Deutsche Flagge am Heck
Christian Bubenzer - Einflaggungsmanager - Kurs auf Deutsche Flagge
10.10.2026 36 min
Zusammenfassung & Show Notes
Mit Christian Bubenzer, Einflaggungsmanager mit Kurs auf die deutsche Flagge, spreche ich über die Bedeutung des deutschen Schifffahrtsstandorts für Reedereien und Seeleute. Warum entscheiden sich Unternehmen für die deutsche Flagge? Welche Rolle spielen dabei Sicherheit, soziale Standards und wirtschaftliche Rahmenbedingungen?
Am Beispiel der Reederei Tailwind aus dem Lidl-Konzern erklärt Christian Bubenzer, welche Überlegungen hinter einer Einflaggung stehen und welche Vorteile die deutsche Flagge bietet. Dazu gehören die soziale Absicherung der Seeleute, Erstattungen bei Sozialabgaben für Reeder sowie ein verlässlicher Service und Unterstützung in Krisensituationen.
Außerdem sprechen wir über verbreitete Annahmen rund um Vorschriften an Bord, über Sicherheit und Resilienz in der Schifffahrt, Hafenstaatkontrollen, die Zusammenarbeit mit Seemannsmissionen sowie die Medi-See-App für medizinische Notfälle auf See.
Für mehr Infos:
DEUTSCHE FLAGGE
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Transkript
Moin und hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Brittas Hafen Podcast.
Ich freue mich, dass du wieder dabei bist und wenn du heute das erste Mal diesen
Podcast hörst, ganz herzlich willkommen.
Hier geht es um die maritime Wirtschaft und heute geht es um ein Thema,
das so selten im Fokus steht, aber sehr wichtig ist.
Die Flagge, unter der ein Schiff fährt.
Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, dass die Reederei der Supermarktkette
Lidl, die heißt Tailwind, mehrere Schiffe unter deutscher Flagge registriert hat.
Ich kann mich nicht daran erinnern, in letzter Zeit einen Artikel gelesen zu
haben, in dem eine Reederei sagt, wir lassen unsere Schiffe jetzt alle unter
deutscher Flagge fahren.
Das hat mich interessiert. Auf der SMM, der Schiffsmesse im September,
habe ich Christian Bubenzer kennengelernt.
Auf seiner Visitenkarte steht Change of Flag Manager, Staff Position,
Communication and Innovation.
Auf der LinkedIn-Seite steht das dann auf Deutsch Einflaggungsmanager,
Kurs auf deutsche Flagge.
Aber es gibt gar keine Behörde, die deutsche Flagge heißt. Der Arbeitgeber heißt
Dienststelle Schiffssicherheit der BG-Verkehr.
Ich bin etwas verwirrt. Mit ihm möchte ich heute klären, warum eine Reederei
die deutsche Flagge wählt, Was die Flagge für Auswirkungen hat auf Arbeitsbedingungen
und Sicherheit und natürlich auch, wieso es eigentlich keine Behörde gibt,
die deutsche Flagge heißt.
Wenn du Lust hast, ein ganz tolles Geschenkepaket der deutschen Flagge zu gewinnen,
dann bleib bis zum Schluss dran.
Es gibt eine Frage und mit der Antwort kannst du das tolle Geschenkepaket gewinnen.
Dieser Podcast wird unterstützt von der Fairplay-Towage-Group.
Vielen Dank dafür. Strong Connection. Los geht's!
Vielen Dank für die Einladung in Ihr Büro. Hallo Herr Bubenzer.
Hallo.
Sie sind Jurist. Seit 2004 sind Sie als Einflaggungsmanager tätig.
Früher bei der Seeberufsgenossenschaft, seit 2010 bei der dann fusionierten
Berufsgenossenschaft Verkehr.
2011 waren Sie im Bundesministerium für Verkehr tätig und haben dort an der
Umsetzung des internationalen Seearbeitsübereinkommens in das deutsche Recht mitgearbeitet.
Seit 2017 sind Sie auch Leiter der Stabstelle Kommunikation und Innovation in
der Dienststelle Schiffssicherheit.
Habe ich das alles so richtig zusammengefasst?
Ja, doch, vielen Dank. Ich merke so in der Zusammenfassung, wie viel das so
in der Laufe der Zeit ist. Dieses Einflaggungsmanagement, das habe ich übrigens
durchgehend immer gemacht.
Aber es war dann auch unterschiedlich viel Arbeit. Also es war zwischenzeit,
da haben wir mal so eine kleine Hängepartie gehabt und das nimmt jetzt wieder
zu. Aber ich habe tatsächlich diesen schönen Titel immer gehabt und das ist auch mein Herzensding.
Ihr Herzensding, da sprechen wir gleich nochmal drüber.
Die deutsche Flagge, gab es da eigentlich einen Auslöser, warum Ihnen das so am Herzen liegt?
Ich habe gelesen, Sie haben auch ein Praktikum bei der Wasserschutzpolizei gemacht.
Ich glaube, das war während Sie Ihr erstes Staatsexamen gemacht haben.
Hat das was damit zu tun oder woher kommt dieser Faible?
Gute Frage. Also ich glaube, das Maritime, das war bei mir schon immer da.
Meine Eltern haben mit mir immer Urlaub auf Amrum gemacht. Ich wollte als Kind,
Leuchtturmwärter werden, mein innester Wunsch.
Und musste dann, also ich glaube, ich war 13 Jahre alt, musste ich dann feststellen,
oh, das klappt nicht mehr, weil da der letzte Leuchtturmwärter seinen Dienst
quittieren musste, dann wurde alles umgestellt auf Fernsteuerung.
Im Nachhinein bin ich gar nicht so ganz unfroh, dass das nicht geklappt hat.
Ich glaube, es wäre auf Dauer noch ein bisschen langweiliger Job gewesen.
Also ich habe immer Berührungspunkte gehabt, habe viel gesegelt auch mit der deutschen Flagge.
Das war dann doch eher Zufall, weil ich mich mal beworben hatte bei der damaligen
Seeberufsgenossenschaft, Genossenschaft, die es jetzt schon ein paar Jahre nicht
mehr gibt und die sind eben für die deutsche Flagge zuständig und die hatten
damals einen Job gesucht,
das nannte sich erst Rückflaggungsbeauftragter und dann hatte unsere Presseverantwortliche
gesagt, das ist mal ein blöder Titel, daraus machen wir Manager,
Einflaggungsmanager und das hat mich sofort gefesselt, das Thema.
In der Anmoderation hatte ich ja schon so ein bisschen drüber gesprochen.
Die Supermarktkette Lidl, die hat ja eine eigene Reederei, die heißt Tailwind.
Warum braucht eine Supermarktkette überhaupt eine eigene Reederei und warum haben
die sich jetzt dafür entschieden, diese Schiffe unter deutscher Flagge fahren zu lassen?
Ja, gute Fragen. Also Lidl oder Tailwind, das ist ja eine Tochterfirma des Lidl-Konzerns,
die haben ja berichtet, dass der Auslöser der Gründung dieser Reederei war die Corona-Pandemie.
Als Lieferketten gerissen sind. Und speziell Lidl hatte das Problem,
die haben viele Non-Food-Artikel, also das, was sie jede Woche sehen,
wenn sie da diese Werbeblättchen aufmachen.
Und die hatten wohl Probleme, dass diese Waren, die sehr viel aus Asien,
aus China kommen, dass das teilweise nicht geklappt hat, dass es Verzögerungen gab.
Und das ist für so eine Supermarktkette schwierig. Wenn man also plant,
wenn man Prospekte rausgibt, dann erwarten die Kunden natürlich,
dass die Ware dann auch da ist. Die freuen sich darauf, auf die Aktionsware.
Ja, und dann hat die Reederei gesagt, wir verlassen uns nicht mehr auf andere.
Wir kommen aus der Logistik, wir kennen Logistik, dann machen wir einfach eine
eigene Reederei auf. Und das war, wenn ich es richtig erinnere habe,
2021, 2022, also wirklich noch nicht allzu lange her.
Dann hat diese Reederei erstmal Schiffe gechartert, so nennt sich das immer
im Fachjargon, heißt also nichts anderes als gemietet.
Und diese Schiffe fahren und fuhren unter sehr unterschiedlichen Flaggen.
Und irgendwann bin ich mal auf die Idee gekommen und habe gesagt,
ich kann die ja mal kontaktieren.
Habe eine Mail geschrieben an den Reedereichef und habe gesagt, hey, wie wäre es denn?
Ihr seid doch ein Konzern, der auch Tochterunternehmen hat, die einen deutschen
Server haben. Ich sehe in eurem Werbeblättchen immer mal auch die Deutschlandflagge.
Da würde doch die deutsche Flagge ganz gut passen. Und dann gab es die ersten
Gespräche und dann ging das, war das im Grunde, wie es immer läuft.
Dann kommen so die alten Vorurteile über die deutsche Flagge.
Also ihr seid zu teuer, ihr seid zu bürokratisch.
Und dann habe ich mit einem Vertreter dieser Reederei gesprochen und gesagt, das stimmt nicht mehr.
Habe das also dann auch wirklich nachweisen können, dass das nicht mehr stimmt.
Und dann sind die ins Grübeln gekommen und haben gesagt, vielleicht ist es ja
doch eine ganz gute Idee, eine deutsche Flagge zu wählen, weil die ist verlässlich,
auf die kann ich mich verlassen.
Wir leben nun mal auch in wirklich unsicheren Zeiten.
Und da ist es doch vielleicht für eine Reederei, die Wert auf Verlässlichkeit
legt, ganz gut, wenn man dann auch eine passende, verlässliche Flagge dazu hat.
Und das hat Tailwind dann gemacht und da werden auch noch weitere Schiffe folgen.
Das klingt ja richtig gut. Über diese Dinge wie zu teuer Vor- und Nachteile
sprechen wir gleich noch.
Ein Gedanke, der mir natürlich sofort als erstes in den Kopf kommt.
Was haben die Seeleute an Bord davon, wenn ein Schiff unter deutscher Flagge fährt?
In erster Linie, also der größte Unterschied ist, dass deutsche und europäische
Seeleute in der gesetzlichen Sozialversicherung drin sind.
Also das, was wir am Land kennen, wenn wir Angestellte sind,
dass man in der Krankenversicherung, in der Rentenversicherung ist,
das ist für die Seefahrt die totale Ausnahme. Das gibt es so gut wie gar nicht weltweit.
Und das ist, sage ich mal, der größte Unterschied unter deutscher Flagge.
Dass man also als deutsche und europäische Seeleute da die soziale Absicherung hat.
Also alle an Bord? Alle Seeleute, die da auf dem Schiff an Bord sind?
Ja, abgestuft. Also für die nicht-europäischen Seeleute, philippinische Seeleute
ist so die Hauptgruppe, die sind in der deutschen Unfallversicherung.
Also die sind da auch nochmal abgesichert. In den anderen Versicherungszweigen,
Rentenversicherung, Krankenversicherung sind die nicht.
Bei den Deutschen, die sind dann in allen Zweigen sozialversichert.
Ja, danke. Und welche Vorteile bietet jetzt die deutsche Flagge für den Reeder?
So eine deutsche Versicherung zu bezahlen, ist ja eigentlich nicht so wirklich ein Vorteil.
Das stimmt, da haben Sie recht. Das wird übrigens ausgeglichen,
indem der Reeder die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung kriegt, der zurückerstattet.
Also der muss keine Sozialversicherungsabgaben zahlen. Also er muss sie erst
mal zahlen, kriegt sie aber genau zu 100 Prozent zurückerstattet.
Aber Sie haben schon recht, für den ist das erstmal eher ein Zusatzaufwand,
den er hat. Das sind also die wenigsten Reeder, die sagen, doch,
mir ist es auch wichtig, dass meine Seeleute da in dieser gesetzlichen Versicherung versichert sind.
Also der Hauptpunkt ist Qualität. Sie müssen als Flagge, wenn Sie wirklich wettbewerbsfähig
sein wollen, müssen Sie auf einer sogenannten weißen Liste sein.
Es gibt so Rankings von Flaggenstaaten, weil Ihre Schiffe dann seltener kontrolliert
werden, vereinfacht gesagt.
Das ist ein Punkt, mit dem wir immer schon punkten können. Die deutsche Flagge
war immer eine Qualitätsflagge und das wird sie auch immer sein.
Andere Flaggen haben da so ein bisschen andere Entwicklungen hinter sich.
Und dann denke ich, ist auch ein ganz wichtiger Punkt, das, was ich schon gerade
sagte, verlässlicher und starker Flaggenstaat. Und das hört sich jetzt erstmal
ein bisschen abstrakt an.
Das kann man konkret machen. Also wenn Sie so eine Situation haben,
dass die Straße von Hormuz gesperrt wird.
Und dann müssen sie gucken, kriegen sie ihr Schiff da noch raus.
Das war zwar, jetzt in dem konkreten Fall, waren keine deutschflaggigen Schiffe
betroffen. Das waren Schiffe von deutschen Reedereien, die ausgeflaggt waren.
Aber solche Situationen müssen wir einfach befürchten, dass es die in Zukunft auch nochmal gibt.
Oder wenn wir es mal auf ein Alltagsgeschäft runterbrechen, es gibt immer wieder
Situationen, wo Seeleute ihren Landgang nicht machen können.
Und dann ist es wichtig, dass ein Flaggenstart auch hilft.
Und dann sind es viele Dinge, die im Alltagsgeschäft eine Rolle spielen.
Sind sie 24-7, also durchgehend Tag und Nacht erreichbar als Flangenstart? Sind sie digital?
Stellen sie auch Ausnahmen aus und sind sie eben auch wirklich pragmatisch und lösungsorientiert?
Weil Schifffahrt, Seeschifffahrt ist ein unglaublich schnelles Business.
Also wenn ein Schiff mehrere Stunden liegt im Hafen, Auslaufverzögerung,
dann ist das wirklich ein Problem für den Reeder.
Das kostet richtig viel Geld, die ganzen Termine fliegen durcheinander und dann
muss der Flaggenstaat eben auch schnell da sein. Und das sind wir als Deutsche.
Also inzwischen 24 mal 7 bei der deutschen Flagge. Aber ich glaube,
das war nicht immer so, oder?
Das stimmt, aber wir haben es seit 2016. Das ist ja auch schon immerhin zehn Jahre.
Und das ist eine Sache, das hat sich noch nicht rumgesprochen.
Also wir laufen so mit so einem alten Image rum.
Und darum geht es auch. Das ist auch ein Teil meines Jobs, auch ein bisschen
für den Imagewandel zu sorgen, Reedereien vor Ort zu beraten.
Das ist nämlich meine Tätigkeit als Einflussmanager.
Und denen zu erklären, ja, früher war das auch nicht so optimal,
aber das hat sich absolut gedreht.
Wir sind von den Kosten wettbewerbsfähig. Das ist auch immer so eine Geschichte,
die immer noch erzählt wird. Ja, es ist alles viel zu teuer.
Stimmt so in der Form wirklich nicht mehr.
Und was Service angeht und Bürokratie können wir wirklich sehr gut mithalten.
Wir sind auch dabei, da noch mehr abzubauen an Bürokratie.
Aber da sind wir jetzt schon wirklich gut. Und ich würde mir immer wünschen,
dass Reedereien so offen sind wie Tailwind es auch war und sagen,
wir hören uns das mal an, gucken uns das mal an, holen den Bubenzer zu uns,
kostet ja auch nichts die Beratung und dann können wir uns immer noch ein eigenes Bild davon machen.
Prima. Eine Vorschrift, die sich irgendwie ganz hartnäckig hält und die ich
immer wieder höre, ist, die müssen deutsche Schiffe eigentlich einen Pool haben?
Nicht zwingend. Also erstmal geht es ohnehin nur um die ganz großen Schiffe,
und da hat der Reeder eine Wahlmöglichkeit. Er kann tatsächlich einen Swimmingpool
haben, es reicht aber auch einen Freizeitraum.
Und das ist vom Baulichen dann meistens einfacher.
Und so ein Schwimmbad an Bord, da kommen ja auch gleich so Bilder vor Kopf,
wunderbar, mit Palmen umsäumt. Also das ist es nicht. Das ist meistens so ein
ausgebauter Seekontainer.
Und da kommt dann auch Seewasser rein.
Also das ist dann schön, das hat auch einen Freizeitwert. Aber das hat jetzt
so mit dem Swimmingpool, wie man ihn vielleicht an Land sich so vorstellt,
auch nicht so ganz so viel gemein.
Hintergrund ist, also früher gab es den wirklich mal verbindlich,
aber Schiffe wechseln ja auch ihre Flaggen.
Und wenn dann andere Flaggenstaaten das nicht vorschreiben, dann können sie
nicht so ein Schiff umbauen.
Und deswegen gibt es bei uns da inzwischen auch die Wahlmöglichkeit.
Ja, interessant. Vielen Dank. Dann ist es ja schön, dass wir jetzt erfahren haben,
dass die Vorschriften doch anders
sind als das Gerücht, das sich irgendwie immer noch hartnäckig hält.
Als ich mich auf dieses Gespräch vorbereitet habe, fiel mir ein,
dass man in der Berufsschulzeit immer wieder gehört hat: Es ist ganz wichtig
für die deutsche Sicherheit, dass wir Schiffe unter deutscher Flagge haben.
Ist das immer noch so? Brauchen wir die Schiffe wirklich für unsere Sicherheit? Wie sehen Sie das?
Also ich finde ja. Es ist aber nicht verwunderlich, dass ich das sage.
Das ist wirklich Teil der politischen Diskussion.
Dieses Stichwort Resilienz, Widerstandsfähigkeit. Also ich bin der festen Überzeugung,
dass wir zumindest einen Kernbestandteil unter deutscher Flagge haben sollten,
weil wir da einfach als deutscher Staat Zugriff drauf haben.
Und wir sehen das ja, in welchen unsicheren Zeiten wir leben.
Es sind irgendwelche Dinge, die früher selbstverständlich waren.
Gewissheiten brechen auf. Wir sind nun mal eine Exportnation und ohne Schifffahrt
läuft nichts. Und wenn wir uns zu sehr abhängig machen von anderen...
Indem eben zu viele Schiffe unter anderen Flaggen fahren. Ich denke, das ist nicht gut.
Es gibt dann immer das Gegenargument, ja, wenn also ein Reeder ausflaggt,
und das tun die meisten, dann würde man ja im Krisenfall, kann man diese Schiffe,
kann man diese Ausflangungsgenehmigung zurücknehmen. Das stimmt.
Das Problem ist nur, welche Seeleute sind da eigentlich noch, die die Schiffe fahren?
Und wir stellen jetzt schon fest, dass also auch zum Beispiel die Philippinen,
das ist nun mal so eine der größten Gruppen von Seeleuten, dass also der Staat,
die Philippinen, auch dann teilweise in Situationen.
Am Roten Meer, als es die ersten Angriffe dieser Houthi-Rebellen gab,
da haben die dann gesagt, nee, nee, also philippinische Seeleute dürfen da gar nicht durchfahren.
Auf Schiffen, egal welcher Flagge. Und da merkt man, dass also dann,
wenn es dann um Krisen geht, kommen dann plötzlich die nationalen Egoismen der
einzelnen Staaten, kommen dann doch immer sehr durch.
Wir haben es ja zuletzt auch in der Corona-Pandemie gemerkt,
da war jetzt auch nicht so richtig viel was mit Gemeinsamkeit und selbst innerhalb
der EU gab es ja verschiedene Strömungen.
Und das ist genau die Frage, wie weit mache ich Krisenvorsorge,
wie weit ist das ein wichtiges Thema.
Ich meine, es ist eins und deswegen sollte man meines Erachtens einen bestimmten
Bestandteil der deutschen Handelsflotte auch in der deutschen Flagge haben.
Aber das ist eine hochpolitische Diskussion.
Ja und ganz viele verschiedene Aspekte muss man da im Auge behalten.
Das haben wir schon eben gehört, es gibt viele andere Flaggen.
Wie ist denn das überhaupt? Wie viele deutsche Reeder haben ihre Schiffe mit
der deutschen Flagge angemeldet?
Welche Flaggen nehmen die sonst? Wie sind die Zahlen?
Ja, leider sind sie nicht so schön. Ein Team arbeitet jeden Tag daran,
dass es mehr wird. Aber wenn man jetzt mal die internationale Schifffahrt betrachtet,
also Seeschiffe in der internationalen Fahrt, grob gesehen 10 Prozent unter
deutscher Flagge, 90 Prozent ausgeflaggt.
Und das ist nicht so das, wo wir stehen bleiben wollen. Das muss dringend anders
werden. Also der Anteil der Deutschflagenschiffe muss höher werden.
Beliebteste Flaggen der deutschen Reeder sind Liberia.
Das ist ein Schiffsregister, ein privates Schiffsregister von einer privaten US-Firma geführt.
Ich finde das immer, also wir im Schifffahrtsbusiness kennen das,
das ist für uns gang und gäbe, aber wenn ich mit Freunden rede,
die nicht aus der Schifffahrt kommen, die gucken mich immer mit großen Augen
an und sagen, wie, man kann so einen Flaggenstaat outsourcen.
Wie geht das? Ja, es geht.
Es geht, ob das alles immer zulässig ist und völkerrecht, ja,
es geht. Es wird einfach gemacht und es ist schon seit langem so und das wird
auch in der Schifffahrt auch von niemandem in Frage gestellt.
Zweitbeliebteste Flagge, ja, noch wahrscheinlich Antigua Barbuda.
Auch da fragt man sich, ist ein schöner Karibikstaat, aber die Reeder wählen
das nicht, weil sie die Palmen da so schön finden.
Hintergrund ist, dass sich in den 70er, 80er Jahren hat sich mal ein ehemaliger
deutscher Kapitän in Oldenburg, im Oldenburg, niedergelassen und hat gesagt,
ich vermarkte jetzt diese Flagge und das hat er so gut gemacht,
dass die Reedereien gesagt haben, ja, gute Wahl.
Und der neue Stern am deutschen Flaggenhimmel ist Portugal, die Zweitflagge Madeira.
Und da fragt man sich auch, warum.
Die haben also bis vor ein paar Jahren überhaupt keine Rolle gespielt.
Hintergrund ist, da hat sich ein Hamburger Unternehmer, hat eine Agentur gegründet
und vermarktet diese Flagge jetzt und macht das auch wirklich gut und kommt
da gut an bei den deutschen Reedern.
Und dann denke ich immer, okay, also was Portugal Madeira kann,
müssten wir doch an sich als deutsche Flagge auch können.
Aber was sind denn jetzt die wirklichen Gründe, warum jemand ein Schiff ausflaggt
zu einer anderen Flagge geht?
Weil die Sozialabgaben zu bezahlen sind? Ja. Aber die kriegt er ja wieder.
Ja, also mit den Sozialversicherungsabgaben, der Seemann selbst muss seine Anteile
zahlen. Also der Reeder hat tatsächlich keinen großen Unterschied,
aber der sagt eben, vom Service seid ihr nicht so gut.
Es geht natürlich auch darum, sie haben keine deutsche Arbeitsrechtsvorschriften.
Also sie haben einfach liberanisches Recht und da können sie sich überlegen, das ist viel einfacher.
Oder, naja, wir haben gerade uns mal unsere Räumlichkeiten angeguckt,
Seediensttauglichkeit, medizinische
Versorgung an Bord. Was müssen sie an Ausstattung an Bord haben?
Da gibt es eine internationale Vorgabe aus dieser Maritime-Labor-Convention,
die dann sagt, an Bord eines Schiffes musst du einen etwa vergleichbaren Standard haben.
Jetzt kann man sich überlegen, unter deutscher Flagge, in Deutschland ist der
medizinische Standard natürlich höher als in Liberia und dann geht es konkret
darum, brauche ich einen Defibrillator an Bord, also an Bord eines größeren Schiffes oder nicht.
Und das sind dann Zusatzkosten. Und da sagt sich der Reeder, warum soll ich die
denn jetzt tragen? Also dann mache ich doch die einfache Variante.
Genauso aus den gleichen Gründen wie Firmen in Deutschland, ihre Firmensitze
oder teilweise ihre Fabriken im Ausland auch, ja, ich sage mal verlagern.
Weil sie sagen, das geht ein bisschen einfacher, geht ein bisschen schneller.
Ich habe nicht mit so vielen Rechtsvorschriften zu tun. Und da muss ich sagen, das wandelt sich eben.
Also wir machen es den Reedern wirklich immer einfacher. Aber gut,
das ist auch ein Gewinnungseffekt, wenn Sie 20, 30, 40 Jahre unter einer Flagge
fahren und sind dann ganz zufrieden damit.
Und dann haben Sie eine andere Flagge, die jetzt, sage ich mal, die Aufholjagd macht.
Naja, wahrscheinlich bleiben sie erstmal bei der alten Flagge.
Sie gucken sich das vielleicht erstmal neugierig an und vielleicht überlegen
sie auch, ja, die Weltlage hat sich auch geändert.
Aber erstmal bleiben sie bei der alten Flagge. Aber es gibt schon so einen gewissen
Trend auch, den wir sehen. Weg von diesen Liberia, Antigababuda,
mehr zu den EU-Flaggen. Und wir hoffen natürlich, dass wir davon auch ein bisschen profitieren können.
Dann drücke ich alle Daumen. Konkrete Zahlen, also jetzt haben sie gesagt,
90 Prozent sind nicht unter deutscher Flagge, aber ganz konkrete Zahlen, hätten sie die auch?
Ja, und mit diesen Zahlen wird natürlich immer ein bisschen gedreht.
Also ich fange an mit den Ausgeflagten. Ich muss mal auf meinen Zettel schauen.
1428 ausgeflagte Schiffe. Wenn man nur die international fahrenden unter deutscher
Flagge nimmt, sind das 114.
Wenn wir jetzt nachrechnen, kommt sogar noch unter 10 Prozent.
Wenn man die in der nationalen Fahrt mitrechnet, dann sind es so etwa knapp
400 Schiffe, aber da sieht man immer noch die Relation 400 Schiffe zu 1428,
je nachdem, welche Statistik man nimmt.
Ich finde, man sollte immer die internationalen fahrenden vergleichen,
dann vergleicht man auch nicht Äpfel und Birnen und dann ist man in etwa in
der Relation 10% deutsche Flagge, 90% ausgeflaggt.
National fahrende Schiffe sind dann so Schlepper oder Fähren oder so etwas?
Exakt, genau. So ist das. Und das ist immer die Frage, nimmt man die jetzt rein
mit in die Statistik oder nicht?
Weil die ausgeflaggten Schiffe, das sind doch hauptsächlich die,
die international fahren, die großen Pötte, um es mal einfach zu sagen.
Ganz am Anfang hatte ich ja schon erwähnt, ich verstehe eigentlich gar nicht,
warum die Behörde nicht Deutsche Flagge heißt.
Jetzt bin ich hier heute zu Besuch in Ihrem Büro. BG Verkehr steht da dran.
Wie kommt das eigentlich?
Wir sagen dann immer, das ist historisch gewachsen.
Das ist ein vornehmer Spruch, wie "das war schon immer so". Also die Seeberufsgenossenschaft
gab es seit 1887, die ist 2010 fusioniert mit einer größeren.
Seitdem heißt es Berufsgenossenschaft Verkehr.
Wir sind immer auf die Schiffe gegangen und dann gibt es aber,
ich glaube schon ein bisschen länger noch, auch das, die heißen jetzt inzwischen
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie, die hießen ganz früher mal die Seewarte.
Also es gab schon immer mal verschiedene Behörden. Und diese Diskussion,
warum gibt es nicht eigentlich eine deutsche Flaggebehörde, die gibt es schon seit den 70er Jahren.
Aber was wir schon machen ist, dass wir sagen, na gut, die Politik entscheidet,
ob sie Behörden zusammenschließt oder nicht.
Aber was wir gemacht haben, ist, wir haben so eine gemeinsame Service Stelle
eingerichtet, eben aus unserer dienststellischen Sicherheit,
der BG Verkehr, so heißen wir, und dem Bundesamt für Sicherheitsdiodografie.
Also eine behördenübergreifende Servicestelle, 13 sehr engagierte Kolleginnen und Kollegen.
Und da kann der Reeder und auch die Seeleute anrufen, auch wieder rund um die Uhr,
und können alle Fragen stellen und müssen sich jetzt keine Gedanken machen,
wer ist denn jetzt eigentlich für welches Thema zuständig, sondern die beantworten
das alles, die holen sich die Informationen aus den,
Fachbereichen und für den Reeder und für die Seeleute hat man im Grunde genommen
schon diese eine Ansprechstelle.
Auch dafür mache ich immer gerne Werbung, weil die gibt es auch schon seit über einem Jahr.
Aber auch das hat sich noch nicht so ganz rumgesprochen. Also wir müssen einfach
besser werden in dem Erzählen. Und deswegen freue ich mich ja auch heute hier sein zu dürfen.
Wunderbar. Aber jetzt nochmal ganz konkret gefragt. Was macht die BG Verkehr
Dienststelle Schiffssicherheit?
Ganz verschiedene Sachen. Also der Hauptpunkt, den ich jetzt mal aus meiner
Sicht sehe, Beratung zur deutschen Flagge. und wir stellen die Schiffszeugnisse,
für die Handelsschiffe unter deutscher Flagge aus.
Und das geht von einem acht Meter langen.
Fischkutter, der Fischer, der das im Nebenerwerb macht, bis hin zum 400 Meter
großen Großcontainerschiff.
Dafür stellen wir die Schiffszeugnisse aus, einen Großteil der Schiffszeugnisse.
Im Grunde genommen kann man sich das vorstellen wie so die Fahrerlaubnis für einen Pkw.
Beim Schiff ist das alles ein bisschen komplexer, da sind das mehrere Zeugnisse.
Wir kontrollieren die Schiffe auch, wir gucken also, ob die Schiffe in Ordnung
sind. Schiffssicherheit ist das große Thema.
Das Zweite ist, dass wir gucken, wenn eine Ausrüstung ist, die die Verschmutzung
der Meeresumwelt verhindern soll. Dafür sind wir auch zuständig.
Und das Dritte ist Arbeits- und Lebensbedingungen von Seeleuten.
Da gucken wir also auch in den verschiedensten Varianten. Wir kümmern uns um
die sogenannte Seedienstautlichkeit. Also Sie müssen immer alle zwei Jahre ihre
medizinische Fitness nachweisen.
Das machen wir. Wir gucken, ob Seelotsen geeignet sind.
Und was wir auch machen, auch ein ganz wichtiger Punkt, dass die sogenannte
Hafenstaatkontrolle, also wir gehen in deutschen Häfen, unter anderem in Hamburg,
an Bord von Schiffen unter ausländischer Flagge und kontrollieren,
ob die sicher sind und ob die Arbeitsbedingungen an Bord in Ordnung sind.
Und wenn sie das nicht sind, dürfen wir so ein Schiff.
Egal welche Flagge es hat, festhalten. Das finde ich ist auch immer so eine
Besonderheit, die viele gar nicht kennen und die auch sehr wichtig ist,
weil es gibt leider Flaggenstaaten, die ihren Job nicht so gut machen.
Und dann ist es wichtig, dass meine Kolleginnen und Kollegen da aufpassen.
Eingebettet in so ein ganz europäisches System und das gibt es letztendlich weltweit auch.
Also Hafenstaatskontrollen sind über 1000 Besichtigungen, die wir pro Jahr auch machen.
Schwerpunkt auch in Hamburg. Und deswegen arbeiten bei uns auch viele Kolleginnen
und Kollegen, die selbst zur See gefahren sind. Und ich finde,
das macht uns immer aus. Da sind Praktiker, die wissen, worum es geht.
Und ich finde, das macht auch die Qualität einer Verwaltung auch aus.
Spannend. Dann arbeitet man wahrscheinlich mit so einem Netzwerk von Besichtigern
oder anderen Personen zusammen, die dann so einen Tipp geben.
Oder guckt man einfach, heute ist das Schiff mit der Liberia-Flagge XY da und
da gehen wir heute mal drauf?
Nee, das ist tatsächlich, es gibt da so ein Schiffsdatenbanksystem auf europäischer
Ebene und da wird genau geguckt, da wird so ein Risiko errechnet.
Da wird geguckt, wie viel Mängel hatte das Schiff beim letzten Mal.
Je mehr Mängel so ein Schiff hat, desto häufiger wird es kontrolliert.
Und ich sage mal, dieses System spuckt im Grunde genommen aus,
so jetzt in Hamburg ist wieder eine Besichtigung auch fällig.
Man kann auch Besichtigungen machen, wenn man zum Beispiel, wenn der Lotse gesagt
hat, oh, das Schiff scheint mir aber jetzt gerade einen ganz schlechten Zustand
zu haben oder ich habe konkreter Mängel gesehen.
Dann können wir auch mal auch außerhalb der Reihe rangehen. Aber ansonsten wird
das also wirklich nach einem bestimmten risikobasierten Schlüssel wird das vorgesehen.
Das kann dann aber auch mal sonntags sein und das kann auch mal nachts sein.
Und deswegen Schifffahrt ist eben rund um die Uhr geschäft und das machen wir dann eben auch.
Tipptopp. Dann habe ich noch eine Frage. Wir haben uns ja neulich beim Jubiläum
der Seemannsmissionen, 140-jährige Seemannsmissionen getroffen.
Was hat denn jetzt eigentlich die deutsche Flagge mit der Seemannsmission zu tun?
Ja, da gibt es viele Berührungspunkte. Also ich glaube, der wichtigste aus Sicht
der Seemannsmission ist, wir verteilen
die Gelder, die der Bund den Seemannsmissionen zur Verfügung stellt.
Die bekommen Steuergelder für ihre Stationen im Inland und auch im Ausland.
Und wir sind diejenigen, die dann dieses Geld verteilen und darauf achten,
dass es auch zum Wohle der Seeleute eingesetzt wird.
Das ist für die Seemannsmission natürlich ein ganz, ganz wichtiger Punkt.
Weil die Simans-Missionen müssen immer schauen, dass sie genügend Gelder haben,
damit sie ihre wirklich sehr, sehr wertvolle Arbeit auch machen können.
Die evangelische Kirche kürzt ihre Zuschüsse immer mehr.
Spenden ist auch ein wichtiger Punkt, wird aber auch nicht immer einfacher und
deswegen sind diese Bundesmittel schon ein wichtiger Punkt und wir verteilen die.
Dann sind wir Beschwerdestelle für Seeleute. Seeleute,
auf Deutschflaggenschiffen, aber auch auf Fremdflaggung haben das Recht,
sich zu beschweren beim Staat und dann muss der Staat diese Beschwerde auch,
bearbeiten und muss da eine Lösung für finden.
Und da arbeiten wir sehr eng mit den Seemannsmissionen zusammen,
weil die sind im Grunde genommen, die gehen ja auch an Bord der Schiffe.
Und die haben noch, da ist das Vertrauensverhältnis der Seeleute zu den Kolleginnen
und Kollegen noch viel enger. Man muss ja ehrlich sagen, wir sind ja Verwaltung,
Behörden nicht überall auf der Welt sind jetzt Behörden deine Freunde.
Und deswegen gibt es da immer eine Grundskepsis. Und deswegen ist wichtig,
dass die Seemannsmissionen auch ein bisschen schauen können,
ist das jetzt eine offizielle Beschwerde?
Oder möchte da sich jemand nur so den Frust von der Seele reden.
Und die sagen uns dann auch Bescheid, wenn
dann wirklich mal was von den Arbeitslebensbedingungen völlig daneben ist.
Und dann gehen wir auch an Bord und können so ein Schiff eben auch festhalten.
Auch wenn es wirklich von der Schiffssicherheit vielleicht sogar in Ordnung
ist, aber wenn die Arbeitslebensbedingungen nicht gut sind, ja,
dann arbeiten wir immer sehr eng zusammen.
Es gibt diese Maritime-Labour-Convention, auf Deutsch heißt es Internationales
Seharbeitsübereinkommen, das ist also Völkerrecht.
Und das wird immer fortentwickelt. Und das muss dann auch in deutsches Recht
umgesetzt werden, das ist das Seearbeitsgesetz. Dafür sind wir dann auch zusammen
mit dem Bundesministerium zuständig.
Und da sind natürlich die Seemannsmissionen auch immer für uns ganz wichtige
Ansprechpartner, weil die haben ja täglichen Kontakt mit den Seeleuten.
Die wissen genau, was diese Seeleute brauchen und die geben uns dann auch den
praktischen Input. Es gibt noch ein paar weitere Bereiche, aber das ist,
sage ich mal, so im Wesentlichen.
So im Detail wusste ich das gar nicht. Das ist ja richtig interessant.
Ja, und wenn ich vielleicht nochmal erwähnen darf, jetzt bin ich demnächst in Bad Bederkesa.
Da muss man erstmal nachkommen, wo ist das denn? Also das ist ein kleiner Ort
zwischen Bremerhaven und Cuxhaven und da macht die Deutsche Seemannsmission
immer ihre Jahrestagung mit ihren ehrenamtlichen Kräften und vor allem mit ihren jungen Leuten.
Das sind dann Bundesfreiwilligendienstleute oder die ein soziales,
freiwilliges Soziales Jahr machen. Junge Leute, die einsteigen,
die sich engagieren wollen.
Und ich darf dann immer mit denen diskutieren über die Arbeitsbedingungen an
Bord und auch über die Frage, was macht denn eigentlich eine Flagge aus für
so einen Seemann? Was ist der Unterschied?
Und ich finde das total spannend, weil ich immer merke, dass diese jungen Leute
für dieses Thema brennen. Und die machen das ja freiwillig.
Und das finde ich super. Also wenn immer so gemeckert wird, die Jugend ist nichts wert.
Also ich kann das nicht bestätigen. Dieser Termin da in Bad Beda-Keser,
der macht mir wirklich Spaß und ich finde das toll, dass die Seemannsmission
ihre jungen Leute, ihre engagierten jungen Leute auch so gut schult und versucht,
denen wirklich ein realistisches Bild von der heutigen Schifffahrt zu geben.
Ich kann da nur zustimmen. Ich habe ja auch einen Podcast mit Ulrike und Till,
den beiden Bundesfreiwilligen, bei der Seemannsmission hier in Hamburg gemacht.
Ich war so begeistert von deren Engagement und von dem, was die beiden gesagt
haben. Die haben mich echt sehr bewegt.
Ganz anderes Thema in der Schifffahrt, ganz, ganz wichtig, ist ja die Digitalisierung.
Ist da die deutsche Flagge auch dran? Ich habe gehört, da gibt es eine neue App.
Ja, genau. Also das ist die Medi-See-App. Und vielleicht verrät es der Name
schon, es geht um die medizinische Versorgung von Seeleuten.
Man muss sich das vorstellen auf so einem Schiff, nehmen wir mal ein Containerschiff
mitten auf dem Atlantik und da hat irgendwie ein Seemann, der verletzt sich
bei der Arbeit oder er wird krank.
Da müssen Sie sich ja vorstellen, Sie haben keinen Schiffsarzt an Bord.
Das haben Sie höchstens bei den Kreuzfahrtschiffen, aber auf einem normalen
Handelsschiff haben Sie das nicht.
Und dann haben sie da Nautiker und Techniker und die Nautiker,
die haben da mal in ihrem Studium, das kann aber lange zurückliegen,
mal drei Wochen im Krankenhaus mal ein bisschen was gejobbt und da müssen sie
alle fünf Jahre zwar so einen medizinischen Wiederholungslehrgang machen,
das ist auch schon mehr als eine erste Hilfe,
aber das sind medizinische Laien und die sind komplett auf sich allein gestellt.
Die haben dann eine gute medizinische Ausstattung, wenn sie unter deutscher Flagge fahren.
Das ist auch noch so ein kleiner Unterschied zu anderen Flaggen.
Sie haben auch eine funkärztliche Beratung, wo sie dann über Funk auch Ärzte kontaktieren können.
Aber sie sind auf sich allein gestellt. Und für diese Situation gibt es ein
Handbuch, wo also genau beschrieben ist, Schritt für Schritt,
was machst du in welcher Situation.
Und uns haben die Seeleute gesagt, ja, das Handbuch ist super,
aber das ist relativ groß und sperrig.
Smartphone hat doch jeder auf der Tasche und könnt ihr nicht eine App machen.
Und das haben wir gemacht, Deutsch und Englisch, kostenlos und sie funktioniert
auch offline, also wenn man mal keine Funk- oder Satellitenfunkverbindung auch hat.
Medi-See-App kann sich jeder runterladen. Also ich glaube, jeder,
der auch segelt oder im Outdoor-Bereich mal unterwegs ist, der kann sich das
auch runterladen. Das ist für die Siegschäfer konzipiert, aber ist,
glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt.
Digitalisierung geht natürlich noch ein bisschen weiter. Da geht es dann auch
darum, aus Sicht der Reedereien, haben sie Schiffszeugnisse digital? Das haben wir ja alles.
Aber es geht auch ein bisschen darum, wie läuft die Kommunikation?
Und da sind wir auch dabei, das auch noch mal ein bisschen zu modernisieren.
Ist auch ein Punkt, den die Reeder zurecht auch immer einfordern.
Ihr müsst digitale Dienste anbieten, weil die sind eben auch schneller.
Ja, also auch in Sachen Digitalisierung ist die deutsche Flagge weit vorne.
Jetzt, wo ich diese ganzen Vorteile gehört habe, was die deutsche Flagge mit
sich bringt, denke ich so, wenn ich jetzt ein junger Mensch wäre und suche eine
Ausbildung, würde ich sagen, ich möchte unbedingt auf dem Schiff unter deutscher
Flagge arbeiten. Ist das eigentlich so?
Und ganz generell, Ausbildung und Studien, was hat das eigentlich direkt mit
der deutschen Flagge zu tun? Wo ist da der Zusammenhang?
Also, dass junge Leute sagen, ich will nur unter deutscher Flagge speziell fahren,
ist eher selten. Meistens sind die Leute, die zur See fahren,
sehr international ausgerichtet. Denen ist erstmal wichtig, auf welchem Schiff,
in welchem Fahrtgebiet arbeitet man.
Es gibt Leute, die sagen, das ist mir wichtig.
Häufig sind es dann auch ein bisschen erfahrenere, die dann sagen,
ja, ich habe jetzt auch in die Seemannskasse schon eingezahlt.
Das ist so eine spezielle Rentenversicherung für die Seeleute.
Und diese Zeiten will ich jetzt auch voll bekommen. Und deswegen ist mir das
wichtig unter Deutscher Flagge fahren, ist aber zugegebenermaßen die Ausnahme.
Beim Thema Ausbildung und Deutsche Flagge gibt es tatsächlich einen engen Zusammenhang.
Wir haben das mal ausgerechnet, etwa 80 oder ich glaube über 80 Prozent der
anerkannten Ausbildungsschiffe für die Schiffsmechaniker-Ausbildung fahren unter deutscher Flagge.
Das müsste man nicht so machen. Man könnte also auch Ausbildung unter anderen
Flaggen machen, EU-Flaggen.
Passiert aber relativ wenig. Und offenbar ist es so, und das spiegeln uns auch
immer die Reedereien wieder, dass also deutsche Flagge und Ausbildung hervorragend zusammenpasst.
Und dann kommt natürlich dann auch wieder der Staat, der natürlich auch ein
Interesse daran hat, dass wir auch in Zukunft genügend deutsche Seeleute haben.
Weil wir natürlich auch den Schifffahrtsstandort Deutschland auch weiterhin so groß halten wollen.
Also die Leute brauchen wir. Bei uns sind es die Schiffsbesichtigerinnen und Besichtiger.
Bei den Lotsen, die braucht man in den Revierzentralen der Wasserstraßen-Schifffahrtsverwaltung,
beim Zoll. Also es gibt viele Behörden bei den Reedereien insgesamt.
Und deswegen hat der Staat Interesse daran, dass man auch genügend deutsche Seeleute hat.
Und auch deswegen ist es ganz clever, glaube ich, wenn man die deutsche Flagge
auch stärkt, weil da wird, wie gesagt, überproportional ausgebildet,
obwohl das jetzt nicht irgendwie gesetzlich vorgegeben ist. Man könnte auch
unter anderen Flaggen ausbilden.
Ich habe heute eine ganze Menge gelernt über die deutsche Flagge.
Vielen, vielen Dank für diesen super Überblick.
Vielen Dank für den Einblick in die Details und die tollen Informationen.
Dann wünsche ich Ihnen heute einen superschönen Tag.
Danke für Ihr Interesse.
Bis bald. Tschüss.
Tschüss.
Christian Bubenzer, Einflaggungsmanager, Kurs Deutsche Flagge.
Das Geschenkepaket der Deutschen Flagge enthält eine Trinkflasche,
ein Notizbuch und eine Tischflagge, die du dir auf deinen Tisch oder deine Fensterbank stellen kannst.
Dieses Geschenkepaket gibt es einmal zu gewinnen und der erste oder die erste,
die mir eine Mail an moin@brittas-hafen-podcast.de schreibt
und mir die drei Flaggenstaaten nennt, die bevorzugt von den deutschen Reedern gewählt werden,
außer der deutschen Flagge, der oder diejenige gewinnt dieses tolle Geschenkepaket.
Du bis hierher zugehört hast, vielen Dank dafür. Schick mir gerne ein Feedback zu dieser Folge.
Und wenn du mir eine richtig große Freude machen möchtest, dann erzähl deinen
Bekannten oder Freunden von diesem Podcast.
Auch dafür vielen Dank. Hab einen schönen Tag und bis in zwei Wochen. Tschüss.
Christian Bubenzer
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