Britta
00:24:43
Also Franziska, das ist mir ja schon bei Leipzig Lauscht aufgefallen, dass du immer genau auf den Punkt alles genau erklärst und so toll alles zusammenfasst. Ich bin total begeistert. Sag doch mal, wo kann man denn jetzt noch mehr über dich und deine Arbeit erfahren? Ich weiß ja, du machst ja diese Kolumne in der Frankfurter Rundschau, die kann ich auch wirklich empfehlen. Ich habe das ja auch erst vor kurzem gesehen, habe ein paar Kolumnen von dir gelesen, die sind wirklich richtig gut. Vielleicht hast du noch ein paar Tipps, wo man mehr über dich und deine Arbeit erfahren kann.
Franziska
00:25:19
Also Unpaid-Care-Work ist auf jeden Fall auf LinkedIn zu finden. Das ist das Zuhause quasi, die Geburtsstation von Unpaid-Care-Work. Da kann man einfach nach Unpaid-Care-Work auf LinkedIn suchen. Dann haben wir für Unpaid-Care-Work eine Webseite, unpaid-care-work.de. Dort ist auch ein Newsletter zu finden, über den man sich anmelden kann. Und wir sind auch bei Instagram da noch nicht ganz so aktiv. Da fehlt uns noch jemand, der den Instagram-Kanal bespielen kann, weil ich, für mich ist das wirklich herausfordernd, dieser Kanal. Aber da wollen wir auch mehr Sichtbarkeit erzielen. Ich selbst bin auch bei, LinkedIn mit einem eigenen Kanal zu finden, Franziska Büschelberger. Du sagst, die Frankfurter Rundschau, da bin ich zu finden im Ressort Meinungen. Und ich habe auch eine eigene Webseite www.bueschelberger.de mit UE geschrieben. Und dort ist alles eigentlich unter einem Dach auch zu finden. Da ist auch Unpaid Care Work nochmal verlinkt. Da ist meine BIST-Analysen, mein Team-Mentoring und meine Workshops und Vorträge zu finden und ich habe auch eine Blog-Seite, die ich nicht als normalen Blog führe, sondern, als Einblicke in meine Haltung und meine Arbeit. Verlinke ich dort alles das, was ich mache. Da sind auch die Kolumnen verlinkt. Da verlinke ich auch unseren Podcast dann, liebe Britta. Auch überall, wenn ich in einem Podcast war, ist das dort zu finden. Ja, einfach mittlerweile in aller Demut, sage ich das, einfach bei Google Franziska Büschelberger eingeben und dann findet man mich tatsächlich.
Britta
00:27:03
Auf jeden Fall. Ich bin schwer beeindruckt von dir, das weißt du ja schon. Und ich freue mich so, dass du heute hier im Podcast das alles erzählt hast. Ich bin sehr glücklich darüber. Gibt es noch eine Botschaft, die du in diesem Podcast sagen möchtest? Oder gibt es eine Frage, die ich nicht gestellt habe, die du aber noch gestellt bekommen möchtest?
Franziska
00:27:26
Liebe Britta, ich bin einfach zutiefst dankbar, dass wir uns kennengelernt haben, dass wir im Austausch stehen, weil ich glaube, und das ist vielleicht die Botschaft, wenn ich denn eine habe am Ende, ich glaube, wir wollen alle, wir spüren, dass wir alle Veränderungen brauchen, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Gesellschaft. Und ich bin überzeugt davon, je mehr wir werden und sichtbar werden und uns einfach vernetzen und miteinander andocken und ein wirklich großes Wir bilden, wird uns diese Veränderung gelingen. Und das ist das, was mir einfach am Herzen liegt. Ein menschenzugewandtes, großes, verbundenes Wir.
Britta
00:28:11
Oder Maritim gesagt, wir sitzen alle in einem Boot.
Franziska
00:28:14
Ja, perfekt. Genau, genau.
Britta
00:28:19
Franziska, vielen, vielen Dank für dieses tolle Podcast-Gespräch. Ich habe mich riesig gefreut. Ich wünsche dir jetzt einen superschönen Tag. Und kann einfach nur Danke sagen.
Franziska
00:28:30
Der Dank gilt ganz mir auch an dich. Vielen, vielen Dank, dass du zugehört hast, dass wir da so auf einer Ebene schwimmen. Und jederzeit wieder von Herzen danke.
Britta
00:28:40
Bis bald. Tschüss.
Franziska
00:28:41
Bis bald. Tschüss.
Britta
00:28:49
Alle Links, die Franziska genannt hat, findest du natürlich in den Show Notes. Mich hat diese Podcast-Folge sehr berührt und ich bin gespannt, wie du diese Folge findest. Hab einen wunderschönen Tag. Ich freue mich, wenn du nächstes Mal wieder dabei bist. Bis dahin. Tschüss.

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