Mit Hybrid Antrieb auf der Nordsee
Stefan Wehden, Dienststellenleiter WSPK4 und Alexander Wiegleb, stellvertretender Dienstgruppenleiter WSPK4
13.06.2026 22 min
Zusammenfassung & Show Notes
Mit Dienststellenleiter Stefan Wehden und dem stellvertretenden Dienstgruppenleiter Alexander Wiegleb, des Wasserschutzpolizeikommissariats 4 in Cuxhaven, spreche ich in dieser Folge während wir auf dem neuen Polizeiboot ab Cuxhaven unterwegs sind. Im Zentrum steht das neue Polizeiboot BÜRGERMEISTER BRAUER, das als eines von drei neuen Hybrid-Schiffen der Wasserschutzpolizei in Cuxhaven stationiert ist und durch seinen lautlosen Elektroantrieb ein völlig neues Fahrgefühl vermittelt. Stefan Wehden blickt voller Begeisterung zurück auf seine Zeit bei der Wasserschutzpolizei. Kurz vor seinem Ruhestand, hat er in 40 Dienstjahren viel erlebt und gibt uns einen Einblick in die Herausforderungen im anspruchsvollen Nordsee-Revier. Alexander Wiegleb erklärt die technischen Details des knapp 30 Meter langen neuen Bootes. Von innovativen Systemen zum Seegangs-Ausgleich bis hin zu den operativen Besonderheiten im Zwölf-Stunden-Schichtbetrieb bietet die Episode tiefe Einblicke in den hochmodernen Alltag der Wasserschutzpolizei.
Bilder vom Besuch an Bord
Wasserschutzpolizei - Polizei Hamburg
Instagram Kanal Polizei Hamburg - Karriere
Dies ist Folge 111 in Brittas Hafen Podcast
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Transkript
Das war das Typhon der BÜRGERMEISTER BRAUER, dem neuen Polizeiboot der Wasserschutzpolizei Hamburg.
Wir haben gerade abgelegt und nur der Elektromotor surrt, kein Motorengeräusch.
Ich fand es ganz ungewöhnlich und musste erst mal überlegen,
ist der Motor überhaupt an?
Das erste Mal war das ziemlich unheimlich, so zu fahren, weil man jahrelang
ein lautes, vibrierendes Boot gefahren ist. Und auf einmal ist das so ein bisschen wie Segeln hier.
Moin und hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge in Brittas Hafen Podcast.
Wie schön, dass du dabei bist. Ich bin Britta.
Thema heute die Wasserschutzpolizei Hamburg. In der letzten Folge ging es um
die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten.
Falls du die Folge verpasst hast, unbedingt
reinhören. Das Gebiet der Wasserschutzpolizei Hamburg ist riesig.
Es reicht bis Cuxhaven und da bin ich heute. Ich bin an Bord der BÜRGERMEISTER BRAUER,
dem neuen Polizeiboot.
Und genau das ist heute auch das Thema dieser Podcast-Folge.
Die Wasserschutzpolizei Hamburg hat drei neue Boote bekommen und eins davon
liegt in Cuxhaven, das ist die BÜRGERMEISTER BRAUER.
Die BÜRGERMEISTER NEVERMANN wurde ja gerade beim Hafengeburtstag in Hamburg getauft.
Alle drei Schiffe sind Hybrid-Schiffe. Das heißt, sie fahren sowohl mit Batterien
und Elektromotor und haben einen herkömmlichen Motor.
Wenn du Lust hast, dir die Bilder von meinem Ausflug nach Cuxhaven anzusehen,
schau auf meiner Internetseite vorbei.
Den Link findest du in den Show Notes oder du gehst auf brittas-hafen-podcast.de.
Tolle Bilder und Videos auch von Mitarbeitenden dieser Wache findest du auf
dem Instagram-Kanal der Karriereseite der Polizei. Der Link ist natürlich auch in den Shownotes.
Als erstes kommt ein Überraschungsgast in meinen Podcast.
Ihm wollte ich unbedingt zwei, drei Fragen stellen und er hat natürlich sofort Ja gesagt.
Damit starten wir und dann geht's auch gleich los mit allen Details zur neuen BÜRGERMEISTER BRAUER.
Dieser Podcast wird unterstützt von der Fairplay Towage Group.
Vielen Dank dafür und los geht's!
Auf unserer heutigen Fahrt mit der BÜRGERMEISTER BRAUER habe ich das große Glück,
einen Menschen kennenzulernen, der schon Jahrzehnte bei der Wasserschutzpolizei im Dienst ist.
Es ist der Dienststellenleiter Stefan Wehden, Wasserschutzpolizeikommissariat 4 in Cuxhaven.
Und er wird in drei Tagen in den Ruhestand gehen.
Doch vorher habe ich hier im Podcast die Chance, mit ihm zu sprechen.
Hallo Herr Weh den, ist der Beruf des Wasserschutzpolizisten eigentlich immer
Ihr Traumberuf gewesen?
Ja, das ist tatsächlich so, dass Wasserschutzpolizei schon immer mein Traumberuf war.
Ich wollte damals, als ich mir überlegt habe nach dem Abitur in Hamburg,
was ich dann beruflich machen würde, wollte ich immer zur Wasserschutzpolizei.
Als Hamburger steht man oft am Hafen, hat viel mit dem Wasser zu tun tatsächlich
und mein Traumberuf war tatsächlich Wasserschutzpolizist.
Die damaligen Voraussetzungen waren allerdings noch Seefahrt.
Man musste zur See gefahren sein, musste ein Patent erwerben,
ein technisches oder nautisches auch.
Und in dem Fall habe ich damals noch so ein bisschen die Seefahrt gescheut,
weil ich wusste, dass das lange Abwesenheit von zu Hause über mehrere Monate
war. Ich war damals sehr eingebunden im sportlichen und sozialen Bereich in
Hamburg und sehr integriert in verschiedene Bereiche.
Und bin dann ganz normal zur Polizei gegangen, um dann immer im Fokus zu behalten,
irgendwann klappt vielleicht innerhalb der Polizei der Wechsel zur Wasserschutzpolizei.
Und das ist mir dann damals im Rahmen eines Aufstiegsstudiums in der Polizei
gelungen. und ich habe diesen Wechsel auch nie bereut, tatsächlich.
Gibt es einen Einsatz, wo Sie sagen, jo, deshalb bin ich Wasserschutzpolizist?
Ach, ich würde gar nicht sagen, dass es ein einzelner Einsatz tatsächlich ist.
Das Vielfältige ist tatsächlich und das Besondere in der damaligen Zeit war,
wir sind als damals in der Eingangsabfertigung auf jedes Seeschiff,
was den Hamburger Hafen erreicht hat, gegangen.
Wir haben eine Eingangskontrolle auf den Schiffen gemacht. Wir haben mit dem
Kapitän gesprochen, gefragt, wie seine Seereise war.
Ob alles in Ordnung ist bei ihm auf dem Schiff. Dann haben wir selbst natürlich
eigeninitativ eine Kontrolle gemacht, die Sicherheitsvorschriften kontrolliert,
Einreisenden, Besatzungsmitglieder kontrolliert oder auch Passagiere.
Damals fing es auch schon langsam an mit Passagieren, die auf Seeschiffen mitfuhren
oder dann irgendwann kreuzfahrtmäßig unterwegs waren.
Und so sind wir auf jedes Seeschiff gegangen, was den Hamburger Hafen erreichte
und haben auch jedes abgefertigt und auch wieder ausgehend deklariert.
Und das war unheimlich spannend und interessant, dann die Geschichten aus weiten
Entfernungen zu hören, wenn man selber auch nicht da war, aber man hat dann
gehört, wie es in anderen Teilen der Welt aussah oder aussieht,
Und hat aber die Sicherheit selber für die Menschen, die zur See fahren, im Grunde unterstützt.
Durch die Kontrollen, die man ja als Wasserschützer macht im Hafen.
Das ist ja überhaupt die Zielrichtung, dass wir für mehr Sicherheit auf See sorgen.
Nun sind Sie ja schon länger in Cuxhaven tätig. Was gefällt Ihnen am Revier
hier in Cuxhaven am besten?
Das Cuxhavener Revier ist natürlich nochmal ganz besonders, weil wir mit unserem
seegehenden Dienstboten, jetzt hier in diesem Fall der BÜRGERMEISTER BRAUER,
diesem neuen Dienstschiff, was wir seit letztem Jahr haben, über die ganze Nordsee fahren.
Wir sind in Abstimmung mit Schleswig-Holstein im Küstenmeer zuständig und das
betrifft dann tatsächlich auch bis zur dänischen Seegrenze und die 12 Seemeilen
rund um Helgoland dann tatsächlich.
Das ist ein unheimlich herausforderndes Seegebiet, was man dann natürlich aufgrund
von Wellenhöhe, Wind, Wetter, Tiedenverhältnissen, Dunkelheit,
Nebel, all diese Widrigkeiten, die man natürlich auch in der Seefahrt hat, beherrschen muss.
Und die große Herausforderung tatsächlich ist, unser neues Einsatzmittel oder
auch damals die älteren Schiffe immer wieder sicher in den Hafen zu bringen
und auch alle Kollegen sicher in den Hafen zu bringen.
Das ist die große Herausforderung und hat mich auch immer als Dienstellenleiter jetzt
angetrieben, dafür zu sorgen, dass die Kollegen gut ausgebildet sind,
sicher im Einsatz sind, gut auf sich achten tatsächlich und wirklich dann alle
wieder gesund zurückkommen.
Und nebenbei für Sicherheit auf See sorgen dann auch.
Nicht nur für die eigene, sondern insbesondere auch für andere an Rettungseinsätzen
teilzunehmen oder eben Kontrollen zu machen, die im Großen und Ganzen für mehr
Sicherheit für alle Beteiligten hier im maritimen Bereich sorgen.
Herr Wehden, vielen, vielen Dank für Ihre Zeit. Ich wünsche Ihnen jetzt alles,
alles Gute für Ihren Ruhestand.
Gleiten Sie da gemütlich rein. Alles Gute und ja, herzlichen Dank.
Herzlichen Dank, dass ich mich da zu äußern durfte. Und wie gesagt, vielen, vielen Dank.
Und ich bin sehr, sehr zufrieden nach Hause, tatsächlich nach meiner relativ
langen Dienstzeit von 40 Jahren.
Aber ich habe auch jeden Tag genossen und gesagt, ich habe genau den richtigen Beruf ergriffen.
Und erzähle heute noch jedem, der überlegt, zur Wasserschutzpolizei zu gehen, macht das.
Hallo Herr Wiegleb, vielen Dank für Ihre Zeit. Mögen Sie sich kurz nochmal vorstellen,
falls jemand die letzte Podcast-Folge verpasst hat und Sie noch nicht kennt?
Sehr gerne. Zunächst mal hallo auch an Sie nochmal, Frau Müller.
Herzlich willkommen hier in Cuxhaven.
Ja, mein Name ist Alexander Wiegleb. Ich bin 45 Jahre alt.
Ich arbeite bei der Wasserschutzpolizei Hamburg, nicht in Hamburg,
sondern an unserer Dienststelle in Cuxhaven.
Bin hier stellvertretender Dienstgruppenleiter auf einer unserer vier Wachdienstgruppen
und habe die Ehre und das Vergnügen mit unserem doch noch relativ neuen Boot,
dem Küstenstreifenboot BÜRGERMEISTER BRAUER, hier Streife fahren zu dürfen.
Zur Begrüßung habe ich heute ein Datenblatt über das neue Patrouillenboot,
die BÜRGERMEISTER BRAUER, erhalten. Die Länge ist 29,37 Meter,
Breite 7,38 Meter und Tiefgang maximal 2,16 Meter.
Das Boot hat eine Hauptmaschine, zweimal Volvo Penta und eine elektrische Leistung von 500 Kilowatt.
Batteriegröße 440 Kilowattstunden. Das Boot hat einen Bugstrahlruder,
jede Menge Flachbildschirme auf der Brücke, die Seekarte wird elektronisch angezeigt.
Und gebaut wurde das Boot in Estland bei der Baltic Workboats AS.
Als wir ablegten, hat mir ganz besonders gut gefallen, wie leise das Ganze ist.
Sie fahren ja von hier aus auf die Nordsee und da ist ja oft ziemlich starker
Wellengang. Ist das Boot eigentlich dafür speziell ausgerüstet?
Ja, die Reduzierung der Maschinengeräusche und auch der Vibrationen ist natürlich sehr angenehm.
Was wir hier an Bord haben, ist ein sogenanntes Humphree-System.
Das ist eine Wellen- und Seegangsausgleichanlage. Das heißt,
das Das Boot liegt deutlich stabiler im Wasser, wenn wir auch mal mehr Seegang
haben, wie es hier in Cuxhaven ja durchaus üblich ist.
Was ist das genau?
Das sind Ausgleichsflossen an der Seite des Boots, die das Boot stabilisieren.
Das, was auf Kreuzfahrtschiffen schon seit langem praktiziert wird.
Alle Schiffe sind in Estland gebaut worden, aber es gibt trotzdem Unterschiede zwischen den Schiffen.
Wir fangen aber erstmal mit der BÜRGERMEISTER BRAUER an. Ein Hybridschiff,
es fährt mit Elektromotor und ist total leise aus dem Hafen rausgefahren.
Man hat nichts gehört. Es war unglaublich.
Wie kommen Sie damit klar?
Also für uns war es tatsächlich zu Beginn eine sehr große Umgewöhnung.
Es war ein bisschen unheimlich, weil wir ja vorher unsere alten,
also mittlerweile alten Küstenst reifenboote gefahren sind, die ja nun auch
schon 30 Jahre und mehr auf dem Buckel hatten, die entsprechend laut waren und
entsprechend auch Vibrationen erzeugt haben.
Und als wir die ersten Male mit diesem Boot gefahren sind, dann war das wie
Segeln, wie dahin gleiten auf dem Wasser, weil man tatsächlich gefahren ist
und so gut wie gar nichts gehört hat, außer einem ganz leisen Pfeifen des Elektromotors
vielleicht. Das war tatsächlich eine Ungewöhnung.
Man muss aber sagen, dass das Fahren mit den Elektromotoren nicht nur von der
Geräuschlage her sehr angenehm ist, sondern dass das Boot durch die Verwendung
dieser Motoren auch hervorragende Manövriereigenschaften aufweist,
die uns das An- und Ablegen auch sehr leicht machen.
Ja, wir sind ja auch durch die Schleuse durchgefahren. Da musste man ja dann
auch erstmal wieder anhalten und festmachen an der Schleuse,
der Wasserstand wurde angeglichen.
Also da sagen Sie, funktioniert das Boot richtig gut?
Ja, tatsächlich, in der Tat. Wie Sie ja selber miterlebt haben,
wir haben in der Schleuse gleich angelegt und das geht ja butterweich.
Also das ist nicht, dass man sich auf Höhe des Anlegers begibt,
wo man hin möchte und dann mit viel Krawall dagegen die Kaimauer knallt,
sondern man kann unter Zuhilfenamen des Bugstahlruders und der entsprechenden
Stellung des Steuers, des Ruders und der Maschinen tatsächlich sehr
angenehme Anlegemanöver fahren hier.
Und auch, man hat einen sehr kleinen Drehkreis. Das heißt, als wir vorhin abgelegt
haben, haben wir am Hafenbecken gedreht.
Jetzt hat man gesehen, es war nicht besonders viel Platz zwischen den Schiffen,
die dort vertä ut lagen. Aber auch, das ist alles problemlos möglich mit dieser Antriebsanlage.
Ist aber ja eine ganz neue Technik. Gab es so für spezielle Lehrgänge?
Ja, es wurde ein Lehrgang in Hamburg veranstaltet, an dem eine Delegation von
unserer Dienststelle auch teilgenommen hat.
Wir sind in Hamburg gefahren für eine Woche, wurden dort von Mitarbeitern der Werft geschult,
sowohl im theoretischen als auch im praktischen Bereich an
Bord und anschließend einen Monat später das war
2025 im Januar als das Boot dann ausgeliefert wurde
kamen die Mitarbeiter der Werft nochmal für eine Woche hierher und haben uns
dann an Bord geschult und kürzlich vor zwei Monaten Anfang März 2026 waren die
Leute von der Werft noch mal hier und haben uns noch mal eingewiesen in Besonderheiten
der Antriebsanlage und der Manovrieranlage.
Die Nummerierung der drei neuen Polizeiboote ist etwas besonders.
2025 wurden die beiden Boote BÜRGERMEISTER BRAUER, die Nummer 1,
und BÜRGERMEISTER WEICHMANN, die Nummer 3, getauft.
Und beim diesjährigen Hafengeburtstag 2026 wurde die BÜRGERMEISTER NEVERMANN, die Nummer 2, getauft.
Wenn du gerne der norddeutschen Art der Meditation nachgehst,
nämlich auf dem Poller hocken und Schiffe gucken, Da kann man von weitem vorne
am Bug die Großzahl 1, 2 oder 3 erkennen und weiß gleich, welcher Bürgermeister gerade vorbeikommt.
Wie lange kann man denn mit den Elektromotoren und den Batterien fahren?
Das hängt davon ab, wie schnell man unterwegs ist.
Bei normaler Fahrlage ohne Besonderheiten, ohne dass wir jetzt irgendwo besonders
eilig hin müssten, wobei wir dann auch das Hybridsystem einschalten müssten,
könnten wir allein mit den Elektromotoren ungefähr zwei Stunden fahren.
Mit normaler Transfergeschwindigkeit.
Und wie hoch ist die maximale Geschwindigkeit von dem Boot?
Mit den Elektromotoren können wir ungefähr zehn bis elf Knoten fahren,
vielleicht ein bisschen mehr.
Und wie hoch ist die maximale Geschwindigkeit?
Wenn alle Antriebsanlagen, also
sowohl die Elektromotoren als auch die Dieselmotoren zugeschaltet sind,
Zwischen 22 und 25 Knoten. Hängt auch immer so ein bisschen von der Strömung
ab. Wir haben ja hier teilweise sehr starken Strom.
Wenn wir natürlich mit dem Strom fahren, kommen noch mal ein paar Knoten dazu.
Jetzt haben Sie vorhin gesagt, der Hilfsdiesel lädt die Batterien.
Laden Sie auch noch von extern die Batterien?
Ja, wenn wir im Hafen liegen, dann haben wir ein Landabschlusskabel,
das wir anschließen und dann werden die Batterien von Land aus geladen.
In der ersten Folge hatten wir
ja schon über das große Revier der Wasserschutzpolizei Hamburg gesprochen.
Hier in Cuxhaven sind es ja etliche Kilometer, die überwacht werden müssen.
Wie lange sind Sie denn tagsüber oder in einer Schicht unterwegs? Wie viele Kilometer?
Das hängt natürlich vom Einsatzgeschehen ab.
Wenn wir jetzt über einen unspektakulären Tag sprechen, an dem nicht so viel
los ist, Je nachdem, wann wir aufbrechen, wie lange wir fahren,
wie viele Stunden wir unterwegs sind, können das schon mal so um die 25 bis 30 Seemeilen sein.
Dann sind wir natürlich auch schon bei Ihrem Arbeitstag. Wenn Sie sagen 25 bis
30 Seemeilen, Ihr Arbeitstag geht zwölf Stunden.
Richtig, wir arbeiten in zwölf Stundenschichten, Tagschichten und Nachtschichten.
Eine Tagschicht geht immer von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr.
Und die Nachtschicht dann entsprechend andersrum von 18.30 Uhr.
Und hier auf der BÜRGERMEISTER BRAUER fahren Sie mit wie vielen Personen?
Das absolute Minimum, was wir hier haben müssen, sind vier Besatzungsmitglieder, vier Beamte.
Damit sind wir aber eigentlich schon unterbesetzt. Fünf Beamte sind das,
was wir für wünschenswert halten, weil wir ja ein Tochterboot an Bord haben,
das wir aussetzen können.
Und dieses sollte im Idealfall mit drei Besatzungsmitgliedern besetzt sein.
Damit im Zweifelsfall, wenn irgendwelche Kontrollen stattfinden,
müssen zwei von diesen übersteigen können und der dritte an Bord bleibt,
um das Tochterboot zu fahren.
Und dann brauchen wir natürlich die anderen beiden, die noch überbleiben,
hier an Bord vom großen Boot.
Einer, der das Boot fährt und der andere, der das Tochterboot aussetzt und dann wieder einholen.
Wie lange braucht man denn zum Laden der Batterie?
Auch das ist abhängig von verschiedenen Faktoren, natürlich davon,
wie leer die Batterie ist zum Zeitpunkt des Beginn des Ladens.
Also bei uns kommt ein Alarm, wenn der Batteriestand 20 Prozent beträgt.
Spätestens da sollte man dann auch anfangen zu laden. Und wir haben verschiedene
Modi in unserem System, wie wir die Batterien laden können.
Wir können sie entweder in einem geringen bis normalen Tempo laden,
im sogenannten Hybrid-Modus. oder wir können den sogenannten diesel-elektrischen
Modus einschalten. Das ist dann sowas wie der Schnelllademodus.
Und dann dauert es tatsächlich, wenn wir die Hilfsdiesel entsprechend hochfahren,
nicht sehr lange, bis die Batterien geladen sind. Vom Leerladezustand von 20
Prozent bis zum Maximalladekapazit von 80 Prozent, vielleicht eine halbe Stunde ungefähr.
Ich hatte was gelesen über Gas to Liquid. Gibt es das hier auch an Bord?
Ja, das ist der Dieselkraftstoff, den wir benutzen. Das ganze Boot ist ja als
sehr nachhaltiges und umweltfreundliches Konzept entwickelt worden,
allein durch dieses Hybridantriebssystem schon.
Und das wird zusätzlich noch unterstützt durch das Gas-to-Liquid-GTL-Diesel, wie es abgekürzt heißt.
Das ist ja ein synthetischer Kraftstoff, der ausErdgas gewonnen wird.
Und dadurch, dass er fast schwefel- und aromatenfrei ist, ist er natürlich sehr emissionsarm.
Und er verbrennt auch besser als herkömmlicher Schiffsdiesel.
Und das führt natürlich zu einer deutlichen Reduzierung von Russpartikeln und Stickoxiden.
Sie hatten erzählt, die Mitarbeitenden der Wasserschutzpolizei sind eigentlich alle Beamte.
Aber Sie haben bei diesem neuen Boot Unterstützung von einem Maschinisten.
Wir haben auch einen zivilangestellten Maschinisten, der bei uns an der Wache
ist, der auf einer unserer Dienstgruppen mitgeht.
Da die neuen Boote ja sehr technik-lastig sind, ist der natürlich prädestiniert,
um uns bei der technischen Überwachung und auch bei entsprechend auftretenden
Problemen im technischen Bereich zu unterstützen.
Bei unserem Rundgang habe ich die Kabinen unten gesehen. Hier an Bord übernachtet
hat aber noch niemand, oder? Nein.
Nein. Aufgrund des Zwölfstundensystems, das wir haben, führt das dazu,
dass wir in den Nachtschichten meistens einige Stunden unterwegs sind und dann
zurück an die Wache kommen und dort an den Nachtdienst ausklingen lassen.
Aber an Bord wird generell nicht übernachtet.
Wir haben für die Sommermonate einige Navigationsbelehrungsfahrten geplant.
Das wird dann so aussehen, dass wir versuchen, zwei Schichten zusammenzulegen,
sprich, dass wir dann 24 Stunden unterwegs sind.
Und dann wollen wir auch mal in die Ecken vorstoßen, wo wir nicht so oft herkommen,
zum Beispiel nach Sylt, mit der Gelegenheit, dort auch einmal Sylt zu umrunden
und vielleicht auch mal anzulegen.
Und dort werden wir dann sicher auch mal übernachten und an Bord schlafen.
Sie hatten es zwar schon in der letzten Folge genau erklärt,
aber ich finde es sehr spannend. Mögen Sie noch mal sagen, wie genau funktioniert
das mit Ihrer Arbeitszeit?
Der Sprachgebrauch, den wir haben, ist, wir sprechen immer von Törns.
Um das einfacher darzustellen, ein Törn besteht in der Regel aus acht Tagen.
Das kann man sich so vorstellen, wenn wir jetzt mal das einfachste Beispiel
nehmen, wir fangen montags an mit einer Tagschicht.
Das wäre die erste Schicht in diesem Törn von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr.
Dann hat man 24 Stunden frei, fängt dann am Dienstagabend an mit einer Nachtschicht,
die dann geht bis Mittwoch früh.
Dann hat man wieder 24 Stunden frei, würde dann am Donnerstag die zweite Tagschicht absolvieren,
bis abends 18.30 Uhr, dann wieder 24 Stunden frei und dann von Freitag auf Samstag
die zweite Nachtschicht in diesem Turn durchleben bis Samstag früh um 6.30 Uhr.
Und dann kommt der sogenannte Freitörn, das heißt man hat dann zweieinhalb Tage
frei, man hätte also den Rest vom Samstag frei,
den kompletten Sonntag und den kompletten Montag und würde dann in der darauffolgenden
Woche am Dienstag wieder anfangen, den nächsten Törn von acht Tagen mit dem
ersten Tagdienst wieder.
Vielen Dank für den guten Überblick über das Törn-System. Ist ja schon ein bisschen besonders.
Jetzt habe ich noch eine ganz andere Frage. Sie haben mir gezeigt,
dass es sogar Räumlichkeiten gibt für Mitarbeiter, die aus Hamburg kommen und
die dann mehrere Tage hier bleiben, dass die hier auch übernachten können.
Habe ich das so richtig zusammengefasst? Können Sie das mal darstellen?
Wie ist das? Passiert das öfter?
Oder kommen die zu Besuch hier oder lernen die hier etwas? Oder wie kommt das,
dass Kollegen aus Hamburg hierher kommen?
Also Sie haben es genau richtig zusammengefasst. Tatsächlich ist es so,
dass wir gelegentlich auch gar nicht so selten von Kollegen aus Hamburg unterstützt
werden, die dann hier an die Wache kommen.
Und da wir ja immer mehrere Dienste hintereinander haben, ist das für die Kollegen
manchmal ein bisschen aufwendig, dann immer hin und her zu pendeln zwischen einzelnen Diensten.
Dafür haben wir hier zwei Kammern an unserer Dienststelle zur Verfügung,
wo die Kollegen dann übernachten können, um dann einen ganzen Törn hierbleiben zu können.
Also diesen Acht-Tagestörn, über den wir ja gesprochen hatten.
Und dann ist das nicht so aufwendig mit dem Hin- und Herfahren.
Und der Hintergrund ist, oft passiert diese Unterstützung, weil wir aus irgendwelchen
Gründen vielleicht einen Personalmangel haben, der ausgeglichen werden muss.
Es kommt aber auch durchaus vor, dass
Kollegen aus Hamburg ihre sogenannte Unterelbe-Abnahme durchführen wollen.
Das ist also eine Berechtigung dafür, dass sie unsere Küstenstreifenboote fahren dürfen.
Und zwar nicht nur auf der Unterelbe bis Kugelbake, sondern auch darüber hinaus,
bis über die Grenze der Seefahrt hinaus. Und dafür müssen Sie eine gewisse Anzahl
von Fahrten hier in unserem Reviergebiet absolvieren und dann auch so etwas
wie eine kleine Fahrprüfung.
Und da macht es natürlich Sinn, wenn Sie einen gewissen Zeitraum am Stück bei
uns in Cuxhaven an einer Dienststelle verbringen, um sich dort die Fahrpraxis anzueignen.
Herr Wiegleb, vielen, vielen Dank für diesen Tag auf der BÜRGERMEISTER BRAUER auf
der Wache in Cuxhaven für Ihre vielen, vielen Antworten auf all meine Fragen,
für die Besichtigung des Polizeibootes von der Brücke bis zum Maschinenraum.
Und gleich schauen wir uns ja auch noch die vorherige BÜRGERMEISTER BRAUER an.
Da freue ich mich schon ganz besonders drauf.
Ganz viele Grüße an Ihre Kollegen und auch hier natürlich ein herzliches Dankeschön.
Sehr gerne. Schön, dass Sie da waren. Besuchen Sie uns gerne wieder.
Und ja, dann wünsche ich Ihnen noch eine angenehme Heimreise und freue mich
darauf, bald wieder von Ihnen zu hören.
Ja, danke schön. Bis bald. Tschüss.
Tschüss.
Wie schön, dass du dabei bist und diesem Podcast gelauscht hast.
Ich hoffe, dir hat mein Podcast aus Cuxhaven gefallen.
Falls du die letzte Folge noch nicht gehört hast, in der es um Ausbildungs-
und Karrieremöglichkeiten bei der Wasserschutzpolizei Hamburg geht, unbedingt reinhören.
Die Links zur Karriere-Seite und dem Instagram-Kanal findest du in den Shownotes.
Ich freue mich über deinen Like, deine Bewertung oder über deine Nachricht,
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Hab einen wunderschönen Tag. Bis nächstes Mal. Tschüss.
Alexander Wiegleb
00:00:22
Britta
00:00:36
Stefan Wehden
00:02:43
Britta
00:03:39
Stefan Wehden
00:03:43
Britta
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Alexander Wiegleb
00:04:53
Britta
00:06:05
Stefan Wehden
00:06:15
Britta
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Alexander Wiegleb
00:06:46
Britta
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Alexander Wiegleb
00:08:07
Britta
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Alexander Wiegleb
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Britta
00:08:36
Alexander Wiegleb
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Britta
00:09:41
Alexander Wiegleb
00:09:54
Britta
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Stefan Wehden
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Britta
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Alexander Wiegleb
00:12:10
Britta
00:12:28
Stefan Wehden
00:12:31
Britta
00:12:36
Alexander Wiegleb
00:12:38
Britta
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Alexander Wiegleb
00:13:02
Britta
00:13:08
Alexander Wiegleb
00:13:26
Britta
00:13:43
Alexander Wiegleb
00:13:50
Britta
00:14:00
Alexander Wiegleb
00:14:03
Britta
00:14:41
Alexander Wiegleb
00:14:44
Britta
00:15:34
Alexander Wiegleb
00:15:37
Britta
00:16:13
Alexander Wiegleb
00:16:21
Britta
00:16:41
Alexander Wiegleb
00:16:48
Britta
00:17:31
Stefan Wehden
00:17:38
Britta
00:18:43
Alexander Wiegleb
00:19:12
Britta
00:20:33
Alexander Wiegleb
00:20:56
Britta
00:21:08
Alexander Wiegleb
00:21:11
Britta
00:21:16