#094 - HSEQ Officer mit einem Mental Health First Aider Konzept
Fanny Löwenstrom, HSEQ Officer bei der FAIRPLAY TOWAGE GROUP
23.08.2025 33 min
Zusammenfassung & Show Notes
Fanny Löwenstrom, HSEQ Officer bei der FAIRPLAY TOWAGE GROUP, ist in dieser Folge zu Gast. Aufgewachsen im Ländle, zog sie nach Hamburg, ohne zu ahnen, wohin ihre berufliche Reise sie führen würde. Heute verbindet sie Verantwortung im maritimen Arbeitsumfeld mit gesellschaftlichem Engagement.
Ihr Weg begann bei der Bundeswehr, wo ein prägender Auslandseinsatz sie nachhaltig beeinflusste. Anschließend studierte sie Soziale Arbeit. Ihr Studium finanzierte sie mit einem Teilzeit-Job als Festmacherin im Hafen, eine Erfahrung, die ihr Fundament für die maritime Branche bereicherte.
In ihrer aktuellen Position bei der FAIRPLAY TOWAGE GROUP kümmert sich Fanny Löwenstrom nicht nur um Sicherheit, Qualität und Umwelt, sondern setzt sich auch für mentale Gesundheit ein. Mit der Einführung des Programms Mental Health First Aider sorgt sie dafür, dass Kolleginnen und Kollegen zu Ersthelfer*innen für psychische Gesundheit ausgebildet werden – ein besonders wichtiges Thema für Menschen, die in der Seefahrt arbeiten. Worum es dabei genau geht, erfährst du hier!
Eine Folge über Mut, Verantwortung und darüber, wie sich eine Karriere in der maritimen Welt mit gesellschaftlichem Engagement verbinden lässt.
FAIRPLAY TOWAGE GROUP
Hamburger Elbinsel Tour - Maike Brunk
Hamburg Hafen Live - Schlepper in Action
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Inspiring Girls
Moin Seekind - Buch von Christiane Carstens
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#strong connection
Transkript
Music.
Oder wie auch immer, da kann man ein Pflaster drauf machen. Wenn man sich das
Bein gebrochen hat, bekommt man Gips.
Mentale Gesundheit, vor allem wenn man zur See fährt und lange isoliert ist,
auf engem Raum mit anderen Menschen lebt, kann sich ja ganz anders äußern.
Und wir hatten eben...
Music.
Moin und hallo, herzlich willkommen zur heutigen Folge in Britas Hafen Podcast.
Wie schön, dass du dabei bist. Ich bin Britta.
Heute ist Fanny Löwenstrom mein Gast. Ich bin schon lange ein Fan von Fanny,
denn ich habe vor Jahren eine Podcast-Folge von Maike gehört.
Da war Fanny zu Gast. Maike Brunk, die Hafenschnackerin mit der Elbinsel-Tour.
Sie hat bereits 2021 mit Fanny eine Podcast-Folge aufgenommen.
An dieser Stelle ganz, ganz liebe Grüße an Maike. Ich liebe nämlich ihre Elbinsel-Hafentouren.
So, zurück 2021, als der Podcast mit Maike entstand.
Da war Fanny Festmacherin im Hamburger Hafen. In der Zwischenzeit hat Fanny einen neuen Job.
Fanny arbeitet als HSEQ-Officer. Was das genau ist, erfahren wir heute bei der Fairplay Towage Group.
Über ihren Karriereweg und alles, was drumherum passiert ist,
da sprechen wir gleich ganz ausführlich.
Ja, und vor kurzem habe ich Fanny persönlich kennengelernt und ich freue mich
so sehr, dass Fanny mir heute gegenüber sitzt. Hallo Fanny.
Hallo Britta, danke, dass ich heute da sein darf.
Ja, wunderbar. Also vielen Dank nochmal und magst du dich ein bisschen selber vorstellen? Gerne.
Also wie du schon gesagt hast, mein Name ist Fanny Löwenstrom.
Ich bin 30 Jahre alt, wohne jetzt seit sechseinhalb Jahren hier in Hamburg,
komme gebürtig aus dem Ländle, aus der Nähe von Stuttgart,
Und arbeite, wie du auch gesagt hast, als HSEQ-Officer bei der Fair Play Towage Group.
Und ja, ich habe einen sehr, sehr witzigen Weg oder interessanten Weg,
wie ich eigentlich selber fast schon finde, in die maritime Welt.
Weil das war eigentlich nie mein Plan.
Also ich habe nie geplant, wirklich mal in der Schifffahrt zu landen.
Das ist so ein bisschen das Interessante an der ganzen Geschichte.
Ach, und woher kommt dann jetzt dein Faible? Womit hat das angefangen?
Dein Faible für die maritime Branche?
Ich glaube tatsächlich mit der Bundeswehr.
Also ich bin ja 2016 mit fast 21 als Freiwillig-Wehrdienstleistende zur Bundeswehr
gegangen, weil ich nach dem Abitur nicht wusste, was ich tun soll.
Also ich hatte mal Ideen, dass ich Psychologie studiere, dass ich Sportwissenschaften studiere.
Also ich glaube, ich habe mir alles Mögliche irgendwie in den Kopf gesetzt,
aber da war nie was mit Schiffen dabei.
Und ich habe dann, bevor ich eben als freiwillige Wehrdienstleistende zur Bundeswehr
gegangen bin, habe ich so einen, manchmal kommen so Rundbriefe von der Bundeswehr.
Also das schicken die ja so random raus an, ich glaube, Leute, die 18 werden.
Ich weiß nicht genau, wie das funktioniert, aber auf jeden Fall versuchen die
ja auch, Werbung für sich zu machen, um eben neue Leute zu bekommen.
Und als ich dann eben 18 war, habe ich den Brief bekommen und mein Papa hat
damals zu mir gesagt, hörst dir mal an, es gibt auf jeden Fall schlimmere Arbeitgeber.
Also Bundeswehr, da hat man Perspektive, man kann studieren,
man kann eine Ausbildung machen, es gibt Möglichkeiten.
Und dadurch, dass ich sowieso nicht wusste, was ich tun soll,
habe ich dann da einen Termin vereinbart zur Beratung quasi, das bieten die ja an.
Und habe mir da erst mal erzählen lassen, wie das ist, da zu studieren.
Und dann kamen die da eben mit 13 bis 17 Jahre Verpflichtung,
also schon eine sehr lange Zeit.
Und da sind meine Augen auch schon sehr groß geworden. Aber dann meinten die
zu mir, mach doch erst mal einen freiwilligen Wehrdienst.
Das kannst du bis zu 24 Monate machen.
Und du hast die Möglichkeit, jederzeit zu kündigen, wenn das nichts für dich ist.
Und ja, und dann habe ich mich da beworben, bin zur Musterung und habe gesagt,
wenn ich irgendwie zur Bundeswehr gehe, dann gerne zur Marine.
Und zu dem Zeitpunkt war es wirklich noch so, man konnte es sich als Frau,
sage ich jetzt mal, aussuchen, weil eben auch wenige Frauen zu dem Zeitpunkt
immer noch zur Bundeswehr gegangen sind. Ich weiß nicht, wie es in der Zwischenzeit aussieht.
Ja, und dann haben die gesagt, ja, kannst zur Marine gehen. Dann kommst du erst mal nach Stralsund.
Da war meine Grundausbildungszeit sechs Monate. Und dann bin ich von da aus
nach Wilhelmshaven auf die Fregatte Mecklenburg-Vorpommern gekommen.
Und ich hatte tatsächlich auch die Möglichkeit, in einen Einsatz zu fahren.
Also ich bin mit 21, da war ich dann 21, den Einsatz Sophia mitgefahren.
Das ist der Flüchtlingshilfeneinsatz.
Also wir waren viereinhalb, fünf Monate, waren wir im Mittelmeer und haben unter
anderem Flüchtlinge gerettet.
Boah, ich bin so beeindruckt von dir.
Bekommt man da eine Vorbereitung auf so einen Einsatz? Das ist ja schon auch
psychisch sehr, sehr anstrengend.
Also wir haben da, ich glaube der Schiffsarzt war es damals und eben diverse,
die eine vorgesetzten Funktion hatten, haben uns eben aufgeklärt,
was uns erwarten kann in der Zeit vor Ort.
Also was wir sehen können, was für Menschen wir sehen können,
wie in was für einem Zustand die Menschen sein können, was wir da eben erleben.
Aber ich habe das ja, man hat es ja im Fernseher, man hat es im Radio,
man hat es ja überall mitbekommen zu der Zeit, weil 2015, 2016 war ja so die,
wie nennt man das, ich glaube Hochzeit, wo wir ja sehr viele Flüchtlinge retten
konnten oder eben Flüchtlingsaufnahmen hatten im Mittelmeer.
Aber all das, was man aus den Nachrichten, sozialen Netzwerken oder eben durch
diese Vorbereitung erzählt bekommen hat, ist nicht damit zu vergleichen,
was man vor Ort erlebt hat.
Also ich sage immer noch, das, was ich da erlebt habe, das hat mich zu dem Menschen
gemacht, der ich heute bin.
Und da bin ich erwachsen geworden, weil einfach so dieses Ganze,
diese ganze Werte, Normen, Vorstellung vom Leben,
nach was man lebt, was einem wichtig ist, das hat sich bei mir zumindest drastisch verändert.
Weil man eben gemerkt hat, so ja, jeder Mensch hat Probleme,
auf jeden Fall. Jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen.
Aber ich erinnere mich an einen Moment, da habe ich zu Hause angerufen,
mit meinem Papa gesprochen und habe gesagt, ich werde mich nie wieder so über
meine Probleme beschweren, Wie ich es bis dahin gemacht habe,
weil ich eben Menschen erlebt habe,
die an ihrem Existenzminimum angekommen sind, also die nicht mehr auf so einer
Lebensgrundlage leben konnten wie ich oder wir eben die Besatzung der Fregatte
Mecklenburg-Vorpommern oder Menschen, die halt sonst wo auf der Welt leben.
Und das wiederum hat zum einen dazu geführt, dass ich eben diesen Maritim-Fable
bekommen habe, weil zu Seefahren macht Spaß,
also unabhängig jetzt von dem Einsatz, aber einfach dieses alles drumherum,
wie ein Schiff funktioniert, wie die Leute funktionieren,
wie man eben so ein riesen schweres Schiff durch Meer und Wetter und wie auch
immer befördern kann. Das ist der absolute Wahnsinn.
Und aber wiederum der Einsatz hat dazu geführt, dass ich ja soziale Arbeit studiert habe.
Also alles hat so mit der Bundeswehr und diesem Einsatz angefangen tatsächlich.
Also so schließt sich praktisch irgendwann der Kreis. Genau,
der schließt sich da irgendwo.
Ja, wunderbar. Gut, jetzt haben wir herausbekommen, woher auch dein maritimer Fable kommt.
Deine nächste Station war aber dann Festmacher. Also das ist ja nochmal körperlich anstrengend.
Warum sucht man sich genau diesen Job aus?
Also ich bin ja 2019 nach Hamburg gezogen.
Und ich hatte eben meinen Studienplatz und ich habe einen Job gebraucht.
Weil man muss ja auch mit irgendwas Geld verdienen, um sich eine Wohnung oder
WG oder sonst was leisten zu können.
Ach so, also Festmacher warst du zu deinem Studium.
Ja, das war mein Nebenjob. Ja, also ich habe da in Teilzeit tatsächlich als
Nebenjob gearbeitet und ich bin durch einen ehemaligen Kameraden,
den ich noch von der Bundeswehr kannte, bin ich an den Job gekommen,
weil, also ich hatte vorher, war mir der Begriff, der Beruf Festmacher,
weil das kennt man in Süddeutschland nicht, da gibt es sowas nicht,
war mir halt kein Begriff.
Und er meinte, ja klar, ich meine, du hast das Ganze ja von der Schiffsseite
schon gemacht, also sollte auch kein Problem, das von der Landseite aus zu machen.
Und dann haben die mich zum Probearbeiten eingeladen, weil ja wahrscheinlich
geguckt werden sollte, habe ich genug Kraft, weiß ich, was ich zu tun habe mit Leinen und so weiter.
Und dann haben die gesagt, ja, funktioniert. Also ich bin damals mit einem der
älteren Festmacher tatsächlich ein, zwei Tage durch den Hafen gefahren.
Und der hat dann gesagt, nö, die kann das, die ist kernig. Genau, kernig hat er gesagt.
Genau, ja. Und dann habe ich da angefangen zu arbeiten und habe da während des
Studiums, also mit Nachtschichten und Tagschichten, alles drum und dran,
habe ich da einen Teilzeitjob gehabt und nebenher studiert.
Und das Studium auch noch abgeschlossen. Das habe ich auch noch abgeschlossen, ja.
Also gratuliere. Das ist ja wunderbar. Ich kann immer nur sagen,
wow, funny ist einfach nur wow.
Das mit dem Studium ist aber hochinteressant. Wie war denn da das Thema,
mit dem du dann nachher dein Studium da abgeschlossen hast?
Meine Bachelorarbeit über den Bildungsweg von, sagen wir mal,
Kindern, die aus einem sehr privilegierten, also finanzielle Mittel sind vorhanden,
wie auch immer, Haushalt kommen und eben Kinder, die aus typischen,
also viele würden es als Arbeiterklasse, wie auch immer, sehen,
also ob die im Endeffekt die gleichen Bildungschancen haben.
Darüber habe ich meine Bachelorarbeit geschrieben. Ah. Ja.
Und was ist rausgekommen? Ich habe ja auf Grundlage von Literatur geschrieben
und das, was wir in den letzten Jahren da eben herausgefunden haben,
ist ganz klar, dass natürlich,
wenn jemand finanzielle Ressourcen hat, mehr Möglichkeiten hat und dementsprechend...
Anders, besser, schneller an ein gewisses Bildungsziel kommen kann, sagen wir es mal so.
Wie ging es dann nach deinem Studium weiter?
Also nach meinem Studium bin ich dann von der Einsatzplanung der Festmacher
zu der Einsatzplanung Fairplay gewechselt.
Also ich habe mich da während meiner Bachelorarbeit noch beworben und bin dann
zu Fairplay rübergegangen. Genau, so war das.
Weil du so ein großer Schlepper-Fan bist?
Ich wollte aus dem, also die Festmacher haben ein Schichtsystem,
das ist 7-7, also sieben Tage arbeiten, sieben Tage frei mit zwölf Stunden Schichten.
Und es gibt Menschen, die kommen damit wunderbar klar, ich nicht.
Genau, und bei Fairplay war es so, dass man zu meiner Zeit drei,
vier Tage am Stück gearbeitet hat und dann immer so zwei, drei Tage, je nachdem, frei hatte.
Aber ja auch im Schichtdienst. Auch im Schichtdienst, aber halt anders.
Also das Schichtsystem war für mich auf jeden Fall angenehmer.
Als so viele Tage hintereinander, ja.
Sieben Tage war schon doll, vor allem sieben Tage Nachtschicht,
das muss ich nicht nochmal haben.
Jetzt mal ganz konkret zur Einsatzplanung. Das stelle ich mir ja richtig spannend vor.
Wann weiß man da genau, welches Schiff, wie viele Schlepper brauchen?
Also es gibt ja Regeln im Hamburger Hafen. Jeder Hafen hat so sein eigenes Regelwerk, sage ich mal.
Und in Hamburg ist es so, dass Containerschiffe ab 300 Metern...
Bis zu, ist auch Wetterlage abhängig, vier oder fünf Schlepper hast du ja bestimmt
schon mal gesehen bei schlechtem Wetter, ne?
So, es gibt Schiffe, jetzt reden wir mal von einem 400 Meter Schiff,
das braucht grundsätzlich immer drei Schlepper, auf jeden Fall drei.
Und das fängt damit an, wir wissen, so ein 400 Meter Schiff braucht ja einen
sogenannten Escort Schlepper, der dann quasi anspannen muss,
weil der dient zur Bremse.
Weil die haben ja schon ordentlich Fahrt, auch Fahrt durchs Wasser,
die 400 Meter Schiffe. Die können nicht so einfach bremsen.
Klar, sie fangen irgendwann an, Geschwindigkeit rauszunehmen.
Aber das ist einfach ein Sicherheitsaspekt, dass dieser Schlepperacht dann vom
Schiff angespannt wird und dann als Bremse dient.
Wie früh weiß man denn eigentlich, dass man gleich ein Schiff mit der und der
Größe mit Schleppern versorgen muss?
Wann melden die sich denn eigentlich? Das funktioniert eigentlich,
das ist so simpel, macht auch Sinn, wenn ich es gleich erkläre.
Die melden sich gar nicht direkt bei uns, sondern Schiffe melden sich ja in
der Revierzentrale in Cuxhaven, weil die schwimmen da ja irgendwo Elbe 1,
davor schwimmen ja ganz viele Schiffe rum.
Und dadurch, dass ja auf der Elbe so wenig Platz ist, muss ja geplant werden,
welches Schiff wann die Elbe runter oder hoch fahren darf.
Hat ja auch was mit Hochwasser, Niedrigwasser zu tun, weil so große Containerschiffe
können ja zum Beispiel in Hamburg nur bei Hochwasser kommen.
Und also wir bekommen dann meistens von dem Räder, also von dem Schiffsmakler,
bekommen wir ja eine Anmeldung, wann Schiffe kommen.
Wir arbeiten mit der Nautischen Zentrale zusammen. Wir haben,
es gibt ja noch die NTK, das ist ja der private Dienstleister,
der ja auch mit der Nautischen Zentrale zusammenarbeitet.
Und wir sind da quasi wie so ein Netzwerk.
Also wir erhalten unsere Informationen von diversen Schiffsmeldediensten.
Von denen bekommen wir Informationen und dann gibt es aber diverse Webseiten
von den Schiffsmaklern. Also Frachtkontor Junge hat eine eigene Seite,
wo man dann die Schiffe quasi verfolgen kann, wann die ungefähr geplant sind.
Und damit haben wir quasi unsere eigene Planung gemacht.
Also wir haben zu meiner Zeit noch Excel-Listen richtig geführt mit einmal die
Excel-Liste für die nächsten 24 bis 48 Stunden.
Weil das war so, dass, ja, da wusste man, die Schiffe kommen,
die Schiffe werden nicht kommen, weil Planung im Hamburger Hafen, das ist sehr schwierig.
Ändert sich alles ständig. Ändert
sich alles ständig aufgrund von Wetter oder man weiß nie, was kommt.
Also das macht den Job ja auch irgendwie so interessant.
Genau. Und wenn wir die Anmeldung dann haben, so 24 Stunden vorher,
wissen wir aber immer, wann die Schiffe auf jeden Fall.
Also es gibt immer so einen gewissen Zeitraum. Da weiß dann der jeweilige Einsatzplaner,
okay, wir müssen das Schiff für morgen um die und die Uhrzeit ungefähr planen.
Weil wir haben ja nicht unendlich viele Schlepper. Also wir müssen da ja auch
wirklich gucken, haben wir genug Schlepper für einen gewissen Zeitraum?
Und da kommt das sogenannte Elf-Uhr-Meeting nämlich ins Spiel.
Es gibt ein 11 Uhr Meeting über Teams, wo die Schlepper, also Fairplay als auch
das andere Schleppunternehmen im Hamburger Hafen, Boluda, die Festmacher,
die Antica, die nautische Zentrale als auch die Lotsen mit drin sind.
Und da tauscht man sich nämlich aus, ob die Dienstleister, genug Schlepper,
genug Festmacher, wie auch immer haben, um eben gewährleisten zu können,
dass die Schiffe bedient werden.
In Folge 75 war Conny Pusin zu Gast.
Er ist der Flottenkapitän bei Fairplay und hat Details über die Schlepperplanung
erzählt. Zum Beispiel geht es in der Folge um den Anlauf eines Spezialfrachtschiffs
aus China mit Containerbrücken, die 80 Meter hoch sind.
Und um die Manöver, die beim Anlauf eines riesigen Flugzeugträgers der britischen
Marine auszuführen sind.
Dabei geht es wirklich um Zentimeter. Und bei dieser Planung spielt die 11 Uhr
Konferenz eine große Rolle.
Wer diese Folge noch nicht gehört hat, unbedingt reinhören.
Wenn die großen Containerschiffe im Hamburger Hafen ins Weitershofer Hafenbecken,
also zum Euro-G-Terminal oder zum Burjardt-Kai-Terminal fahren möchten,
werden sie vorher gedreht auf der Elbe.
Und am Strand kann man sitzen und zugucken.
Ich könnte ja den ganzen Tag da sitzen und nur zugucken, weil ich es so spannend
finde, wie die Schlepper eben immer diese riesigen Schiffe drehen.
Fanny, geht dir das eigentlich genauso? Also ich finde es immer noch selber
faszinierend, wenn ich das sehe oder wenn ich auf meinen Job mitfahre.
Was da für Kräfte, also da wackelt ja alles. Also da vibriert ja auch alles.
Das ist mich auch so beeindruckend. Da gibt es ja bei Hamburg Hafen Live auch ganz tolle Videos.
Ja, da sieht man es am besten. Wo man wirklich zugucken kann,
wie diese Schlepper die Schiffe drehen. Was für eine Power.
Ich bin ja ein totaler Schlepper-Fan, wie man ja weiß.
Deswegen, ich kann diese Videos von Hamburg Hafenlife nur empfehlen,
wo man sich das wirklich anschauen kann, was die leisten.
Genau, da bekommt man auch mal so ein bisschen so ein Verständnis für jemand,
der vielleicht nicht so die Berührungspunkte mit der maritimen Branche hat,
wie überhaupt sowas funktioniert,
dass so ein riesen Eimer wirklich da sicher in den Hafen gebracht werden kann.
Jetzt ist deine neue Aufgabe HSEQ, Health, Safety, Environment and Quality heißt, dafür steht das.
Magst du uns mal erzählen, wie du dazu gekommen bist und was du da eigentlich
genau machst? Also dazu gekommen bin ich, ich wusste immer, Schichtdienst,
das möchte ich nicht für immer machen.
Der Job als Einsatzplaner hat mir immer Spaß gemacht, würde mir jetzt auch immer
noch Spaß machen, aber Schichtdienst und am Wochenende und an Feiertagen arbeiten, nicht so cool.
Und ich wusste aber auch noch nicht so richtig, wo die Reise hingehen soll und letztes Jahr,
Im Februar gab es leider einen ziemlich tragischen Unfall im Hamburger Hafen.
Da ist doch ein Festmacher verstorben, den ich auch sehr gut kannte.
Und da habe ich, also das ist jetzt nicht ausschlaggebend gewesen,
aber das war einer der Gründe, so Arbeitssicherheit und Arbeitsschutzmaßnahmen
auf Schiffen oder grundsätzlich in dieser Welt ist unfassbar wichtig.
Also das ist auf jeden Fall immer erste Priorität, sollte es überall sein.
Und ich wusste, dass bei uns im Unternehmen eben diese Stelle HSEQ-Officer immer
noch offen war, weil wir hatten zu dem Zeitpunkt schon sehr lange gesucht.
Und dann habe ich mich mit meinem jetzigen Vorgesetzten, Bastian,
einfach mal hingesetzt, darüber gesprochen, weil ich gesagt habe, du,
ich versuche gerade einen Weg zu finden, wie es bei mir weitergeht,
HSEQ, was muss ich da eigentlich machen?
Und dann hat er mir das halt einfach erklärt, woraus so die Grundarbeit besteht.
Also das ist grundsätzlich immer um Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz,
Qualitätsmanagement, Umwelt. Es gibt ja diverse Auflagen, die so eine Reederei erfüllen muss.
Wir sind zertifiziert nach gewissen Standards, einfach um auch zu zeigen,
wir legen darauf Wert, dass wir unsere Erde nicht noch mehr kaputter machen,
als sie schon ist, sondern wir versuchen natürlich mit unserer Arbeit jetzt
keinen großen Schaden anzurichten.
Und dann habe ich gesagt, ja okay, pass auf, ich bin zur See gefahren,
ich weiß, wie ein Schiff funktioniert, ich habe bei den Festmachern gearbeitet,
ich weiß, wie der Hafen funktioniert, was offshore passiert,
kann ich lernen. Ich würde es mir zutrauen.
Da musste ich, glaube ich, sogar nochmal so ein richtiges Bewerbungsverfahren
tatsächlich hinter mich bringen.
Und dann habe ich am 15.07.2024 im HSEQ-Departement angefangen.
Gratuliere. Danke. Und dein Studium ist wahrscheinlich da auch ganz gut,
dass du das gemacht hast. Das ist ja perfekt.
Auf jeden Fall. Dabei fällt mir ein, ich habe gelesen, du hast dich auch mit
Mental Health, also mit psychischer Gesundheit beschäftigt.
Das ist ja auch ein ganz wichtiger Teil, gerade bei Menschen,
die mit Seefahrt etwas zu tun haben.
Möchtest du darüber noch ein bisschen was erzählen? Sehr gerne.
Also wir im Unternehmen, wir versuchen ja wirklich präventiv vielen Dingen entgegenzuarbeiten.
Also Arbeitsschutz beschäftigt sich ja nicht nur mit, dass man seinen Helm,
seine Handschuhe, seine Schwimmweste trägt, sondern auch ganz viel mit präventiven
Maßnahmen. Ja, und mentale Gesundheit gehört da auch mit dazu.
Also so wie man im Ernstfall, wenn du dir irgendwie am Handgelenk weh getan
hast, einen Kratzer oder wie auch immer, da kann man ein Pflaster drauf machen.
Wenn man sich das Bein gebrochen hat, bekommt man Gips.
Mentale Gesundheit, vor allem wenn man zu See fährt und lange isoliert ist,
auf engem Raum mit anderen Menschen lebt, kann sich ja ganz anders äußern.
Und wir hatten eben einen Fall und es gab auch schon in der Vergangenheit Fälle,
wo man gemerkt hat, wenn man dann mal merkt, dass es jemandem nicht gut geht,
was machen wir dann eigentlich?
Also wie können wir mit so einer Situation umgehen?
Und das war einer meiner ersten, es war eine Sitzung, die wir hatten,
wo quasi der Betriebsarzt und die Geschäftsführung HSEQ und so weiter zusammensaßen,
wo man ja über diverse Thematiken einfach spricht,
wo wir dann wieder über einen Vorfall gesprochen haben,
über einen Unfall, der tatsächlich vor nicht allzu langer Zeit passiert ist.
Wo ich dann gesagt habe, okay, ich würde mich dem Thema annehmen,
weil ich kenne es aus meinem Studium ein Stück weit.
Es gibt Grundbausteine, die man legen kann und ich kann mich mal damit auseinandersetzen,
was wir als Unternehmen tun können. Dann haben wir uns da mit verschiedenen
Parteien zusammengesetzt.
Die Deutsche Seemannsmission war bei uns, weil da gibt es ja auch schon Leute,
die sich damit schon seit Jahren auseinandersetzen.
Wir haben uns mit der Betriebsärztin hingesetzt.
Wir haben uns mit unter anderem dem damaligen Verunfalten zusammengesetzt,
was er sich denn zum Beispiel gewünscht hätte, wie man als Unternehmen mit sowas umgehen kann.
Und daraus ist dann die Idee entstanden, dass wir sogenannte Mental Health First
Aider, also mentale Ersthelfer, ausbilden lassen.
Wow, also ein eigenes neues Konzept? Ein eigenes neues Konzept.
Und da habe ich dieses Jahr im April war das, glaube ich, war ich auf einem
Arbeitsschutzkongress in Wuppertal. Und da haben wir die Heusdorfer Impulse
kennengelernt, Katharina Neumann.
Und genau die hat da eben einen Vortrag darüber gehalten, mentale Ersthelfer.
Und ich war so, als ob mir irgendjemand zugehört hätte, dass wir genau sowas brauchen.
Und mit der bin ich dann danach in Kontakt getreten. Und wir haben jetzt schon
die erste Runde mentale Ersthelfer ausgebildet. Darunter bin ich zum Beispiel. Wie toll.
Und die zweite Runde geht 1.2.9.
Genau. Und es wird auch noch eine dritte Gruppe ausgebildet, weil...
Dieses Thema tatsächlich sehr gut bei unseren Seeleuten ankommt.
Also da sind viele dabei, von den Älteren bis hin zu den Jüngeren,
die sagen, ja, das ist was, das brauchen wir.
Und da sitzen auch Leute mit drin, die selber schon eben durch gewisse Erfahrungen,
die sie eben durch ihren Job gesammelt haben,
die sagen, okay, wir können da was dazu beitragen, wie ich Situationen empfunden
habe und was ich mir gewünscht hätte in dem Moment. oder was wir gebraucht hätten.
Und ich bin gerade dabei, Verfahrensanweisungen zu schreiben.
Ich versuche, jeden da so weit zu integrieren, wie ich kann.
Ich weiß, dass mentale Gesundheit für viele Menschen eben nicht greifbar ist.
Aber es verändert sich gerade was bei uns. Ist ja auch ein Thema,
was so ein bisschen mit Tabu behaftet ist. Auf jeden Fall.
Wo man erstmal eine Schwelle überwinden muss, dass man überhaupt so weit kommt,
dass man Ersthelfer hat. Genau. Das ist ja fantastisch. Also das sind quasi Menschen.
Man lernt in der Weiterbildung so erstmal die Grundlagen der Psychologie,
würde ich mal fast sagen.
Also was gibt es denn überhaupt für mentale gesundheitliche Probleme,
die ein Mensch haben kann?
Und was sind so die Frühwarnanzeichen? Wie äußert sich das bei jemandem,
wenn es ihm vielleicht nicht gut gehen könnte?
Wie kann man mit jemandem umgehen, der gerade eine traumatische Situation hinter
sich gebracht hat oder das eben erlebt hat? Wie geht man mit so jemandem um?
Was kann man tun? Wie hat man sich einfach richtig in Anführungszeichen zu verhalten?
Genau, das haben wir da gelernt und versuchen das jetzt einfach in unseren Alltag zu integrieren.
Ich bin wieder mal total beeindruckt. Apropos Fairplay und Arbeiten bei Fairplay,
gibt es eigentlich da Stellen?
Möchtet ihr noch neue Kolleginnen, Kollegen haben? Immer.
Also ich weiß jetzt nicht, welche Stellen genau offen sind, aber man kann immer
auf unserer Webseite schauen, weil das wird wirklich immer schön gepflegt.
Wenn wir neue offene Stellen haben, kann man sich da immer informieren und wir
suchen immer neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Gut, den Link packen wir
natürlich in die Shownotes.
Ich finde ja, du bist wirklich ein Role Model, weil du anderen Menschen zeigst,
dass man als Frau, egal welchen Beruf man gerne machen möchte,
ihn einfach machen kann.
Egal, ob es vorher ein Frauenberuf, Männerberuf war, wenn man Lust darauf hat
oder wenn du Lust darauf hast, machst du ihn einfach und das finde ich so bewundernswert.
Ich bin echt begeistert von dir.
Und jetzt habe ich noch gelesen, du engagierst dich ehrenamtlich für Inspiring Girls.
Was ist das genau? Inspiring Girls ist ein Verein, den gibt es in vielen verschiedenen Ländern.
Und ich bin auch vor ein paar Monaten erst auf die gekommen durch LinkedIn tatsächlich.
Inspiring Girls, die haben einen Ansatz und zwar nicht erst da quasi einzugreifen
und zu sagen, wenn Frauen sich schon im jungen Erwachsenendasein befinden,
sondern zu sagen, hey, wir gehen aktiv, also proaktiv an Schulen.
Wir gehen auf Messen, wir gehen dahin, wo man eben junge Mädchen im Alter,
ich glaube, ab 10, also wo man sich mal langsam so die ersten Gedanken macht.
Was möchte ich denn werden?
Wo will ich mal hin im Leben? Und die gehen halt mit verschiedenen Frauen zum
Beispiel an Schulen, halten da Vorträge.
Also das heißt, das sind dann Frauen aus verschiedenen Berufswelten und eben
gerade Berufswelten, die nicht klischeehaft für Frauen stehen,
sondern Frauen, die weiß ich nicht, als Bauingenieur, als Kapitänin,
als HCQ-Officer oder als was auch immer arbeiten und dann einfach den Mädels
erzählen, so, hey, das und das habe ich in meinem Leben gemacht, um da hinzukommen.
Es muss nicht immer alles geradlinig sein. Es muss nicht die Ausbildung zur,
um es jetzt mal, Erzieherin, toller Beruf, wichtiger Beruf und Erzieher, super wichtig.
Aber es gibt ja diese klischeebehafteten Berufe für Frauen und die für Männer.
So und danach leben wir ja irgendwie immer noch. Und das ist so ein bisschen
die Main Message von Inspiring Girls,
dass man eben da ansetzt, wo sich junge Mädchen anfangen zu entwickeln und denen zu sagen so...
Ihr müsst nicht das machen, was alle anderen machen. Ihr könnt auch gegen den
Strom schwimmen. Ist gar kein Problem.
Toll. Genau. Total toll. Ja. Interessant. Inspiring Girls.
Apropos Kinder. Es gibt auch noch ein Buch, bei dem du ein Epilog geschrieben hast.
Das ist Moin Seekind. Genau.
Wie kam es jetzt dazu? Da hat mich letztes Jahr die Autorin Christiane Carstens
durch eine Pauline, um die es ja auch in dem Buch geht unter anderem,
durch die ist der Kontakt entstanden, weil Christiane hatte jemanden gesucht,
der eigentlich sollte es ein Vorwort werden, aber man hat sich am Ende dann
dafür entschieden, dass es ein Epilog wird.
Und dann habe ich mit Christiane telefoniert und er hat gesagt,
Fanny, ich habe deine Sachen, die du mit Hinz und Kunz.
Und dann hatte ich ja noch den Artikel in einem anderen Schifffahrtsmagazin
und die hat gesagt, du sagst deine Meinung, du stehst für Sachen ein,
würdest du gerne mein Vorwort schreiben? Und ich so, ja klar, mache ich.
Und dann hat sie mir halt so ein bisschen erzählt vom Buch und hat mir auch
quasi so ein paar Snippets aus dem Buch zugeschickt, dass ich mir mal so ein Bild davon machen kann.
Und das Interessante dabei war, das, was die Frauen, da geht es ja um fünf Frauen,
die auch in der Maritimwelt arbeiten,
Was die da beschreiben, das ist eins zu eins, also wirklich hundert Prozent
der gleiche Weg, den ich gegangen bin und immer noch gehe.
Das sind alles Frauen, die sich immer gegen irgendjemanden, also die quasi ihre,
also die immer aufstehen mussten und sagen mussten, ich habe genauso ein Recht
hier zu sein wie jetzt Person XY.
Die haben wirklich alle diese Erfahrung gemacht, die ich auch gemacht habe,
dass man denen erzählen wollte, sie dürfen hier nicht sein, sie können hier nicht sein,
sie sind Frauen, sie haben auf einem Schiff nichts zu suchen oder sonst wo was nichts zu suchen.
Und ja, da habe ich dann eben diesen Epilog geschrieben.
Das Buch heißt Moin Seekind und ist von? Christiane Carstens.
Okay, auch dazu packen wir natürlich einen Link in die Show Notes.
Fanny, ich könnte stundenlang mit dir reden.
Ich glaube aber, das ist für eine Podcast-Folge echt zu viel. Ich denke auch.
Fanny, das war so ein schöner Abend hier mit dir am Mikrofon. Wunderbar.
Vielen, vielen Dank für alles, was du uns erzählt hast und was du geteilt hast,
diese persönlichen Einblicke.
Ich bin ein noch größerer Fan als vorher.
Ich von deinem Podcast. Vielen, vielen Dank.
Also alles, alles Gute für dich und deinen weiteren Weg.
Dankeschön. Mach's gut. Tschüss. Bis bald. Tschüss.
Fanny Löwenstrom, HSEQ-Officer bei der Fairplay-Towage Group war heute zu Gast.
Ich hoffe, dir hat diese Folge gefallen.
Wenn du wissen möchtest, was in diesem Podcast demnächst geplant ist,
abonniere meinen Newsletter.
Den Link findest du unter dem Podcast. Ich freue mich sehr über deine Bewertung
oder über einen Kommentar, wo auch immer du diesen Podcast hörst.
Vielen lieben Dank fürs Zuhören. Ich wünsche dir einen schönen Tag und bis zum nächsten Mal.Tschüüüß!
Music.