Brittas Hafen Podcast

Britta Mueller

Dampf auf dem Kessel

Uwe Altenbach, Ehrenamtlich tätig als Heizer auf der Stettin

02.08.2026 37 min

Zusammenfassung & Show Notes

Uwe Altenbach, ehrenamtlicher Heizer auf der Stettin spricht über Details aus dem Leben des Dampfeisbrecher Stettin. Die Stettin ist nach einer längeren Werftliegezeit wieder in den Heimathafen Hamburg-Övelgönne zurückgekehrt. Uwe Altenbach, der sich ehrenamtlich an Bord engagiert, erklärt, welche Arbeiten bei der Klassenerneuerung an Kessel, Rumpf und technischen Anlagen notwendig waren und weshalb die Reparaturen umfangreicher ausfielen als geplant.
Uwe berichtet außerdem von den Schäden an den Wrangen, das Wort hatte ich noch nie gehört. Was das ist, erfährst du im Podcast. Außerdem gibt's einen persönlicher Einblick, wie Uwe zur Stettin kam, und natürlich einen Ausblick auf die geplanten Fahrten der neuen Saison, für die es eventuell noch ein paar Karten gibt!

Alle Infos über den Fahrplan und Kontaktdaten der Stettin findest du hier:

Dampf-Eisbrecher STETTIN

#076 - Dampfeisbrecher STETTIN | Brittas Hafen Podcast (aus 2024)


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Uwe Altenbach, ehrenamtlicher Heizer auf der Stettin spricht über Details aus dem Leben des Dampfeisbrecher Stettin. Die Stettin ist nach einer längeren Werftliegezeit wieder in Heimathafen Hamburg-Övelgönne zurückgekehrt. Uwe Altenbach, der sich ehrenamtlich an Bord engagiert, erklärt, welche Arbeiten bei der Klassenerneuerung an Kessel, Rumpf und technischen Anlagen notwendig waren und weshalb die Reparaturen umfangreicher ausfielen als geplant.
Uwe berichtet außerdem von den Schäden an den Wrangen, das Wort hatte ich auch noch nie gehört, was das ist, erfährst du im Podcast. Ein persönlicher EInblick, wie Uwe zur Stettin kam, und natürlich ein Ausblick auf  die geplanten Fahrten der neuen Saison

Alle Infos über den Fahrplan und Kontaktdaten der Stettin findest du hier:

Dampf-Eisbrecher STETTIN





Transkript

Moin und hallo, die Feuer in den Kesseln brennen wieder. Nach einer langen Werftliegezeit ist der Dampfeisbrecher Stettin zurück im Heimathafen in Hamburg-Övelgönne. Zur planmäßigen Klassenerneuerung ist die alte Lady zur Norderwerft gefahren, doch das Vorhaben entwickelte sich zu einer technischen und finanziellen Kraftanstrengung. Dank der Unterstützung zahlreicher Förderer, Mitglieder und Ehrenamtlicher und natürlich der guten Norderwerft kann Deutschlands größter kohlebefeuerter Dampfeisbrecher nun wieder Fahrt aufnehmen. In dieser Folge sprechen wir über die Geschichte hinter dem Neustart und zeigen, wie man dieses einzigartige maritime Denkmal selbst unter Dampf erleben kann. Moin und Hallo in Britas Hafen Podcast. Ich freue mich, dass du heute dabei bist. Ich bin Britta. Heute treffe ich Uwe Altenbach. Er engagiert sich ehrenamtlich mit vielen, vielen anderen Menschen für den Dampfeisbrecher Stettin. An Bord übernimmt er die Aufgabe eines Heizers. Ich bin gespannt auf die Informationen über die Werfzeit und welche Möglichkeiten es in diesem Jahr noch gibt, mit der Stettin mitzufahren. Uwe war in der Folge 76 schon einmal in meinem Podcast und hat über die Geschichte des Dampfeisbrechers Stettin erzählt und natürlich auch über sein persönliches Engagement. Wenn du diese Folge noch nicht gehört hast, musst du da unbedingt reinhören Den Link habe ich dir in die Show Notes gelegt Dieser Podcast wird unterstützt von der Fairplay-Towage-Group Strong Connection Vielen, vielen Dank dafür und los geht's, Hallo Uwe, schön, dass du da bist.
Uwe
00:02:11
Hallo Britta, ich freue mich auch, dass wir uns in diesem Rahmen wiedersehen hier.
Britta
00:02:14
Uwe und ich, um mal kurz unsere Zuhörenden abzuholen, sind Arbeitskollegen. Wir arbeiten nämlich beide bei Hoppe Marine und sind auch beide Mitglieder bei der Stettin, wobei ich mich nicht noch betätige als Heizer oder ähnliches und Uwe stundenlang auch noch die Kessel heizt. Richtig?
Uwe
00:02:35
Ja, Uwe heizt stundenlang und Britta stellt ihr Licht unter den Schäppel. Sie ist nämlich auch sehr engagiert dafür, dass wir ein Uhr bekommen und hat hier auch heute unsere Zusammenkunft arrangiert, wofür ich sehr, sehr, sehr dankbar bin und die Stettin ganz sicher auch.
Britta
00:02:49
Na, ich freue mich auf jeden Fall, dass du da bist und dass wir jetzt einen wunderbaren Podcast über die Stettin aufnehmen können.
Uwe
00:02:54
Sehr gerne. Ich freue mich da auch schon auf unser Gespräch jetzt.
Britta
00:02:56
Uwe, was hast du gedacht, als du sie wieder am Liegelplatz gesehen hast?
Uwe
00:03:02
Oh, das ist schwer zu beschreiben. Aber im Grunde genommen ist das ein sehr wohltuendes Gefühl. Sie gehört ja doch irgendwie nach Övelgönne und zu dem Bild, zu diesem Museumshafen. Also mir tut das immer wieder gut. Und es ist eben für mich immer wieder wie nach Hause kommen, wenn man über diese Brücke auf den Ponton vom Museumshafen läuft. Ich war sehr froh und dankbar. Und ja, gerade nach den Hürden, die das Schiff hat nehmen müssen und der Verein auf die Geweine, dass sie mich wiederholen, extrem wohltuend.
Britta
00:03:30
Und ich finde schon, dass man, wenn sie nicht da ist, dass es schon so ist, wenn man dann zum Beispiel mit der Fähre an diesem Anleger in Övelgönne vorbeifährt, dass man immer denkt, Mensch, wo ist denn die Stettin? Die fehlt hier, oder?
Uwe
00:03:43
Absolut, absolut. Und lustig ist auch, auf dem Ponton ist ja Nuggies Elbkarte, die Betreiberin Nanni. Ich sage auch immer, Gott sei Dank, Nanni, ist das Schiff endlich weg, bist du froh, dass du mal freie Sicht hast. Und sie hat dann gedacht, nein Uwe, das ist ganz schlimm, mir fehlt sie und ich finde das viel besser, wenn sie da ist. Und vor allem auch, dann sind ja auch die Menschen da, die das Schiff betreiben und es ist der Verwalter da. Und sie sagte, das ist ganz schlimm für sie, wenn die Stettin fehlt. Und auch wenn wir auf längeren Reisen sind, das findet sie immer ganz furchtbar. Und dann telefoniert sie auch immer mal wieder, entweder mit Manfred, also so ein Kollege vom Schiff, oder sie ruft mal bei mir an und fragt, ist alles in Ordnung und wann kommt ihr wieder? Und ja, sie nimmt ja dann auch immer die Leinen an, wenn das Schiff zurückfährt. Also für viele ist das ein ganz wichtiger Bestandteil von dem Museumshafen. Und es schmerzt, wenn sie nicht da ist. Und sie war ja lange weg. Also die Werfzeit, die fing ja Ende des letzten Jahres an und hat sich lange, lange hingezogen.
Britta
00:04:37
Ja, aber eigentlich soll das ja nur eine Klassenerneuerung werden. Für alle, die jetzt nicht so genau wissen, Klassenerneuerung, wovon sprechen wir hier überhaupt? Magst du das ganz kurz erklären?
Uwe
00:04:47
Das kann ich machen. Das ist gar nicht so kompliziert. Im Prinzip, wir fahren mit unseren Autos alle drei, wenn das Auto neu ist und danach alle zwei Jahre zum TÜV. Es gibt auch die Möglichkeit, dass es dabei nur ein Jahr lang ist, wenn es ein Vermietfahrzeug ist. Aber wir müssen im Prinzip alle fünf Jahre einmal das Schiff aus dem Wasser heben. Und dann wird es genau untersucht hier von einer Institution wie zum Beispiel hier den Det Norske Veritas, früher Germanischer Lloyd. Und da wird sich alles ganz genau angeguckt, ob die für uns ganz wichtig, die Kessel in Ordnung sind. Es gibt dann später eine Druckprüfung. Aber viel wichtiger natürlich, dafür heben wir es heraus, dass sich der Rumpf angeschaut wird. Wie ist es da um die Materialstärke des Stahls? Wie sieht das aus mit den anderen Metallkomponenten? Ich bin auch selber nicht der Profi, auf was bei der Abnahme alles geschaut wird. Aber im Prinzip ist das wirklich im Detail die gesamte technische Anlage des Schiffs. Und natürlich gilt für diese Erneuerung auch, dass man betrachten muss, gibt es neue Auflagen? Auch wir als Museumsschiff sind ja verpflichtet, wenn sich die Regularien ändern, um es danach zu richten, entsprechend Installationen vorzunehmen. Und das gehört alles mit dazu.
Britta
00:05:53
Eigentlich war es ja nur eine normale Klassenerneuerung, wie wir eben besprochen haben. Also ein ganz normaler TÜV-Besuch sozusagen. Dafür ist die Stettin in die Norderwerft gefahren. Aber dann gab es plötzlich eine Änderung und ein größerer Schaden machte sich sichtbar. Weißt du da genaueres?
Uwe
00:06:12
Nicht 100 Prozent im Detail, Britta. Es ist einfach so gewesen, genau wie du sagst, es ging um eine Klassenerneuerung. Das heißt, da werden die Komponenten des Schiffs geprüft, die ich vorhin genannt habe. Auch in einem recht großen Maß. Aber es gab natürlich auch eine Liste an Arbeiten, die wir zu tun gedachten. Da ging es auch darum, dass in dem Frischwassertank was gemacht wurde. Es wurde auch in der elektrischen Anlage ein, zwei Dinge verändert. Der Katalog war schon ein bisschen größer. Aber nicht weit nicht in dem Maße, wie es dann am Ende rausgekommen ist. Also wir hatten da leider an einigen Stellen Korrosionen festgestellt, die auch von Bedeutung waren. Also von Bedeutung waren insofern, dass man sich diese Stellen genauer anguckt. Und entsprechend mussten dann umfangreiche Arbeiten durchgeschürt werden, um diese Komponenten zu ersetzen bzw. zu sanieren.
Britta
00:07:00
Also es waren normale Arbeiten wie bei jedem Werftaufenthalt. Aber dann habe ich gehört, es gab irgendwas mit dem Kessel, was nicht in Ordnung war, was dann erst festgestellt wurde, oder?
Uwe
00:07:10
Richtig, ganz genau, Britta. Das Problem, die Komponenten, die leider stärker korridiert waren als befürchtet, waren die sogenannten Wrangen. Das ist der Rahmen, auf dem die Kessel montiert sind. Man hat ja die Spanten auf dem Schiff. Ich glaube, die kennen die meisten von deinen Zuhörern. Aber wichtig ist eben auch dieser Rahmen, auf dem die beiden schweren Großwasserraumkessel stehen. Und im Prinzip die Halterung davon, so kann man das vereinfacht nennen, und die hat starke Korrosionsschäden. Das ist natürlich nicht ungefährlich. Ich denke, der Kessel hat ein Eigengewicht von etwa 40 Tonnen plus nochmal 24 Tonnen Wasser. Das heißt, wir sprechen hier von einer Masse von 64 Tonnen pro Kessel, die da auf diesem Rahmen ruhen. Und wir haben natürlich kein Interesse daran, dass so ein Kessel eine halbe Etage nach unten rauscht. Man muss sich vorstellen, da haben wir doch eine nicht unerhebliche Menge an sehr heißem Wasser, respektive Dampf. Wir gehen damit erhebliche Risiken ein, wenn so ein Konstrukt nicht mehr in Ordnung ist und gegebenenfalls in der falschen Situation nachgibt.
Britta
00:08:17
Ja, das sind ja wirklich Dimensionen. Uwe, jetzt ist das Schiff aber ja aus der Werft gekommen und kann wieder loslegen. Da freuen wir uns ja alle drüber. Das ist ja wunderbar. Gab es einen Augenblick, an dem du so als Crewmitglied, als Ehrenamtlicher gedacht hast, Mann, oh Mann, wie soll das alles werden? Oder gab es einen Einsatz, wo du gedacht hast, das ist ganz schön kompliziert? Hat dich was schwer beeindruckt?
Uwe
00:08:42
Naja, also tatsächlich ist dieser Aufwand, um diese Wrangen auszutauschen, der war erheblich. Es musste eine Konstruktion gebaut werden. Wir können die Kessel ja nicht nach oben rausheben. Oberhalb der Kessel sind die Aufbauten, die Brücke und die müssten wir komplett entfernen. Das Deck aufschneiden, Kessel nach oben raus, beziehungsweise von dort anheben, das funktioniert nicht. Aber die Werftmitarbeiter, Mitarbeiterinnen, die hatten gute Ideen, wie man das auch mit einem anderen Trick lösen kann. Die Kessel wurden quasi von außerhalb angehoben. Man hat da einfach eine weitere Öffnung in den Rumpf reingebrannt und hat eine Halterung konstruiert. Und an dieser Halterung wurden die Kessel leicht angehoben, sodass man diese Unterkonstruktion tauschen konnte. Dennoch einem erheblichen Aufwand und natürlich auch einem erheblichen Investment verbunden war.
Britta
00:09:31
Das ist toll. Wer ist auf die Idee gekommen? Wahrscheinlich die Werft, oder?
Uwe
00:09:35
Das ist eine gute Frage. Ich vermute mal in Richtung Werft, bevor ich jetzt was Falsches sage, auch in Richtung unseres Vorstands. Entschuldigung, ich kann es nicht 100% sagen. Meine Idee war es jedenfalls nicht.
Britta
00:09:46
In jedem Fall. Toll, dass alle das geschafft haben, dass jetzt alles wieder in Ordnung ist und die Stettin in See stechen kann. Bevor wir jetzt nochmal gucken auf den Fahrplan und was es für Möglichkeiten gibt. Wie bist du jetzt eigentlich zu Stettin gekommen? Am Akzent hört man ja, du bist nicht aus dem Norden, aber trotzdem interessierst du dich für dieses Schiff.
Uwe
00:10:06
Das ist eine gute Frage, Britta. Es ist eine lange Geschichte tatsächlich, wie ich zu diesem Schiff und nach Hamburg gekommen bin. Das ist schon einige Jahre jetzt her. Also ich bin dieses Jahr, 2017 fing das an, dieses Jahr bin ich im neunten Jahr Stettin. Ja, und angefangen hat alles durch die Ruderei. Also ich komme ja ursprünglich, wie du schon richtig sagst, also ich bin kein gebürtiger Hanseat, sondern ich komme aus dem Rheinland und komme genauer gesagt aus Köln, bin da groß geworden und habe da auch studiert später und hatte aber immer eigentlich die Augen auf die maritime Welt gehabt. Und ich weiß noch, wenn wir als Kinder in den Urlaub gefahren sind, Fährhafen und sowas, da hatte ich immer große Augen. Das lag an den Geräuschen, an diesen großen Maschinen. Ich durfte als Kind schon mal mit in den Maschinenraum von einem Fährschiff. Das hat mich sehr, sehr beeindruckt. Ja, und ich kann ja nicht sagen, wo das genau herkommt. Aber die Stettin hatte ich schon mal gesehen auf einem meiner vielen Besuche in Hamburg. Ich habe vorhin die Bruderei genannt. Tatsächlich ist es so, dass ich schon lange als Gastruder bei einem sehr kleinen Verein auf der Hamburger Vettel bin, das sind die Wikinger, und die haben mich irgendwann mal auf die Museumshaften geschickt zum Fischbrötchen essen. Also Ruderer haben meistens Hunger, ein Faible für gutes Essen, sind überwiegend schlecht gekleidet, nicht falsch verstehen. Man hat halt Ruderklamotten an, da kann man nicht in ein gutes Restaurant gehen. Und da bieten sich gerade, ich sage jetzt mal, Ich sage jetzt mal, einfache Gastronomieangebote mit besonderen kulinarischen Eckpunkten bieten sich dafür an. Und da wurde mir eben Nuggies Elbkarte genannt mit der Information, dass es dort Hamburgs beste Fischbrötchen gibt. Und das war irgendein Tag im Februar, wo ich dann da hin bin und war wirklich sehr lecker. Und das ist nach wie vor, kann ich das sehr empfehlen. Und da lag die Stettin direkt gegenüber. Und ich hatte die Stettin schon mal vorbeifahren sehen. Das war in Cuxhaven und war ganz begeistert. Weiß ich nicht von der Silhouette. Und war einfach neugierig. Und hatte die Betreiberin gefragt, was das denn ist. Und sie sagte, ja, geh mal gucken. Nanni kommt aus der Dominikanischen Republik und spricht etwas gebrochenes Deutsch. Und sie sagte, geh mal gucken, nette Leute. Und ich bin dann an den Ort gegangen. Und die Maschinenbesatzung war da, Kesselbesatzung war da. Und man hat da gerade Rauchrohr gereinigt. Also man muss sich das so vorstellen, Über jedem Feuer gibt es einen großen Wärmetausch, weil das ist ein Rauchrohrpaket. 100 Rohre sind das mit einem Durchmesser von 5 Zentimeter und einmal im Jahr muss man da mit einer pneumatischen Bürste durch. Das ist eine Riesensauerei. Man sieht fürchterlich schmutzig aus danach, es staubt und danach sind die Rohre sauber, wir Menschen nicht mehr so richtig. Und es haben sich Leute Zeit genommen und mir alles erklärt, was ich großartig fand. Also ich bin Maschinenbauer und ich habe irgendwann mal gefragt, wie funktioniert das hier eigentlich? Seid ihr hier angestellt? Und da sagt man, wir machen das ehrenamt. Ich habe gesagt, was stimmt denn mit denen nicht? Also dass die sich hier hinstellen und sich so schmutzig machen. Egal, habe mich nicht losgelassen. In Hamburg war ich wegen dieser Gastmitgliedschaft regelmäßig. Und natürlich habe ich auch immer mal wieder Lust gehabt auf so ein Brötchen. Das nächste Mal war ich da im September 2017. Und da kam die Stettin gerade an den Anleger gefahren. Das ist vollkommen beeindruckt, weil man hört von der Maschinenanlage, ja gerade wenn man außerhalb der Ship ist, überhaupt nichts. Das ging ganz geschmeidig, saubere Anleger. Und ich habe gesagt, komm, jetzt gehst du mal an Bord, vielleicht darfst du ja mal kurz gucken. Und dann hat man mir erklärt, ja, jetzt ist jetzt hier die Zeit für die Crew und man würde mich herzlich einladen, für den morgigen Tag eine Karte zu kaufen. Das war dann die erste Saison Abflussfahrt und dass ich dann noch gerne wiederkommen kann. Das habe ich gemacht. Ja, dann war ich an Bord und bin eigentlich geradewegs in die Maschine gelaufen. Habe von diesen drei Stunden Fahrzeit bestimmt 70, 80 Prozent im Heizraum und in der Maschine verbracht. Ganz ehrlich, beim Ablegen war ich schon unten und als die Maschine anfing zu turnen, habe ich eine fürchterliche Gänsehaut gehabt und habe gedacht, diese Riesenmenge Stahl. und man sieht alles, wie sich das bewegt. Es darf nicht wahr sein. Es darf nicht wahr sein, dass es so etwas noch gibt. Ja, nach der Tour bin ich ganz kurz an Deck. Wir hatten eine wunderschöne Bar unterhalb der Brücke und hatten mir dann auch ein Bier bestellt. Und wir haben da schon angelegt, das war wie gesagt, die meiste Zeit war ich unten, haben da angelegt und ich wollte eigentlich schon von Bord gehen, weil dann kommt dann die ersten Bereiche, kommen dann hoch zum Feierabendbier, das hast du bei uns auch schon mal gesehen, wie das läuft. Dann die Crew, die Deckscrew, die Maschine, die Nautik auch und die Heizung, die treffen sich oben und dann stößt man gemeinsam an. Und bedankte sich gegenseitig für die Arbeit, die man da geleistet hat. Und ich dachte, jetzt schießt du dich mal vornehm zurück hier. Und dann hatte ich eine Hand auf meiner Schulter von dem Oberheizer und der sagte, du bleib mal einen Moment hier, wir können uns mal ein bisschen unterhalten. Wo kommst du her, was machst du so und hast du nicht Lust, bei uns mitzumachen? Dann hat mich mal 20 Minuten gedauert, da hatte ich den Mitgliedsantrag unterschrieben. Mit dem Gedanken eigentlich, das kriege ich zeitlich, also ich war damals in Mainz beschäftigt, in Rüsselsheim, Automobilindustrie ist dachte, das krieg ich zeitlich kaum auf die Reihe. Ja, und habe dann einen Mitgliedsantrag unterschrieben. Wir unterscheiden ja nicht zwischen einer Fördermitgliedschaft und einer aktiven Mitgliedschaft. Das gibt es aber, der schickt hier nicht. Und habe gedacht, mal gucken, wie oft du das schaffst. Ich wusste nicht, was danach passiert. Nach dem ersten Arbeitseinsatz im Januar, Februar war ich erst alle vier Wochen da oder alle sechs Wochen. Dann wurde das Interval kleiner. Ja, dann kam zwei, drei Jahre später Corona und dann war mir wirklich alle zwei Wochen mit auf der Werft und habe mit angefasst. Also da war man schwer infiziert, sagt man das, glaube ich. Ich finde das schon großartig.
Britta
00:15:58
Und kannst du noch mal so ein bisschen sagen, was ist jetzt genau das, warum man sich hunderte Stunden für so ein Schiff engagiert? Ist es jetzt, dass man so eine Gemeinschaft hat oder ist es eher doch das Schiff oder ist es beides?
Uwe
00:16:12
Also ich würde sagen beides. Wenn mich jemand fragt, wie siehst du das, wie stehst du dazu, sage ich, also wir haben als krune Leidenschaft dieses Schiff am Fahren erhalten und natürlich zusammenzuhalten. Und dieses Schiff hält uns zusammen. Das macht es eigentlich aus. Auch wenn man sich über dieses Thema unterhält, also die Sätze fangen immer an wir und uns. Also es geht immer nicht um, das ist keiner, der sagt, ja, also mein Fahrzeug, meinen letzten Samstag habe ich, sondern es geht doch immer um diese gemeinsame Sache. Und auch wenn man sich verabredet zum Arbeiten, ist es auch ein sehr ausgeprägtes Wir-Gefühl. Und ich denke, auch die Leute, die uns schon besucht haben als Gäste, Die haben das auch gespürt, oder viele von denen spüren das, wenn man an Bord kommt. Bei mir war das ganz ausgeprägt so, ich bin an Bord gekommen. Es ist ja ohnehin beeindruckend. Wir sind Menschen aus allen möglichen Ecken von Deutschland und nicht reduziert nur auf Deutschland, sondern wir haben Leute aus den Niederlanden, wir haben Leute aus der Schweiz. Gerade aus der Schweiz haben wir auch sehr viele Gäste, die sehr dampfaffin sind. Auf den Schweizer Seen fahren ja sehr schöne Raddampfer. Und viele von denen stellen fest, diese Gemeinschaft an Bord, auch wenn man es gegenseitig ein bisschen nennt, so eine Heizerei gegen Deck, gegen Nautik, dass man sich gegenseitig ein bisschen aufschiedet. Aber das ist schon was ganz Besonderes, diese Verbindung. Wenn man sich mal klar macht, wenn wir auf längeren Reisen sind und schlafen dann zu 35, 36 Leuten auf einem 50-Meter-Schiff und haben da jeden Tag miteinander zu tun, das funktioniert trotzdem sehr, sehr gut. Natürlich immer mal wieder einer kleinen Reibung, aber ich denke, das kann nur gehen, wenn man da ein gemeinsames Ideal hat und an eine Sache gemeinsam glaubt. Das soll jetzt nicht fanatisch klingen.
Britta
00:17:52
Ja, danke für diesen persönlichen Einblick. Jetzt hat die Stettin ja so spät erst mit der Saison begonnen. Hat praktisch im Mai und Juni gerade beim Haftgeburtstag gab es keine Touren mit der Stettin. Da ist ja eine Menge Geld nicht eingenommen worden. Aber nun gibt es ja einige Fahrten und darüber wollen wir jetzt natürlich sprechen. Wo kann man mit der Stettin jetzt weiter hinfahren? Ich habe im Fahrplan geguckt und als nächstes geht es nach Rostock. Anfang August. Und vom 6. bis 9. August gibt es Fahrten in Rostock, wo man jeden Tag mitfahren kann. Möchtest du da ein bisschen was zu sagen? Warst du schon mal dabei in Rostock?
Uwe
00:18:29
Ja, in Rostock war ich schon regelmäßig mit dabei auf der Hanseesail. Das ist eine unglaublich schöne Veranstaltung, auch mit vielen Traditionsschiffen. Und das Schöne ist, auch da haben wir viele befreundete Crews, mit denen wir uns dann auch abends immer wieder treffen. Wir haben zum Beispiel die Pommernkogouka, nenne ich jetzt mal als Beispiel. Vor ein paar Jahren haben wir direkt neben der Tor Haierdal gelegen, auch ein ganz imposantes Schiff. Und dann natürlich kommen die Kollegen von, die Mannschaft von dem einen Schiff kommt zu uns rüber, lässt sich alles zeigen und umgekehrt auch treffen wir uns da mit den Seenotrettern üblicherweise. Dazu kommt, dass wir eine sehr enge Verbindung haben zum Aus- und Weiterbildungszentrum Rostock. Das ist für uns ein ganz großer Gewinn. Die machen für uns oder mit uns gemeinsam eine heiße Übung. Das heißt, wir lernen da ein bisschen. Die richtigen, ich würde sagen, die richtigen Aktionen zu treffen im Falle eines Brandes, also Evakuierung machen wir gemeinsam, aber auch Heiße Übungen, heißt, dass wir Feuer löschen, Brand zur Gefahrenabwehr und so weiter, also das ist für die Crew, ist das ganz wertvoll, dass wir da diesen Aufenthalt haben, man verbindet da doch die Fahrt mit, eben auch mit der Fortbildung der Crew. Dieses Jahr ist ganz besonders, weil die Fahrt dann weitergeht in Richtung Polen. Das heißt, nach der Anseesheil Rostock, direkt Montags darauf, da werden die nicht vorhandenen Segel gesetzt und wir fahren Richtung Lasnitz. Das ist die erste Etappe. Von dort geht es weiter auch in ein wunderschöner Hafen, übrigens so eine wunderschöne kleine Stadt auf Rügen. Von dort aus geht das weiter nach Swinemünde. Und von Swinemünde aus die letzte Etappe nach Stettin. Ja, auch in Swinemünde und Stettin bin ich gerade erst gewesen. Also ich kann nur sagen, auch Swinemünde ist eine richtig schöne Stadt. Also mal abgesehen natürlich von dieser Meile, man kann schon sagen Touristenmeile, da direkt am Strand. Aber der Hafen ist eigentlich wirklich schön. Da gibt es nette kleine Restaurants und auch Ecken, die man sich anschauen kann. Und Stettin, wir werden da direkt vor der Haken-Terrasse legen. Und die Stadt ist definitiv auch ein Besuch wert. Also das ist schon eine ganz besondere Reise, die wir da dieses Jahr durchführen und vor allem auch natürlich eine Reise in die Geburtsstätte dieses Schiffs.
Britta
00:20:47
Genau, das Schiff ist ja da gebaut worden auf den Oder-werken in Stettin. Sagst du nochmal, wann genau? Wann ist das Schiff nochmal gebaut worden?
Uwe
00:20:56
Es ist 1933 vom Stapel gelaufen.
Britta
00:20:59
Also, ja irre und fährt immer noch.
Uwe
00:21:02
Ja, auf jeden Fall. Das ist schon beeindruckend.
Britta
00:21:07
Bei dieser Reise, wo du jetzt die ganzen Etappen gesagt hast, kann man über Globetrotter dann die einzelnen Etappen auch noch buchen.
Uwe
00:21:15
Richtig, genau.
Britta
00:21:17
Wunderbar, das ist ja wirklich eine aufregende Reise. Danach geht es aber noch mal weiter, das ist ja noch nicht das Ende, denn danach geht es wieder zurück, genau dieselben Etappen natürlich, die man auch wieder buchen kann und dann bis Wismar. Und in Wismar habe ich gelesen, kommt die Städtin an, wenn dort die Schwedentage sind. Ehrlich gesagt, ich habe das gar nicht mitgekriegt, dass es Schwedentage in Wismar gibt, muss ich ja zu meiner Schande gestehen. Warst du da schon mal?
Uwe
00:21:44
Ja, ich war auch schon mal da. Tatsächlich sind wir aber nur angekommen. Und sind dann von dort aus nach Hause. Aber das ist auch eine tolle Location. Also die liegt da, ich weiß gar nicht, wie das heißt, also mitten in der Stadt im Hafen. Also da ist auch richtig Party, wenn das Schiff dann da liegt und diese Schwedentage veranstaltet werden. Ja, wer da Interesse hat, uns zu besuchen, also da ist auf jeden Fall richtig viel los und wir werden da auch Open Ship anbieten, das heißt Führung, wenn die Team da liegt, aber natürlich auch mehrstündige Ausfahrten.
Britta
00:22:15
Ich sage nochmal die Daten zu den Reisen. Also die Reise ab Rostock Richtung Stettin startet am 10.8. Und zurück geht es dann am 20.8. ist das Schiff dann wieder in Warnemünde. Dazwischen sind die Etappen in Richtung Stettin und in Wismar ist das Schiff dann vom 20. bis 23.8. Dann geht es weiter durch den Nord-Ostsee-Kanal zurück nach Hamburg. Und da kann man auch wieder Teil-Etappen buchen, sowas wie von Kiel nach Rendsburg oder dann nachher von Rendsburg nach Hamburg. Und dann gibt es ja, glaube ich, auch einen Zubringer. Wenn man jetzt in Rendsburg startet, muss man ja irgendwie nach Rendsburg kommen.
Uwe
00:22:52
Ja genau, also wir bieten tatsächlich auch die Bustransfers mit an. Kann man sich natürlich überlegen. Also wer möchte, kann auch den Zug nehmen, aber tatsächlich wird bei unserer Geschäftsstelle auch ein Bustransfer angeboten.
Britta
00:23:03
Genau und zum Schluss gibt es dann natürlich nochmal ein paar Hamburg-Fahrten. Im September, das wird natürlich nochmal der Abschluss. Also durch den Hafen mit der Stettin immer wieder was Besonderes.
Uwe
00:23:14
Auf jeden Fall. Und wer dort an Bord kommt, also im September auch bei beiden Fahrblöcken bin ich auch an Taita eingetragen. Leider kann ich in den großen Touren aktuell nicht teilnehmen. Aber im September freue ich mich dann schon wieder drauf, am Kessel zu stehen und freue mich auch über die Gäste und jede Menge Fragen.
Britta
00:23:35
Guter Tipp. Jetzt haben wir über die ganzen Fahrten mit der Stettin gesprochen. Es gibt ja auch Menschen, die sagen, naja, die Stettin, die fährt ja mit Kohle. Das ist ja nicht mehr zeitgemäß und auch nicht umweltfreundlich. Was sagst du dazu?
Uwe
00:23:50
Die Menschen haben vollkommen recht. Es ist weder zeitgemäß noch umweltfreundlich. Es ist nur die einzige Möglichkeit, die wir aktuell sehen, um unser schönes Schiff an wenigen Fahrtagen in Betrieb zu halten und den Menschen zu zeigen, wie damals eine Dampfmaschine dieser Bauart die Industrie in einer unglaublichen Geschwindigkeit nach vorne gebracht hat. Weil das war die erste Möglichkeit, also der erste Antrieb, den man alternativ zu segeln, die man zur Verfügung hatte. Und windunabhängig und mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit und einer deutlich höheren Transportkapazität auf einmal Waren zu transportieren. Diese Geschichte können wir natürlich am besten erzählen, wenn wir dieses Schiff so betreiben, wie es auch früher betrieben wurde. Nämlich mit Personal in dieser Dampfmaschine, die extrem wartungsaufwendig ist während ihres Betriebs, genauso natürlich wie die Kesselanlage. Also vom Betrieb her ist ein Dieselmotor neben der Tatsache, dass er deutlich effizienter ist, auch viel, viel weniger wartungsintensiv.
Britta
00:24:53
Aber letztendlich ist es ja so, dass wenn nicht irgendjemand mal diese Dampfmaschine erfunden hätte, wird es ja auch heute noch nicht mal Elektroautos geben, glaube ich, oder?
Uwe
00:25:04
Das kann man so sagen. Es sind zwei verschiedene Prinzipien. Also eine Kolbenmaschine, die jetzt mit Wärme betrieben wird, es wird ein Verbrennungsmotor im Auto auch, nur da kommt die Wärme, entsteht direkt im Brennraum, bei uns entsteht sie halt im Kessel. Aber wir haben für die Schifffahrt, vor allem für die langen Distanzen, gibt es noch keine andere Lösung als die Wärmekraftmaschine. Das ist das Prinzip, was wir auch auf der Stettin haben, eben in der Form, dass wir da Wasserdampf expandieren. Und so gesehen könnten wir eigentlich diese Handelsschrift, wie wir sie heute kennen, die könnten wir ohne dieses Wettbewerbprinzip dieser Maschine, könnten wir uns die nicht vorstellen. Vor allem nicht in diesen Dimensionen, das wäre vollkommen ausgeschlossen. Und auch zu der Frage mit dem Umweltaspekt, die nehmen wir ernst. Ja, wir sind nicht nur bemüht, also auch gezwungen aufgrund der Kosten und Kosten durch die Kohle, die sich vervielfacht hat und natürlich auch der CO2-Gebühren, die mit dem Kauf der Kohle entstehen, sind wir gezwungen, unsere Anlage effizient und so nachhaltig, wie es irgendwie geht, zu fahren. Und wenn die Stettin, die stößt ja nicht kontinuierlich, wir sprechen jetzt vor allem auch mal von sichtbarem Abgas, dem Ruß, den man erkennen kann, der ist ja nicht kontinuierlich da. Wir haben immer wieder Phasen, wenn wir Kohle aufwerfen, Kohle ist auch nicht konstant in ihrer Qualität und in ihrer Körnung, dann haben wir immer wieder diesen Effekt, dass man dann eine Zeit lang eben einen höheren, vor allem Partikelausstoß hat, den wir so gut es geht eben reduzieren wollen, Und eben durch die Technik, die wir beim Heißen anwenden, auch da haben sich Dinge ein bisschen weiterentwickelt. Aber es ist nicht 100 Prozent zu vermeiden, dass wir eben sichtbares Abgas haben. Hier würde ich gerne noch was zu sagen. Also dafür werden wir auch oft verurteilt, abgeurteilt, dass dieses Abgas eben besonders gefährlich ist. Diese sichtbare Abgas, dieser Staub, diese Partikel sind sehr grob überwiegend nicht lungengängig und für uns Menschen weniger gefährlich. Ich bin kein Mediziner, ich bin Techniker, aber dieses sichtbare Abgas, das schreckt natürlich ab, vor allem gerade dann, wenn es eben sehr dichter aus dem Schaunstein quillt. Und das ist natürlich für viele abschreckend und sagen, dass eine große Menge Schmutz aus diesem Schiff da herauskommt. Aber das ist eben dem Brennverfahren geschuldet. Wie gesagt, wir bemühen uns diese Kesselanlage so effizient, auch aufgrund der Kosten so effizient und sauber zu fahren, wie uns das gerade möglich ist.
Britta
00:27:38
Lässt sich halt nicht ändern, aber eben auch diese Geschichte zeigen, technischer Art. Und das geht nicht anders, als wenn man die Maschine betreibt. So verstehe ich das.
Uwe
00:27:48
Ganz genau. Also wir haben keine Möglichkeit der Nachrüstung einer Abgasreinigung. Das gibt unser Prinzip, unser Verbrennungsprinzip und auch die Kesselanlage mit dem Chance, dann gibt es nicht her, dass wir da was umsetzen können. Wie gesagt, es ist eben dieses Bewusstsein, wie mit vielem anderen auch, Menschen, die ein altes Auto haben, was auch nicht über Abgassreinigung, ich spreche jetzt über Oldtimer, da geht es eben auch um den bewussten Einsatz. Wir fahren jetzt, ich weiß nicht, du hast das glaube ich nachgeschaut, es sind 35, 40 Fahrtage, die wir haben. Es sind ein bisschen mehr, glaube ich. Aber das Schiff fährt nicht so viel. Die absolute Menge an Kohle ist, wenn man jetzt das gegen ein Containerschiff vergleicht, ein Bruchteil von der Menge. Also was wir in der ganzen Phase verbrennen, das verbrennt ein großes Containerschiff in relativ wenigen Stunden. Das ist schon, man kann natürlich immer relativieren. Ich versuche nur, meine Absicht ist, oder mein Versuch ist hier nur, ein Verständnis zu generieren. Diese Geschichte lässt sich am besten erzählen, wenn man einfach natürlich die schmutzigen und russigen Gesichter vor dem Kessel sieht, die ölverschmierten Hände und auch Gesichter in der Maschine und vielleicht auch Die Kleidung von damals ansatzweise wiedererkennen und eben auch die Schwere der Arbeit. Das ist, glaube ich, auch etwas, was mich immer wieder fasziniert. Also wenn man überlegt, die Titanic, man sieht zwar ein paar Bilder aus dem Kesselraum, aber die haben früher da Wachen von vier Stunden gearbeitet und hatten danach acht Stunden frei. Die Menschen waren so kaputt und so fertig, dass sie in diesen acht Stunden was essen konnten und eigentlich nur gelegen haben, um sich da zu erholen von dieser unglaublich schweren Arbeit. Und wir fahren jetzt hier Wachen von einer Stunde respektive anderthalb Stunden. Die Maschine läuft sowieso nur im unteren Lastbereich. Also das ist alles andere als nicht stemmbar und trotzdem sehen wir auch schmutzig und verschwitzt aus. Man muss sich wirklich vorstellen, was für eine unglaubliche körperliche Belastung das war, wenn man früher hauptberuflich so eine Aufgabe hatte. Ja, und ich finde es schon wichtig, dass wir auch einen Blick zurückwerfen, vielleicht auch mal unsere, Ja, jeder hat so seine Last zu tragen, aber auch das hilft vielleicht, mal dem einen oder anderen zu relativieren und sich zurückerinnern, wie ist das früher eigentlich mal gewesen? Was war das für eine Knüppelei? Da gab es keinen Betriebsrat, es gab keine Gewerkschaft, es gab eigentlich, es gab entweder die Möglichkeit, du hast gearbeitet oder du bist dann rausgeflogen. Also die Heißer, das war ein Verschleißmaterial. Es gab eh in diesem Arbeitsbereich eine hohe Suizidrate. Auf großen und luxuriösen Schiffen durften die Menschen nicht ans Tageslicht, die durften nicht auf Deck. Sie haben im Prinzip während so einer Überfahrt gearbeitet und vegetiert. Das Leben wir in einer sehr... Tollen Zeit im Vergleich heute, ja, aus meiner Sicht.
Britta
00:30:40
Okay, ist jetzt ein bisschen schwierig, die nächste Frage zu stellen. Denn wenn es jetzt noch Menschen gibt, die deine Schilderung nicht irgendwie abgeschreckt haben, kann man denn noch mitmachen bei der Stettin? Sucht ihr überhaupt noch Menschen, die als Ehrenamtliche mitmachen?
Uwe
00:30:55
Auf jeden Fall, immer gerne. Also wer Interesse hat, sich das Schiff anzuschauen und auch überlegen würde, sich da ehrenamtlich zu engagieren. Also ich möchte niemanden erschrecken. Also auch das, was wir da tun, wir haben Heißer und Oberheißer, die sind über 80 Jahre alt. Wir haben junge Menschen dabei, die genauso fasziniert sind davon. Also wir bringen jedem Interessierten, jeder Interessierten alles bei. Wir haben Männer wie Frauen auch im Bereich des Kessels. Da ist die Verteilung natürlich etwas anders als zum Beispiel im Bereich des Service. Aber wir sind offen für jeden, der sich da engagieren möchte und freuen uns über jeden und jede, die sich da einbringen möchte. Das ist vollkommen klar. Und ich sage auch immer so, die Geschichte habe ich auch schon oft genannt, also ich bin nicht als Perfektehalter vom Himmel gefallen. Ich war am Anfang sehr froh, wenn ich mehrfach hintereinander das Feuer getroffen habe, wenn ich aufgeworfen habe. Und die Stettin hat bestimmt schon einige schlechte Heizer gesehen, aber viel weniger als meine Leistung. Das wird ja nicht so oft passiert sein und ich musste mich anstrengen. Das ist eigentlich einfach, wie es ist. Wenn man darauf Lust hat und das lernen möchte, das ist kein Hexenwerk. Und schön ist, wenn man eine Affinität auch für so eine Aufgabe hat. Ritter, du kennst mich ein bisschen, ich bin ein bisschen größer und schwerer. Und ich mag körperliche Arbeit und eben auch diese Kombination daraus, eben dieses Feuer, die Feuer zu führen und vielleicht auch zu überlegen, wie brennt das gerade ab, wie viel Maschinenleistung wird abgerufen, wie schnell fährt das Schiff, was ist unser nächstes Ziel. Das ist ganz wichtig eben bei der Feuerführung. Wenn wir jetzt in die Schleuse reinfahren, muss man das berücksichtigen. Also das ist nicht wie wenn wir Auto Fuß vom Gas nehmen und dann wird weniger Leistung generiert, sondern man muss im Voraus eben gucken, dass die Feuer schon ein bisschen abbrennen, sonst gehen uns die Überdruckventile auf. Andersrum, wenn wir aus der Schleuse rausfahren und wir haben es eilig und wir haben die Feuer nicht gut aufgebaut vorher, dann kommt die Maschine zu uns rüber und sagt, was ist hier los? Ich sehe, dass der Dampfdruck fällt und dann kommen wir erst recht ins Schwitzen. Also es ist nicht einfach tribales Kohle auf ein Feuer schmeißen. Da gehört schon ein bisschen mehr zu. Wie gesagt, kein Hexenwerk. Aber diese Kombination aus der körperlichen Arbeit, ein bisschen Strategie, das füllt einen schon aus. Und Feuer war für uns Menschen, glaube ich, schon immer eine Faszination. Das kann man auch nicht anders sagen. Oder für viele von uns zumindest.
Britta
00:33:18
Ich glaube auch, bei der Stettin braucht man ja über 40 Personen, alles zusammen. Also Nautik, Service, Heizer, alle zusammen, glaube ich, braucht ihr 40 Personen, wenn ihr eine Ausfahrt macht, richtig?
Uwe
00:33:31
So um den Dreh, richtig. Vielleicht knapp runter. Das kommt immer noch an, wie weit wir jetzt fahren. Aber natürlich, wir wollen ja unsere Gäste auch kulinarisch ein bisschen betreuen. Also gut, wir sind jetzt ein bisschen hochgegriffen. Aber wir wollen ja nicht, dass die Leute Ungarn-Durst an Bord haben. Da sind wir natürlich ein paar mehr, als wir früher, als das Schiff früher als Mannschaft hatte, während des eigentlichen Einsatzes im Eis. Das hat sich ein bisschen verändert
Britta
00:33:55
Ja klar, aber da merkt man schon, wie groß die Gruppe an Menschen ist, die dann zusammen dafür sorgt, dass das Schiff unterwegs ist. Also es ist schon eine große Gruppe an Crewmitgliedern und wer da Lust hat mitzumachen, haben wir ja gerade gehört. Herzlich willkommen.
Uwe
00:34:09
Ja, natürlich.
Britta
00:34:10
In Övelgönne liegt das Schiff ja dann immer das ganze Winterhalbjahr. Kann man das dann eigentlich immer noch besichtigen?
Uwe
00:34:17
Ja klar kann man die Stettin besichtigen. Also Öffnungszeile sind, soweit ich weiß, sind das 10 bis 18 Uhr. Müsste man nochmal im Netz genau nachschauen. Das Schöne ist, dass die Stettin immer besetzt ist. Also es ist immer ein Verwalter an Bord. Das schreibt die Hamburger Hafenbehörde so vor, weil wir eben diesen Außenplatz auf dem Pontron einnehmen. Verwalter ist immer da. Es ist nicht immer sicher, dass man eine spontane Führung bekommen kann, aber die kann man immer gerne in der Geschäftsstelle anfragen. Da kommt jemand zum Beispiel wie ich, kommt dann vorbei und zeigt das Schiff, vor allem die Maschinenanlage. Es gibt natürlich auch Tage, wo vielleicht irgendwelche Arbeiten durchgeführt werden müssen und wir keine Gäste an Bord lassen können. Da bitte ich dann schon um Verständnis. Das ist aber eigentlich die Ausnahme.
Britta
00:34:57
Uwe, ich denke, das ist ein schöner Schlusssatz, dass man dort immer an Bord willkommen ist. Das ist ganz großartig. Vielen, vielen Dank, Uwe, für all deine schönen Insights von der Stettin. Sie ist wieder unter Dampf, dank einer großen Gemeinschaft aus ehrenamtlichen Förderern und Unterstützern. Wer maritime Geschichte nicht nur anschauen, sondern auch erleben möchte, der hat ab jetzt wieder die Gelegenheit. Alle Informationen, natürlich zu den Fahrten, zu Spendenmöglichkeiten, Unterstützungsmöglichkeiten, findest du auf der Website der Stettin und den Link habe ich natürlich in die Shownotes gelegt. Herzlichen Dank, Uwe, für die interessanten Dinge vom Dampfeisbrecher Stettin. Ich wünsche dir und der gesamten Crew auf der Stettin eine gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kehl.
Uwe
00:35:42
Vielen, vielen Dank, Britta. Es hat mich extrem gefreut, dass wir nach langer Zeit wieder gesprochen haben.
Britta
00:35:47
Ja, alles Gute. Dann bis demnächst auf der Stettin.
Uwe
00:35:50
Tschüss. Bis demnächst. Tschüss.
Britta
00:35:56
Wie schön, dass du immer noch zuhörst. Ich freue mich, mein Gast heute war Uwe Altbach und weil er so viel über den Maschinenraum gesprochen hat, habe ich hier auch ein bisschen Maschinenraum-Sound der Stettin für dich. Vielen Dank fürs Zuhören. Ich hoffe, es hat dir viel Spaß gemacht und hat dir einen guten Einblick in die Details des Dampfeisbrechers Stettin gegeben. Wie gesagt, der Link für den Fahrplan in den Shownotes. Ich wünsche dir jetzt einen superschönen Tag. Bis nächstes Mal. Tschüss.

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