Brittas Hafen Podcast

Britta Mueller

40 Jahre Duckdalben

Kristin Garrn-Eckhoff und Tina Tammena, Sozialarbeiterinnen im Duckdalben

15.08.2026 43 min

Zusammenfassung & Show Notes

Kristin Garrn-Eckhoff und Tina Tammena sind Sozialarbeiterinnen und Schichtleitung im Seemannsclub Duckdalben in Hamburg. Dieser Seemannsclub wurde am 13. August 1986 eröffnet und heute wird das 40-jährige Jubiläum gefeiert. Dieser Seemannsclub ist ein Ort zum Durchatmen, an dem Seeleute Ruhe, Unterstützung und ein Stück Würde finden.
Der Duckdalben gehört zur Deutschen Seemannsmission. Hier geht es jedoch nicht ums Missionieren, sondern um die Unterstützung der Würde von Seeleuten.
Tina und Kristin berichten von ihrem Weg in den Duckdalben und von ihrer Arbeit mit Freiwilligen, Bordbesuchen und Schichtdienst. Der Club ist gleichzeitig soziale Einrichtung und öffentlicher Treffpunkt. Für Seeleute gibt es unter anderem einen Bistrobereich, Sportmöglichkeiten, einen Raum der Stille, Shuttlefahrten in die Stadt sowie Hilfe bei Geldüberweisungen und Krisensituationen.
Ein weiterer Schwerpunkt dieser Folge ist die Veränderung der Seefahrt in den letzten 40 Jahren. Früher kamen Seeleute vor allem zum Telefonieren und für Kontakt nach Hause in den Club. Heute stehen eher Geselligkeit, Erholung und der kurze Aufenthalt an Land im Mittelpunkt, weil Liegezeiten deutlich kürzer geworden sind.
Am Ende sprechen die beiden über besondere Erlebnisse, etwa eine Silvesterschicht und eine Trauersituation mit einem jungen Seemann. Außerdem nennen sie Möglichkeiten, den Duckdalben zu unterstützen: durch Geldspenden, Mitgliedschaft, Ehrenamt und durch die Aktion zu Weihnachten Boxen vorbeizubringen, die den Seeleuten vom Seemannsclub übergeben werden.
Herzlichen Glückwunsch zu 40 Jahren Duckdalben, ich drück ganz fest die Daumen für mindestens 40 weitere Jahre!

Homepage des Seemannsclub Duckdalben: Seemannsmission | DUCKDALBEN international seamens club Hamburg
Kontakt: Kontakt | DUCKDALBEN international seamens club Hamburg
Mitglied werden: Mitglied werden | DUCKDALBEN international seamens club Hamburg

Hier die beiden Podcast Folgen mit Ulrike Asmussen und Till Sattler, Bundesfreiwilligen-Dienst im Duckdalben
#054 - Duckdalben – International Seamen’s Club | Brittas Hafen Podcast
#055 - Its My Happy Day | Brittas Hafen Podcast

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Transkript

Britta
00:00:05
Am 15. August 1986 hat in Hamburg ein Ort seine Türen geöffnet, der für viele Seeleute zu einem Zuhause für eine kurze Zeit geworden ist, der Seemannsklub Duckdalben. Und heute, am 15. August, feiert dieser besondere Ort sein 40-jähriges Jubiläum. Ein Grund zum Gratulieren und für mich der perfekte Anlass, diesem Club eine Podcast-Folge zu schenken. Herzlichen Glückwunsch, Duckdalben und ein großes Dankeschön an all die Menschen, die diesen Ort mit Leben erfüllen. Eure Arbeit berührt mich jedes Mal, wenn ich den Seemannsclub betrete. Willkommen zu einer neuen Folge von Brittas Hafen Podcast. Schön, dass du heute dabei bist. Ich bin Britta. Meine Gäste sind heute Tina Tammena und Kristin Garrn-Eckhoff. Beide arbeiten als Sozialarbeiterinnen im Dukdalben und haben sich, trotz der vielen Arbeit und den Vorbereitungen für das Jubiläumsfest, Zeit für dieses Gespräch genommen. Darüber freue ich mich. Der Seemannsclub Duckdalben ist ein Ort zum Durchatmen. Fester Boden unter den Füßen. Ein Moment Ruhe. Ein Stück Würde. Auch wenn die Zeit oft sehr knapp ist. Was Seeleute dort erwartet und wie sich der Club seit 1986 verändert hat, darüber möchte ich heute mehr erfahren. Der Dugtalben gehört zur deutschen Seemannsmission, einer selbstständigen diakonischen Einrichtung innerhalb der evangelischen Kirche. Auch wenn das Wort Mission im Namen steckt, hier geht es nicht ums Missionieren. Es geht um die Unterstützung der Würde der Seeleute oder wie es auf Englisch heißt, Support of Seafarers Dignity. Falls du dich fragst, wo der Duckdalben eigentlich liegt, in der Zellmannstraße, direkt hinter dem Eingang zum Eurogate Terminal auf der linken Seite. Ein kleines hellblaues Haus mit Garten, auf dem ein Schild steht Duckdalben. Der Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Duck vom plattdeutschen Unterduckern, also unter Wasser sein, und Dalben, dem Pfeiler, an dem Schiffe festmachen. Im übertragenen Sinne also einem Ort zum Festmachen. Wenn du die Folge 54 und 55 mit Ulrike Asmussen und Till Sattler noch nicht gehört hast, da solltest du unbedingt reinhören. Gern natürlich erst, nachdem du diese Folge gehört hast. Die beiden haben ihren Bundesfreiwilligendienst im Duckdalben absolviert. Das sind so beeindruckende junge Menschen, aber mehr verrate ich dir nicht. Die Links zu den beiden Folgen habe ich dir in die Show notes gelegt. Dieser Podcast wird unterstützt von der Fairplay-Towage-Group. Vielen Dank dafür, strong connection und los geht's! Ich freue mich so, dass die beiden da sind. Bei mir sind Tina Tammena und Kristin Garrn-Eckhoff. Hallo Tina.
Tina
00:03:01
Moin Britta.
Britta
00:03:02
Und hallo Kristin.
Kristin
00:03:04
Hallo Britta.
Britta
00:03:05
Und ich freue mich so, dass ihr beiden da seid und dass ihr euch beide die Zeit nehmt für diesen Podcast. Ich hatte ja schon eingangs gesagt, es geht um den Duckdalben, den Seemannsclub in Hamburg. Wenn ihr drei Worte hättet, um diesen Duckdalben zu beschreiben, wie würdet ihr ihn beschreiben? Tina, magst du anfangen? Ja.
Tina
00:03:25
Ja, ich würde sagen, herzlich, international und gesellig.
Britta
00:03:30
Und Kristin, was würdest du sagen?
Kristin
00:03:32
Bester Club ever.
Britta
00:03:35
Genau. Wer bist du, Kristin? Kompletter Name, Kristin Garrn-Eckhoff. Willst du dich einmal kurz ein bisschen vorstellen?
Kristin
00:03:42
Ich bin Sozialarbeiterin, seit 2025 im Duckdalben beschäftigt. Ich komme aus der Integrationsarbeit, habe mit Geflüchteten gearbeitet und bin im Duckdalben jetzt als Schichtleitung angestellt und Sozialpädagogin und Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen und mir macht die Arbeit total viel Spaß.
Britta
00:04:04
Das glaube ich dir gerne, denn ich habe dich auch schon in Action gesehen. Und Tina?
Tina
00:04:08
Ja, ich heiße Tina Tammena. Ich komme hier aus der Nähe, aus Wilhelmsburg und habe vorher auch in der sozialraumorientierten Beratung mit Familien gearbeitet und an der Schule und so weiter. Und dann bin ich irgendwann, habe ich eine Ausschreibung vom Duckdalben gesehen und mich dann da beworben und war dann sofort hin und weg. Das ist vier Jahre her und seitdem arbeite ich da auch sehr, sehr gerne. Ich mag die Arbeit mit den Seeleuten und ich mache ansonsten die, pädagogische Begleitung für unsere Freiwilligen aus dem In- und Ausland. Und ja, es ist eine tolle Kombination.
Britta
00:04:43
Tina, du hast gesagt, du betreust die Freiwilligen. Wie viele Menschen gibt es denn aktuell, die ihren Bundesfreiwilligendienst machen? Ich hatte gelesen, das eine Jahr ist jetzt zu Ende und die einen Freiwilligen gehen gerade und neue kommen dazu.
Tina
00:04:56
Genau, die haben am 1.8. angefangen. Das sind sechs hier aus dem Inland. Und dann haben wir immer noch zwei internationale Freiwillige. Die fangen immer zum März an. Da haben wir immer eine Person aus Brasilien und eine aus den Philippinen.
Britta
00:05:09
Ach, wie wunderbar. Es gibt zwei Folgen in meinem Podcast, die mich wirklich schwer beeindruckt haben. Das sind nämlich die beiden Folgen 54 und 55. Da habe ich mit zwei Menschen gesprochen, die ihren Bundesfreiwilligendienst im Duckdiben machen.
Tina
00:05:25
Genau, das waren Till und Ulrike, das habe ich auch gesehen. Und Till ist jetzt zum Beispiel auch wieder da zur Einarbeitung von den Neuen. Also die kommen immer wieder zurück.
Britta
00:05:33
Ach, das ist ja schön. Wunderbar, der kam doch aus dem Schwarzwald, oder?
Tina
00:05:38
Genau, der wohnt da jetzt in Freiburg und kommt dann extra ein paar Tage Anfang August, um hier zu helfen, die Neuen auf Kurs zu bringen und ihnen alles zu erklären und so weiter.
Britta
00:05:47
Ach, wie wunderbar. Bei Tina haben wir jetzt schon ein bisschen gehört, wie sie zum Duckdalben gekommen ist, wegen einer Ausschreibung. Wie war das denn bei dir, Kristin?
Kristin
00:05:55
Ganz verrückt. Ich habe soziale Arbeit studiert die letzten Jahre, ab 2021. Ich hatte vorher eine andere Ausbildung. Ich bin Ingenieurin von Haus aus und habe dann nochmal nachgelegt. Und während des Studiums habe ich gemerkt, dass ich mich gerne beruflich verändern möchte. Und habe über eine Freundin, die in den diakonischen Bereich gegangen ist während ihres Studiums, erfahren, dass es bei der Nordkirche diese Stellenausschreibung gibt. Und dann hat sie gesagt, guck dir das mal an, Kristin, ich glaube, das ist was für dich. Und dann habe ich mich da langsam herangetastet und habe den Duckdalben das erste mal besucht. Und Jörn, unser Hafendiakon sozusagen, hat mich dann ganz toll begleitet, also hat mich da ganz gut in den Duckdalben eingeführt. Und dann habe ich mich beworben und habe die Stelle bekommen. Yeah! Und das war wohl Gottes Wille.
Britta
00:06:52
Ja, und ich finde, wir können so glücklich sein, so wunderbare Menschen wie euch zu haben, die da im Duckdalben arbeiten. Natürlich euer gesamtes Team, alle wirklich klasse, denn es ist ein ganz besonderer Ort. Was macht denn die Arbeit in einem Seemannsklub so besonders im Vergleich zu klassischen sozialen Berufen an Land?
Kristin
00:07:09
Ganz unterschiedliche Dinge tatsächlich. Erstmal sind wir ein Club. Wir sind keine klassische Sozialeinrichtung. In dem Sinne, wir sind ein Seemannsklub, ein internationaler Seemannsklub. Und wir haben dort Club-Geschehen. Also wir haben ein bisschen... Shop dabei, wir haben ein bisschen Gastronomie dabei, wir haben, also Gastronomie kann man es ja gar nicht nennen, es ist eher ein Bistro. Wir haben Sportanlagen, wir haben ganz viel Außenbereich, wir haben unglaublich viele Möglichkeiten sich auszutoben und sind eine soziale Einrichtung.
Britta
00:07:46
Und das ja so einzigartig, speziell für Seeleute.
Tina
00:07:49
Also an manchen Abenden ist es einfach so, als wäre man in so einer netten, tollen Kneipe, wo dann Livemusik ist und man Bier verkauft und gute Stimmung ist. Und dann muss man aber an ganz vielen Stellen auch wieder ganz schnell agieren, weil dann Seeleute innerhalb kürzester Zeit irgendwas dringend brauchen. Und da muss man halt auf ein Netzwerk zugreifen, das bei uns einfach sehr gut ausgeprägt ist und sehr unterstützend ist. Also wir arbeiten ja mit dem Hafenärztlichen Dienst zusammen, mit der Wasserschutzpolizei, mit der Gewerkschaft. Wir können immer auf Leute zugreifen, wenn irgendwelche Probleme sind. Und die müssen dann oft in sehr kurzer Zeit gelöst werden, weil die Seeleute ja oft nur wenige Stunden Landgang haben und dann auch vielleicht schon wieder am nächsten Morgen um 5 Uhr mit dem Schiff auslaufen. Und wenn dann irgendeine Situation ist, auch vielleicht was Trauriges zu Hause passiert ist oder so, muss man einfach innerhalb kurzer Zeit mit den Seeleuten dann sehr eng in Kontakt gehen und gucken, wie kann man das sehr, sehr schnell lösen.
Britta
00:08:48
Ja, gerade die traurigen Situationen, das kennen wir ja so aus der Tagesschau, dass zum Beispiel über den Philippinen gerade irgendwann ein Wirbelsturm gewesen ist oder ähnliches. Das muss natürlich ganz, ganz schrecklich sein, wenn man dann so weit weg von zu Hause ist, vielleicht gerade gar keinen Kontakt bekommt mit der Familie. So etwas meinst du mit so traurigen Situationen, oder?
Tina
00:09:11
Genau, das könnte das sein, dass Naturkatastrophen, gerade auf den Philippinen, die sind ja leider sehr belastet, Erdbeben, Taifune, Regenfälle und so weiter. Es kann aber auch natürlich was Persönliches sein. Die Seeleute sind ja oft monatelang von zu Hause weg. Ein normaler Seemann an Bord ist neun bis elf Monate zum Teil an Bord und da kann natürlich zu Hause auch mal jemand krank werden oder den Verdacht auf eine Krankheit haben. Es kann auch jemand sterben zu Hause, es kann an Bord ein Unfall passieren oder ein Unglück. Das sind alles so Sachen, wo wir dann ja auch zur Stelle sind und versuchen zu unterstützen und Seelsorge zu leisten und Krisenintervention.
Britta
00:09:55
Ja, ganz, ganz tolle Arbeit und Ich denke für die Seeleute das, was man wirklich braucht, wenn man so lange von zu Hause weg ist und oft gar keine Möglichkeit hat zum Landgang. Auch das haben wir ja in der letzten Zeit öfter mal in der Zeitung gelesen, dass das gar nicht in jedem Hafen inzwischen so erlaubt wird oder nur möglich gemacht wird und dass das hier eben möglich ist. Das ist total schön. Wie kommen jetzt die Seeleute genau zu euch? Kannst du das vielleicht nochmal erklären?
Tina
00:10:25
Wir machen ja auch Bordbesuche. Das heißt, wir haben eine Übersicht auf, welche Schiffe an dem Tag bei uns im Hafen liegen. Und dann gehen Hauptamtliche und Ehrenamtliche oder auch unsere Freiwilligen in Teams los und besuchen diese Schiffe. Also die geben dann auch Informationen, wenn die Besatzung uns noch nicht kennt, was wir anbieten, was in Hamburg möglich ist. Und dann können die Seeleute uns einfach anrufen oder auch über WhatsApp kontaktieren. Das ist für viele noch einfacher, als jetzt über das Festnetz anzurufen und, sagen dann, wir sind hier auf dem und dem Schiff, wir würden gerne abgeholt werden. Und dann gucken wir, wie viele Leute sind das, an welchem Terminal sind die und schicken dann unsere Ehrenamtlichen oder Bufdis oder Hauptamtlichen los, um die dann abzuholen. Wir haben mehrere kleine Busse und genau, mit denen können wir die dann abholen und in den Fluss gehen.
Britta
00:11:21
Ja, Tina, du hast vorhin schon ein bisschen erzählt, was es alles im Duckdalben gibt, den Außenbereich und so weiter. Ein Punkt ist ja auch, Geld nach Hause zu überweisen. Ist das eigentlich immer noch so, dass Seeleute Geld nach Hause überweisen?
Tina
00:11:34
Ja, das machen sie immer noch. Es ist ein bisschen weniger geworden, weil viel Gehalt jetzt auch einfach direkt auf ein Konto überwiesen wird. Aber wenn es Notfälle gibt, dann wird immer noch Geld geschickt oder auch wenn die Seeleute Schulgebühren bezahlen müssen plötzlich oder so weiter, dann haben sie zum Teil Bargeld, das wir dann auch auf die Philippinen schicken können, oder in andere Länder mit Western Union dann eben auch.
Britta
00:11:59
Und welche Dinge sind noch besonders beliebt in eurem Duckdalben? Du hattest es ja vorhin schon gesagt mit Musik. Also Musikinstrumente gibt es ja da und es gibt die Möglichkeit Karaoke zu machen. Da habe ich schon mal gehört, dass es besonders beliebt. Abends, was gibt es dann noch, was besonders beliebt ist?
Tina
00:12:16
Also Billardspielen ist auf jeden Fall total beliebt. Das ist was, was viele Seeleute gerne machen. Dann aber auch Basketball. Also jetzt gerade bei dem guten Wetter wird gerne Basketball draußen gespielt, um sich einfach zu bewegen. Das sind ja auch alles Sachen, die an Bord nicht so gut gehen. Und unser Shuttle in die Stadt ist natürlich auch total beliebt. Also für Seeleute ist es ja sehr, sehr wichtig, auch immer wieder sich sozusagen mit dem echten Leben zurückzuverbinden. Die arbeiten und leben da an Bord in ihrem Schiff. Und ja, das ist einfach dann eine gute Möglichkeit, weil wir den Hafen so nah an der Stadt haben, dass wir sie dann auch zum alten Elbtunnel bringen können. Dann laufen sie da einmal durch und sind dann ja direkt mitten im Geschehen.
Britta
00:12:57
Du hast es schon gesagt, das Leben an Bord, sehr isoliert, immer laut. Den ganzen Tag läuft da ja die Maschine. Das darf man auch nicht vergessen. Man hat immer ein Geräusch neben sich zu hören. Man hat eigentlich keine Ruhe. Kurze Liegezeiten, wenn man im Hafen ist und sowieso ja wenig Zeit, um Pause zu machen. Ja, das ist ja eigentlich das, was den Duckdalben ausmacht, eine Abwechslung.
Kristin
00:13:21
Also ja, wenn man in den Duckdalben kommt, dann sieht man erst mal grün, weil wir sind wie so eine kleine grüne Oase im Hafen und das tut den Leuten schon ganz oft erst mal gut. Und dann sieht man andere Menschen außer seiner Crew. Man hat die Möglichkeit, über das kostenlose Wi-Fi, was wir anbieten, in Ruhe mit den Lieben zu Hause zu telefonieren. Man kann sich auch einfach mal in die Ecke legen und schlafen. Sie können auf alle Fälle, wie gesagt, dort sich sportlich betätigen. Sie können dort Dinge kaufen, die Sie vielleicht die letzten Monate nicht kaufen konnten, weil Sie eben nicht von Bord gekommen sind, wie zum Beispiel Hygieneartikel. Sie können aber auch Dinge einkaufen, wenn die Heimreise bevorsteht, dass Sie dann nochmal Schokolade kaufen für Ihre Liebsten. Das machen Sie total gerne. Sie können sich aber auch zurückziehen in unserem Raum der Stille, dem Gebetsraum mit den Religionen, mit den vielen verschiedenen Religionen und können dort sich kurz zurückziehen, beten und sich erden auch wieder. Ansonsten haben sie ganz viele Möglichkeiten, auch eben mit uns in Austausch zu gehen und ihr Herz zu erleichtern oder einfach nur das Gefühl zu haben, dass sie irgendwo einen Platz gefunden haben, wo sie gesehen werden und wo sie sich ein Stück weit zu Hause fühlen können auch.
Britta
00:14:45
Ja, der Raum der Stille, du hast es schon angesprochen, ein ganz bezaubernder Ort, in dem wirklich alle Religionen in einem Raum zu Hause sind. Und soweit ich weiß, hat ja der Duckdalben selber nur einen kleinen Teil damals eingerichtet und alles andere sind Mitbringsel von Seeleuten selber, um ihre Religion dort auszuüben. Wenn ich da in dem Raum stehe, Ich finde das jedes Mal so wunderbar, so schön. Und natürlich für die Seeleute hat das natürlich nochmal eine ganz andere Bedeutung.
Kristin
00:15:18
Auf alle Fälle, ja.
Britta
00:15:19
Ja, wie sieht denn jetzt ein typischer Arbeitstag oder eine Schicht für euch aus? Welche Rolle spielen die Bordbesuche, bei denen ihr zu den Schiffen fahrt? Wie geht das überhaupt? Was macht ihr jetzt genau an so einem typischen Arbeitstag? Tina, willst du anfangen?
Tina
00:15:33
Also es gibt Früh- und Spätschichten bei uns im Club. Jede Schicht beginnt mit einer Anfangsrunde, weil wir ja auch sehr, sehr viele Ehrenamtliche haben und Buchtis. Und eigentlic h ist jeden Tag das Team in anderer Zusammensetzung. Also es ist ein anderer VD da, es gibt andere Ehrenamtliche und es gibt andere BUFTIs. Und dann gucken wir eben in jeder Anfangsrunde erstmal, was ist wichtig an diesem Tag, wer ist da, wer kennt wen. Gibt es irgendwelche Verkehrseinschränkungen, gibt es irgendwelche Besonderheiten mit Crews und so weiter. Und dann gehen in der Frühschicht einige Ehrenamtliche auf Bordbesuch und die anderen bleiben dann im Club. Und am Nachmittag ist das ähnlich. Da machen wir eigentlich keine Bordbesuche mehr, sondern haben dann eigentlich sehr viele Seeleute, die zu uns kommen. Und dann werden eben die Aufgaben verteilt. Einige fahren, einige helfen am Tresen mit. Es werden Würstchen gekocht, es wird Bier und Cola und Limo verkauft. Genau, und am Ende des Tages bringen wir die Seeleute dann wieder zurück auf ihre Schiffe und dann gibt es auch immer eine Abschlussrunde. Also das ist sozusagen auch für unsere Teams immer ganz wichtig, dass man sich am Anfang so zusammenfindet für den Tag und dann am Ende des Tages auch nochmal reflektiert, was war gut, was waren die Highlights des Tages und was ist vielleicht auch irgendwie noch übrig geblieben, wo man sich nochmal gemeinsam austauschen will. Gab es mal irgendwie eine komische Situation oder eine Unsicherheit oder so. Und genau, das ist irgendwie dann so eine ganz runde Sache. Und das ist aber sozusagen nur die Schichtdienste, die wir dann als Verantwortliche leiten. Aber wir haben ja auch noch andere Aufgaben. Also es gibt... Wie ich schon gesagt habe, mache ich noch mit einem Kollegen zusammen die pädagogische Begleitung von den Bundesfreiwilligen. Das heißt, wir machen da auch Reflexionsgespräche und Seminararbeit und so weiter und begleiten die eben über ihren Freiwilligendienst. Und wir machen aber auch Sachen wie Besuchergruppen rumführen. Wir machen auch Krankenhausseelsorge, also wenn Seeleute sich verletzen oder eine Krankheit an Bord bekommen und dann im Krankenhaus sind, Und wir würden sie da besuchen. Wir machen auch eben Kriseninterventionen, wenn Seeleute an Bord Unfälle erlebt haben, dann mit den ganzen Crews. Und ja, es gibt natürlich auch noch ein bisschen Büroarbeit zu machen. Also genau, unsere Arbeitstage sind total abwechslungsreich und man weiß eigentlich nie, wie der Tag verläuft. Man weiß nie, ob vielleicht nur 30 Seeleute in den Club kommen an dem Tag oder 140. Und man muss eben immer ganz spontan organisieren und reagieren und das ist toll.
Britta
00:18:13
Ja, auch dank so toller Menschen wie euch beiden. Kristin, möchtest du noch was ergänzen dazu, zu eurem Arbeitsalltag, so wie das aussieht?
Kristin
00:18:21
Tina hat ja schon einiges gesagt, aber das, was vielleicht auch den Duckdalben ausmacht oder was unsere soziale Arbeit beim Duckdalben ausmacht, ist, dass wir halt wirklich Führungskompetenzen brauchen, weil wir eben Schichtleitungen sind und ganze Teams sozusagen durch den Tag geleiten. Und wir brauchen tatsächlich ganz viel Organisationstalent auch immer wieder, um halt den Tag zu organisieren, um Eventualitäten mit einzuplanen, um besondere Situationen dann auch ganz schnell irgendwie zu lösen. Wir brauchen da ganz viel Spontanität, ganz viel Kreativität und aber auch Durchsetzungsvermögen, diese Schichten, die von montags bis sonntags gehen, eben auch dann gut zu Ende zu bringen. Und das ist schon, das ist eine Herausforderung, aber das ist wirklich auch total spannend, weil man in seinem Arbeitsfeld eben auch wachsen kann.
Britta
00:19:12
Du hast es schon eben gesagt, Montag bis Sonntag geöffnet. Wie sind die Öffnungszeiten genau?
Kristin
00:19:16
Von Montags bis Freitags von 10 bis 9 abends und am Samstag und Sonntag im Moment von 15 bis 9, also von 3 bis 9 nach Nachmittags- Abends.
Britta
00:19:33
Ja, und dann hattest du schon eben gesagt, welche Fähigkeiten man braucht, Organisationstalent, sich schnell auf neue Situationen einzustellen. Gibt es wahrscheinlich auch natürlich Fremdsprachen, sollte man sprechen. Was gibt es denn noch so für Fähigkeiten, die man auf jeden Fall haben muss?
Kristin
00:19:49
Ganz, ganz wichtig bei uns ist tatsächlich kulturelle Kompetenz, weil wir mit so vielen in verschiedenen Nationen und Kulturen zusammenkommen. Es ist religiöse Sensibilität gefragt im Sinne der verschiedenen Ansprüche, Anforderungen, Bedarfe, die die Seeleute eben auch mitbringen. Und ich denke, es ist auch total wichtig, dass wir eine, ich nenne es jetzt mal, eine diakonische christliche Haltung mitbringen, im Sinne von, wir achten den Menschen, der uns gegenübersteht und wir nehmen ihn so, wie er ist und wir helfen ihm im Rahmen unserer Möglichkeiten. Also wenn es machbar ist, finanziell, zeitlich, ethisch, dann versuchen wir, dem Menschen, der uns gegenübersteht, auch wirklich zu helfen Und das erfordert eine ganz bestimmte Haltung und auch eine Achtung gegenüber dem Menschen. Ich meine, dass es jetzt nichts Ungewöhnliches in der sozialen Arbeit an sich, aber in Kombination mit der kulturellen und der religiösen Sensibilität, die wir dafür eben auch aufbringen müssen, ist es auch was Besonderes tatsächlich.
Tina
00:20:56
Ja, also ich glaube, Authentizität ist sehr wichtig, also sozusagen authentisch auf jeden Menschen da zuzugehen. Und wir kriegen ja auch sehr, sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Also wenn wir auf Bord besuchen sind, wird uns auch mal Geld in die Hand gedrückt und gesagt, ich kann jetzt nicht von Bord gehen, kannst du das bitte mitnehmen und dann nach Hause schicken? Und das sind natürlich so Vertrauensvorschüsse, die wir haben. Ja, auf die wir sehr stolz sind und die wir natürlich auf keinen Fall verlieren wollen. Du hast ja auch nach den Sprachen gefragt. Also Hauptsprache ist Englisch. Die meisten Seeleute oder die allermeisten müssen ja auch an Bord Englisch sprechen. Das ist da die Verkehrssprache. Deswegen kommt man mit Englisch eigentlich sehr weit. Wir haben ja auch eine philippinische Freiwillige. Das lieben die Seeleute natürlich auch, dann irgendwie in ihrer Heimatsprache sprechen zu können. Oder genau, einiger der Sprachen spricht sie. Und ansonsten wäre es noch toll, wenn wir Leute hätten, die chinesisch, russisch oder ukrainisch könnten, aber wir können uns eigentlich immer alle auf Englisch, gut verständigen und es geht auch nicht darum, bei uns irgendwie besonders tolles Englisch zu sprechen, sondern einfach sich zu trauen und diese Kommunikation herzustellen. Also da gehst du auch mit Händen und Füßen oder mal mit dem Google Translator und manche Seeleute scannen dann mit ihrem Handy unsere Produkte ab, einfach um zu übersetzen, was ist denn da eigentlich drin oder so. Also da kann man dann sehr kreativ werden. Genau, und das gehört natürlich auch noch dazu, dass man die Ehrenamtlichen und Bufdis sozusagen auch begleitet in dieser, was Christine schon gesagt hatte. Kulturellen und religiösen Vielfalt damit umzugehen. Weil das sind ja auch Leute, die Seeleute, die sind jetzt nicht auf einer touristischen Fahrt und haben sich darauf vorbereitet, wie ist es denn eigentlich nach Deutschland zu kommen und wie sind da so die Gepflogenheiten. Und ja, deswegen gibt es auch immer mal Irritationen, wo man dann eben auch mit den Ehrenamtlichen und WUF, die sich das noch nicht so kennen, dann gemeinsam reflektieren muss, okay, wie gehen wir damit um, wo ist unsere Grenze, die darf man natürlich auch sagen, aber wo hat man auch Verständnis oder erklärt dann einfach, was ist da sozusagen der Hintergrund. Also das ist, glaube ich, auch wichtig.
Britta
00:23:06
Interessant. In diesen Tagen ist der 40-jährige Jahrestag des Dukdalben. Ganz herzlichen Glückwunsch dazu. In den 40 Jahren hat sich natürlich die Schifffahrt extrem verändert. Früher hatten die Schiffe tagelange Liegezeiten im Hafen. Heute sind es ja nur noch wenige Stunden. Jetzt seid ihr natürlich noch sehr jung und habt gerade erst begonnen, im Flugbleiben zu arbeiten. Aber könnt ihr trotzdem vielleicht einen Einblick geben, was haben die Seeleute früher gebraucht, 1986? Was brauchen die Leute heute im Jahr 2026? Was hat sich da im Club verändert?
Tina
00:23:39
Ja, also wenn man in den Club geht, dann findet man da auch noch ziemlich viele Sachen, die aus 1986 oder 1990 sind, wenn man sich da so umguckt. Also da ist einfach richtig viel gesammelt und wir haben sehr viele Geschenke. Also man kann sich da auch ein bisschen in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen. Ich glaube, das Hauptsächliche, was sich verändert hat. Der Bedarf an Kommunikation mit dem Zuhause. Also früher sind die Seeleute ja tatsächlich in den Club gekommen, um endlich mal nach Wochen, nach Monaten ihre Familie anzurufen und zu hören, was ist da überhaupt los? Also da haben wir auch noch im Club, im Eingangsbereich unsere Telefonzellen stehen. Die sind jetzt mittlerweile einfach nur noch Abstelllager für uns, für die Kleiderkammer oder für Koffer, weil die Seeleute natürlich alle ein Handy haben. Die können alle über ihr Handy mit ihrer Familie Kontakt aufnehmen. An Bord ist es noch eingeschränkt. Es wird zum Teil aber auch mehr, dass die Starlink oder irgendwelche Möglichkeiten haben, mehr mit der Familie zu kommunizieren oder auch Filme zu schauen oder sowas online. Genau, und das fällt aber immer mehr weg, dass sozusagen sie zu uns kommen, um zu telefonieren oder um Internet zu nutzen, sondern sie sind einfach, wenn sie zu uns kommen, dann wollen sie zu uns kommen, weil sie den Club kennenlernen wollen oder im Club Zeit verbringen wollen, weil sie Geselligkeit haben wollen und zusammen spielen, zusammen, zusammen musizieren, zusammen Bier trinken und quatschen. Also die treffen ja auch oft dann Seeleute, die sie von zu Hause kennen oder von einem anderen Schiff, wo sie schon mal zusammengefahren sind. Also diese Geselligkeit, die sie im Club erleben, ist wichtiger geworden als sozusagen dieser Kontakt mit zu Hause.
Britta
00:25:19
Kristin, hast du da auch noch eine Idee, was sich verändert hat oder was sich besonders verändert hat in den letzten 40 Jahren?
Kristin
00:25:26
Ja, die Liegezeiten haben sich massiv verkürzt und die Möglichkeit, überhaupt an Land zu gehen, ist sehr viel seltener geworden. Und ich weiß, dass ganz viele sich immer auf Hamburg freuen, weil sie wissen, dass sie hier an Land gehen können. Weil sie wissen, dass wir diesen Shuttle-Service haben. Viele heben sich das dann tatsächlich auf, um dann bei uns hierher zu kommen. Und diese kurze Zeit, die sie haben, gerade auf den Containerschiffen, dann hier bei uns im Club zu verbringen, weil sie diesen Club so sehr mögen, weil sie diese gute Atmosphäre total mögen. und weil sie wissen, dass sie innerhalb kürzester Zeit eben auch mal kurz in die Stadt gehen können. Das ist etwas, was sich ganz wesentlich verändert hat, dass eben durch die kürzeren Liegezeiten, die schnelleren Abfertigungen der Schiffe einfach auch diese Zeitpläne der Seeleute ganz stark verändert haben und die ihre Landgänge ganz anders kalkulieren.
Britta
00:26:17
Jetzt hattest du schon gesagt, die Liegezeiten sind kurz. Wenn man sich das heute anschaut, 90 Prozent des Welthandels läuft über den Seeweg. Aber trotzdem ist es so oft so, dass Menschen, wenn sie in den Supermarkt gehen, gar nicht im Hinterkopf haben, all diese Waren sind über den Schiffsweg gekommen und dafür haben eine Menge Seeleute gearbeitet, damit diese ganzen Waren bei uns im Regal liegen. Wenn man sich heute einen Supermarkt anguckt und alle die Waren rausnehmen würden, die nicht mit dem Schiff gekommen wären, dann wäre da fast nichts mehr drin. Wie kommt es eigentlich, dass die Sichtbarkeit der Seeleute überhaupt nicht gegeben ist bei ganz, ganz vielen Menschen, die jeden Tag einkaufen gehen? Habt ihr da eine Idee?
Tina
00:27:01
Also ich glaube, es gibt ja auch so ein Begriff Sea-Blindness. Ich glaube, Schiffe werden tendenziell immer als technische Geräte wahrgenommen und die Seeleute sind da kaum im Blick. Also man sieht ja eigentlich wenig, wenn man so ein Schiff sieht, da denkt man immer an technische Dinge und wenig an die Menschen, die da drauf arbeiten. Und ich glaube, hier in Hamburg ist das schon anders. Also ich meine, hier kann man sogar im Freiwald liegen und Containerschiffe angucken. Deswegen ist, glaube ich, hier schon ein anderes Bewusstsein da. Und das merken wir auch, dass viele Leute uns schon kennen oder auch einen Bezug zur Seefahrt haben. Wenn man jetzt in einem anderen Ort wohnt, in Süddeutschland oder so, wo das Meer ganz weit weg ist, sieht man die Schiffe ja auch gar nicht. Und den Großteil der Zeit verbringen die Schiffe ja auch auf den Weltmeeren, wo einfach sie keiner sieht. Also deswegen ist es, glaube ich, auch ein bisschen logisch, dass viele das gar nicht so im Blick haben und wir sind dann eben froh, wenn, wir den Raum kriegen, um das darstellen zu können.
Kristin
00:27:58
Genau, und die wenigsten wissen tatsächlich auch in Hamburg, sie wissen von diesen Arbeitsbedingungen der Seeleute nichts. Also sie wissen tatsächlich nicht, unter welchen Bedingungen die Menschen auf den Schiffen arbeiten. Und da kommt immer das große Aha und das Oho. Und dann sind sie ganz überrascht, wenn darüber gesprochen wird, wie viele Stunden diese Menschen im Monat arbeiten müssen, wie viele Überstunden sie machen, wie das Schichtsystem funktioniert, dass sie so wenig Schlaf bekommen und so weiter und so fort. Und das ist eben auch vielen in Hamburg nicht bewusst, dass die Arbeitsbedingungen auf dem Schiff ganz anders sind als an Land.
Tina
00:28:36
Ja, und ein wichtiger Punkt ist ja auch, Leben und Arbeiten finden an einem Ort statt. Also wir können ja immer nach Hause gehen, wenn wir irgendwie dann Feierabend haben und an einem anderen Ort sein und uns da entspannen. Und das ist eben alles immer zusammen. Also man arbeitet am selben Ort, Und man hat dieselben Leute um sich. Das sind Kollegen und dann zugleich diejenigen, mit denen man neun Monate an Bord verbringt. Also man ist mit seinem Chef die ganze Zeit in einem kleinen Mikrokosmos und so weiter. Das sind ja auch Sachen, die sonst dazu führen, dass man sich von seinem Beruf abgrenzen kann und wieder zur Entspannung finden kann. Aber das ist ja eben auch nicht gegeben.
Britta
00:29:14
Und du hast es eben nochmal erwähnt, neun bis elf Monate, hatte ja auch Kristin vorhin gesagt, an einem Stück zu arbeiten. Ich frage mich manchmal, wie man das aushalten kann, neun bis elf Monate so eine Arbeit zu machen, die ja jeden Tag Montag ist. Könnt ihr da mal ein bisschen Hintergrund zu erzählen aus eurem? Aus eurem Alltag, aus dem Seemanns-Club?
Tina
00:29:35
Ja, ich glaube, viele Seeleute sind auch stolz auf ihren Beruf. Also es ist nicht so, dass die jetzt, dass sie wollen, dass man Mitleid mit ihnen hat oder so, sondern das sind oft stolze Männer und Frauen, die da irgendwie, wissen sie, tragen halt einen sehr großen Teil auch zur Finanzierung ihrer Familie zu Hause bei. Und zwar nicht nur ihrer Kleinfamilie, sondern eben auch, es haben oft viele Leute zusammengelegt, damit die Person auf die Seefahrtschule gehen kann und diese Ausbildung machen kann. Und das ist mit viel Renommee auch verbunden. Und auch wenn die Gehälter klein sind für das, was geleistet wird, können damit oft eben, viele Familienmitglieder finanziert werden und in Krisensituationen können die, ihre Verwandten unterstützen und so weiter. Also das ist schon auch was, woraus, glaube ich, sehr viel Stolz dann auch entsteht.
Britta
00:30:21
Ja, absolut, verstehe ich. Wolltest du noch was sagen, Kristin?
Kristin
00:30:24
Nein, ich wollte genau das auch sagen, was Tina gesagt hat. Und ja, genau, es ist eben möglich, mit diesem Geld, was für uns bei Verhältnissen relativ niedrig ist, in den Philippinen zum Beispiel noch ein zweites Unternehmen aufzubauen oder eben neue Häuser zu bauen. Und dafür lohnt es sich dann eben schon, auf sich diesen Arbeitsweg zu wählen. Und in den Ländern, in afrikanischen Ländern oder wo auch immer die Leute herkommen, da kann mit diesem Geld halt auch relativ viel gewuppt werden. Und dann hat man eben auch ein gewisses Prestige und es ist halt ein gewisses Ansehen. Und deswegen ist der Seemann an sich mit seiner Situation gar nicht so unzufrieden, wie wir das manchmal denken und macht seinen Job total gerne auch.
Britta
00:31:08
Gibt es für euch einen unvergesslichen Moment aus eurem Leben im Duckdalben?
Kristin
00:31:14
Ich habe eine schöne Sache jetzt schon erlebt in den anderthalb Jahren, die ich dabei bin. Und zwar durfte ich die Silvesterschicht machen. Und ich wusste tatsächlich nicht, was auf mich zukommt, aber Silvester ist wirklich Eine der Schichten, die mit am meisten Spaß macht, neben all den Weihnachtsschichten vielleicht. Wir haben eine Waldjahresandacht gemacht zu Silvester und hatten relativ wenig Leute, sagen wir mal so 20, 30 Leute im Club, die dann aber auch tatsächlich eben den ganzen Abend geblieben sind und mit uns den Silvesterabend verbracht haben. Sie waren unglaublich dankbar und happy auch, dass sie das mit uns verbringen konnten, dass sie nicht auf dem Schiff sein mussten, dass sie das mit echten Menschen zusammen feiern konnten. Und es war eine ganz witzige Mischung aus Dänen, Grönländern, Koreanern, Philippinos und Ukrainern. Und wir hatten noch eine alte Kiste Tischfeuerwerke bei uns, die wir gerne aufbrauchen wollten. Und dann haben wir diese große Kiste mit den Tischfeuerwerken in den Clubraum gestellt und haben gesagt, hier, macht euch euren Spaß. Und dann haben sie wirklich diese riesengroße Kiste an Tischfeuerwerken verfeuert und hatten so einen mächtigen Spaß dabei. Also die kleine Jungs, das war richtig, richtig schön. Und zusammen dann um zwölf das Feuerwerk zu machen im Hafen, Wir waren da ja wirklich isoliert und haben von dem großen Feuerwerk in der Stadt nicht viel mitbekommen und haben dann unser eigenes Feuerwerk gemacht. Und die Dankbarkeit und das Glück in den Augen der Seeleute zu sehen, das gibt unglaublich viel zurück. Das ist auch das Schöne an unserer Arbeit, dass wir immer wieder diese Dankbarkeit der Seeleute erfahren dürfen und das eben dann uns auch stärkt und bestärkt, eben auch weiterzumachen.
Britta
00:33:12
Ja, danke, Kristin, dass du so eine schöne Geschichte erzählt hast. Tina, hast du auch eine Begegnung, an die du dich sehr gerne erinnerst? Oder ein unvergesslicher Moment?
Tina
00:33:24
Genau. Also die Feste sind auch immer was Besonderes im Club. Das finde ich auf jeden Fall. Ich habe jetzt eine Situation ausgewählt, die nochmal einen anderen Aspekt beleuchtet. Also ich hatte, ja es ist schon vielleicht anderthalb Jahre her, da war ein sehr junger Seemann bei mir und wollte Geld überweisen und hatte aber so ganz viele kleine Scheine. Und dann, wenn viele kleine Scheine da sind, dann weiß man schon, okay, da wurde wahrscheinlich gesammelt in der Crew und es war dann auch so, ich habe ihn dann gefragt, was ist denn los und gibt es einen Notfall zu Hause oder wie ist das? Und dann meinte er, ja, mein Bruder ist leider verstorben. Und die ganze Crew hat er halt zusammengelegt, um ein bisschen was für die Beerdigung zu geben. Und das wollte er jetzt halt nach Hause schicken. Und genau, dann sind wir eben ins Gespräch gekommen. Er hat dann nochmal ganz viel erzählt, Fotos von seinem Bruder gezeigt und wir haben dann auch zusammen eine Kerze angezündet und zusammen gebetet und, konnten eben auch ein bisschen eine kleine Einzelspende noch dazugeben vom Club aus, weil, diese Beerdigungen dann ja auch teuer sind und er gar nicht so viel verdient hat. Und genau, wir haben dann auch darüber geredet. Er hat dann gesagt, ja, mein Kapitän hat auch gesagt, ich kann nach Hause fahren. Das war eben ein sehr verständnisvoller Kapitän und auch eine Reederei, die das unterstützt hätte. Und dann hat er aber gesagt, ich weiß aber gar nicht, ob ich das machen kann. Weil ich muss ja jetzt neben meiner Familie auch noch die Familie von meinem Bruder ernähren. Und im Endeffekt hat er sich dann tatsächlich entschieden, nicht nach Hause zu fliegen, sondern weiterzuarbeiten, weil er halt das Geld gebraucht hat. Und das, finde ich, beschreibt nochmal diese prekäre Lebenssituation und diese Verbindung zu der Familie eben auch. Und ja, da musste eben in kurzer Zeit, dann haben wir dann versucht, mit dieser Trauer eben ein bisschen umzugehen. Am nächsten Morgen ist dann nochmal einer von unseren philippinischen Seelsorgern an Bord gegangen und hat nochmal mit ihm einfach das religiös, er hat ihn religiös dann nochmal begleitet. Ja, und das sind eben auch Situationen, die sind jetzt nicht, das sind jetzt keine Freudenmomente, aber eben auch sehr innige Momente, die man dann teilt mit den Seeleuten.
Britta
00:35:40
Tina, danke, dass du diesen unvergesslichen Moment mit uns geteilt hast und auch vielen Dank an all die Menschen im Duckdalben, die dann in dem Moment da sind und Kraft geben und helfen. Das ist doch auch total schön, dass es euch dann gibt. Mich berühren solche Geschichten sehr. Ja, jetzt fällt mir der Übergang ein bisschen schwer. Jetzt natürlich die nächste anschließende Frage. Wie kann man denn helfen beim Duckdalben? Natürlich spenden, würde ich mal sagen. Wir haben ja gerade gehört, Geld könnt ihr auf jeden Fall gebrauchen. Was kann man denn noch machen?
Kristin
00:36:13
Spenden, ja. Geld spenden ist immer gern gesehen. Ihr könnt aber auch, oder ja, ihr könnt Mitglied werden.
Britta
00:36:20
Ja, ich bin auch Mitglied übrigens. Und natürlich den Link, wie man Mitglied werden kann, gibt es in den Show Notes.
Kristin
00:36:26
Ihr könnt den Duckdalben bewerben, ihr könnt Mundpropaganda machen für uns. Das ist total wichtig, dass wir einfach immer noch bekannter werden und dass einfach auch die Situation der Seeleute noch mehr publik wird. Und das ist unglaublich wichtig, das ist für unsere Arbeit unglaublich wichtig. Britta: Sachspenden
Britta
00:36:47
nehmt ihr ja keine an, aber hast du noch einen anderen Tipp?
Tina
00:36:50
Ja, wir haben eben auch keine Möglichkeit, irgendwie Kleidung oder sowas nochmal aufzuarbeiten. Und deswegen kriegen wir dann oft von Hanseatic Help oder der Hafen hilft Sachspenden und die sind dann eben auf uns genau abgestimmt und so weiter. Das ist toll. Also wo man noch mitmachen kann als Hamburger und Hamburgerin oder auch von überall aus Deutschland ist unsere Aktion Container in a Box. Da gibt es ja ganz viele Leute mittlerweile, die auch schon über Jahre und zu Weihnachten immer kleine Pakete für die Seeleute packen. Also die packen dann da vielleicht eine Mütze rein, ein bisschen was Süßes, eine nette Karte, vielleicht ein Spiel oder irgendwas, was die Seeleute, womit die sich beschäftigen können. Und packen das schön ein und dann gehen wir an Weihnachten ja auch los und verteilen diese Geschenke an Bord. Oder in den Tagen danach, wenn dann Seeleute kommen. Und das ist was total Wunderbares, weil die Seeleute dann einfach sehen, okay, hier hat wirklich jemand was für mich persönlich vorbereitet und verpackt. Und ich bin zwar weit weg von zu Hause, aber hier ist jemand, der mir ein Weihnachtsgeschenk gibt. Also das ist genau, da werden wir dann wieder zu aufrufen ungefähr ab dem Herbst. Und dann können die Geschenke wieder bei uns abgegeben werden.
Kristin
00:38:00
Genau. Und noch eine ganz wichtige Unterstützung, die wir auch immer gut gebrauchen können für alle Hamburger und Menschen aus dem Hamburger Umland. Wer zu viel Freizeit hat und sich sinnvoll betätigen will, der kann sich natürlich auch gerne bei uns als Ehrenamtliche oder Ehrenamtliche bewerben und dann sozusagen uns in Form des Ehrenamts der Freiwilligenunterstützung supporten.
Britta
00:38:23
Muss ich dafür irgendetwas Bestimmtes können?
Kristin
00:38:26
Es wäre ganz gut, wenn man einen Führerschein hat. Das ist auch nicht das Problem, wenn der Führerschein nicht da ist. Bei uns gibt es genug Aufgaben, die wir sozusagen auch an Freiwillige vergeben können. Aber die meisten Freiwilligen sind tatsächlich auch diejenigen, die dann eben die Seeleute shutteln. Vom Schiff zum Club und vom Club zum Schiff zurück. Und wichtig ist uns, für alle, die ehrenamtlich bei uns tätig werden wollen, dass sie die Haltung mitbringen, dass sie sich klar sind, in welcher Umgebung sie arbeiten. Und das bedeutet nicht nur, dass wir eine soziale Einrichtung sind, die mit einer Gruppe arbeiten, die andere Religionen, andere Kulturen mitbringen und vielleicht andere Sichtweisen, sondern das bedeutet eben auch, dass die Leute sich bewusst sind, dass wir im Hafen arbeiten. Das muss klar sein, das muss den Menschen bewusst sein und das erfordert auch ein gewisses Handeln und eine gewisse Positionierung, da wir, eine sehr bekannte Einrichtung sind, die von ihrem guten Ruf im Hafen und in der Stadt Hamburg eben auch lebt.
Britta
00:39:32
Den Link natürlich vom Duckdalben mit Kontaktdaten findest du natürlich in den Shownotes. 40 Jahre sind geschafft. Das ist ja wirklich ein tolles Jubiläum. Was wünscht ihr euch denn für die nächsten Jahre im Duckalben? Und wie feiert ihr dieses Jubiläum eigentlich heute?
Kristin
00:39:49
Wir feiern das mit einem schönen Geburtstagsparty, mit Gottesdienst, mit einem großen Buffet, mit ein bisschen Musik, mit ganz, ganz, ganz vielen Gästen. Es kommt unter anderem Frau Leonhard, es kommt der Bischof aus dem Sprengel in Mecklenburg-Vorpommern, Es kommt die Pröbstin aus Harburg. Es kommen ganz, ganz viele Gäste, die uns wirklich verbunden sind aus anderen Stationen von der DSM. Viele Ehemalige, viele Ehrenamtliche, die uns schon seit Jahren unterstützen. Und ja, es wird sicherlich ein hoffentlich schönes Sommerfest. Genau, wir wünschen uns einfach, dass der Duckdalben noch weitere 40 Jahre mindestens besteht. Dass wir weiterhin auch finanziell gut abgesichert sind, dass wir unsere Arbeit machen können, dass das politisch auch gesehen wird, wie wertvoll unsere Arbeit ist und wie systemrelevant unsere Arbeit eben auch ist. Genau, Tina.
Tina
00:40:49
Ja, und die Seeleute feiern natürlich auch mit. Also das ist uns ganz wichtig, dass das sozusagen ein Fest mit allen zusammen wird. Ja, ich glaube, sonst in der Sozialarbeit wünscht man sich ja immer, dass man seine Arbeit irgendwann abschaffen kann. Ich glaube, diese Zentren, diese Seemannszentren und Seemannsclubs, die wird es immer brauchen, weil das sozusagen so eine ganz besondere Zielgruppe ist, die ja eigentlich auch gar nicht jetzt, ja, wir haben das ja vorhin schon besprochen, Die, brauchen keine Existenzsicherung oder diese ganzen Sachen, sondern das geht ja darum, die Bedingungen in der Seefahrt selber zu verbessern. Und trotzdem wird es immer den Wunsch geben, einen Ort zu haben im Hafen, wo man sich treffen kann und wo jemand für einen da ist, für diese kurze Zeit, die man einfach weg von zu Hause ist. Und da wird es immer Leute brauchen, die zusammen mit den Seeleuten eben Zeit verbringen und für sie da sind. Und ja, wir wünschen uns, dass wir das weiter machen können, noch viele Jahre.
Britta
00:41:49
Wünsche ich mir auch, dass es noch weiterhin mindestens 40 Jahre diesen Duckdalben geben wird. Ich würde sagen an dieser Stelle, das war ein superschönes Schlusswort. Ich wünsche euch und allen Gästen vom Duckdalben natürlich schönes Wetter, eine superschöne Party und bedanke mich ganz, ganz herzlich für dieses tolle Podcast-Gespräch mit euch beiden. Vielen, vielen Dank.
Tina
00:42:10
Ja, du kommst hoffentlich auch zum Jubiläum.
Britta
00:42:12
Ja, ich bin ja auch Mitglied beim Duckdalben und habe mich angemeldet, dass ich heute auch einen Kuchen mitbringen werde.
Kristin
00:42:19
Sehr gut. Ja, vielen Dank auch dir, Britta, für dein Interesse und ja, den schönen Austausch.
Britta
00:42:27
Ja, sehr gerne.
Tina
00:42:29
Bis später. Ja, tschüss. Wie schön, dass du immer noch zuhörst. Ich freue mich sehr darüber. Im Podcast hast du gehört Tina Tammena und Kristin Garrn-Eckhoff vom Duckdalben, Sozialarbeiterinnen. Ich hoffe, dieser Podcast war interessant für dich. Ich wünsche dir heute einen superschönen Tag und freue mich, wenn du nächstes Mal wieder dabei bist. Bis dahin. Tschüss.

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